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Die Teleskopspiegel der Australischen Forschungsorganisation CSIRO unter der Milchstraße.
Die Teleskopspiegel der Australischen Forschungsorganisation CSIRO unter der Milchstraße.(Foto: Alex Cherney)

Flackern im Radiowellenbereich: Klumpen wabern in der Milchstraße

Die neuesten Beobachtungen von australischen Forschern könnten dazu führen, dass die bisherigen Vorstellungen von interstellarem Gas radikal verändert werden müssten. Die Forscher sehen ein Flackern in einer fernen Galaxie live.

Durch die Milchstraße wabern unsichtbare Röhren, Scheiben und Kugeln aus elektrisch geladenem Gas. Das legen zumindest Beobachtungen australischer Astronomen im Radiowellenbereich nahe. Das Team um Keith Bannister von der australischen Forschungsorganisation CSIRO stellt seine Analysen im US-Fachblatt "Science" vor. Demzufolge scheinen sich in dem allgegenwärtigen dünnen Gas zwischen den Sternen mancherorts massive Klumpen zu bilden. "Das könnte unsere Vorstellung vom interstellaren Gas radikal ändern, dem Recycling-Depot der Galaxie, in dem Material von alten Sternen zu neuen verwandelt wird", betont Bannister in einer CSIRO-Mitteilung.

Die Astronomen haben erstmals ein seltenes Phänomen namens Extreme Scattering Event (extremes Streuereignis, ESE) live verfolgt. Dabei fängt das Licht einer normalerweise sehr gleichförmig leuchtenden, fernen Galaxie auf einmal an zu flackern. Allerdings macht sich dieses Flackern nicht im optischen Bereich bemerkbar, sondern im Bereich der Radiowellen. Die Ursache für das Flackern liegt nicht in der fernen Galaxie selbst, sondern in unserer eigenen Galaxie, in der sich elektrisch geladenes interstellares Gas in die Sichtlinie schiebt. "Klumpen in diesem Gas können wie Linsen funktionieren und die Radiowellen fokussieren oder defokussieren, so dass sie über Tage, Wochen oder Monate scheinbar stärker und schwächer werden", erläutert Bannister.

Bei der fernen Galaxie mit der Katalognummer PKS 1939-315 im Sternbild Schütze verfolgten die Astronomen ein Flackern, das ein Jahr anhielt. Die verantwortlichen "Gas-Linsen" sind vermutlich etwa so groß wie die Erdumlaufbahn um die Sonne und liegen etwa 3000 Lichtjahre entfernt. Ein Lichtjahr ist die Distanz, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Den Beobachtungen zufolge kann es sich allerdings nicht um durchgehend massive Klumpen handeln. "Wir könnten von der Kante auf eine flache Scheibe schauen, oder wir blicken direkt in die Röhre eines Hohlzylinders wie einer Nudel oder auf eine Kugelschale wie eine Haselnuss", berichtet Ko-Autor Cormac Reynolds vom CSIRO.

Mit weiteren Beobachtungen wollen die Forscher nun die Natur der Linsen weiter analysieren und ihre genaue Form bestimmen. Wenn es sich wie vermutet um Wolken aus kaltem Gas handelt, die von ihrer eigenen Schwerkraft zusammengehalten werden, würden diese im optischen Bereich unsichtbaren Klumpen einen erheblichen Teil der Masse unserer Milchstraße ausmachen, betonen die Astronomen.

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Quelle: n-tv.de

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