Wissen
Wilder Arabica-Kaffee könnte schon bald Geschichte sein.
Wilder Arabica-Kaffee könnte schon bald Geschichte sein.(Foto: picture alliance / dpa)

Arabica-Bohnen sind gefährdet: Klimawandel bedroht Kaffee

Bereits in 100 Jahren könnte es keine wilden Bestände von Arabica-Kaffeebohnen mehr geben. Zu diesem Ergebnis kommen Botaniker, die die Auswirkungen des Klimawandels auf Arabica-Kaffee untersucht haben. "Tiefgreifend negativ" wirke sich das veränderte Klima auf die Wildbestände von Kaffee aus, schreiben die Forscher.

Die wilden Bestände des Arabica-Kaffees sind durch den Klimawandel gefährdet und könnten vor dem Ende des Jahrhunderts verschwunden sein. Davor warnen Forscher der Botanischen Gärten im Londonder Stadtteil Kew. Das Team um Aaron Davis berichtet im Journal "PloS One" über seine Resultate.

Arabica-Kaffee stammt ursprünglich aus Afrika, wird inzwischen aber in vielen Teilen der Welt angebaut, berichten die Botaniker in einer Mitteilung. Die wilden Formen sind wichtig, weil ihre genetische Vielfalt noch groß ist - sie bilden eine bedeutende Grundlage für die Zucht neuer Sorten.

Die Ergebnisse der Forscher basieren auf einer Klimasimulation. Ausgangspunkt waren die bisherige Verbreitung der Pflanzen und das bislang vorherrschende Klima. Die Daten wurden mit der Simulation HadCM3 in die Zukunft fortgeschrieben - einem Programm, das auch vom UN-Klimarat IPCC verwendet wird. Als Endzeitpunkte wurden die Jahre 2020, 2050 und 2080 genommen.

"Tiefgreifender negativer Einfluss"

"Die Modelle zeigten einen tiefgreifenden negativen Einfluss auf die Zahl und die Ausbreitung wilder Arabica-Populationen", berichten die britischen Wissenschaftler. Im schlimmsten Szenario gehen bis zum Jahr 2080 fast alle geeigneten Wachstumsregionen verloren - 99,7 Prozent. In der günstigsten Ausprägung sind es 65 Prozent.

Wie andere Pflanzen oder Tiere ist auch Kaffee auf geeignete Wachstumsbedingungen angewiesen: Licht, Luft- und Bodenfeuchte sowie Temperaturen gehören dazu. Wenn der Klimawandel diese Größen ändert, müssen die Pflanzen ausweichen.

In den Bergen bleibt ihnen dafür oft nur der Weg nach oben, in noch kühle Regionen, weg vom heißer werdenden Tiefland. Arabica kommt meist nur in feuchten Bergwäldern in Höhen von 950 bis 1950 Metern vor. Die natürliche Heimat der Pflanzen sind die Hochländer von Äthiopien und dem Südsudan.

Die britischen Forscher weisen darauf hin, dass ihre Vorhersagen eher zurückhaltend seien, da ihre Simulation von noch weitgehend ungestörten Wäldern ausgehe. Tatsächlich seien viele Regionen aber bereits abgeholzt. Auch die womöglich veränderten Blühzeiten oder die vielleicht verringerte Zahl von Bestäubern wurden nicht berücksichtigt.

Vergleich mit 1941

Ein Besuch auf dem Boma-Plateau im Südsudan bot den Forschern im April 2012 die Gelegenheit, ihre Simulation in der Realität zu überprüfen. Zum Vergleich nutzten sie Beobachtungen aus dem Jahr 1941. Die Vorhersage, dass der Arabica in dieser Region schon bis 2020 verschwunden sein könnte, scheine realistisch, erklären die Wissenschaftler. Darauf deuten bereits jetzt die schlechte Qualität der Samen, der Verlust erwachsener Arabica-Pflanzen und die geringe Zahl blühender und fruchtender Kaffeesträucher hin.

Die Studie hat das Überleben von Arabica getestet und sich weniger um die Produktivität oder die Qualität des Getränkes gekümmert. Der wirtschaftliche Wert der genetischen Ressourcen des Arabica-Kaffees - etwa für neue Züchtungen - wurde in einer Untersuchung aus dem Jahr 2006 mit bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar über eine Periode von 30 Jahren angegeben.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen