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Wie gut man sich an etwas erinnert, hängt auch davon ab, wie stark die zuständigen Synapsen sind.
Wie gut man sich an etwas erinnert, hängt auch davon ab, wie stark die zuständigen Synapsen sind.(Foto: picture alliance / dpa)

Fortschritt in Gedächtnisforschung: Kontakte fördern Synapsenbildung

An manche Dinge kann man sich sehr gut erinnern, andere Erinnerungen verblassen. Dafür verantwortlich sind die Synapsen im Hirn. Doch wie und wann sie sich bilden, ist lange Zeit ungeklärt gewesen - Forscher haben nun aber eine Erklärung dafür, wie Nervenzellen entscheiden, diese Kontakte miteinander einzugehen.

Damit eine Erinnerung nicht verblasst, müssen sich im Gehirn Synapsen bilden oder verstärken, also Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Wann sie das tun, war bislang nicht geklärt. Neurowissenschaftler aus Freiburg und Jülich haben nun jedoch anhand mathematischer Modelle eine einfache Erklärung gefunden, wie und wann sich Nervenzellen dazu entscheiden, einen Kontakt zu einer anderen Nervenzelle herzustellen – oder ihn wieder zurückzubilden.

Die Wissenschaftler vom Bernstein Center Freiburg und dem Forschungszentrum Jülich vermuteten, dass sich Synapsen zwischen Nervenzellen dann verstärken, wenn beide Zellen schnell hintereinander aktiv sind und sich dadurch die Erinnerungen besser verankern. Wie sie jetzt in einer Biologie-Fachzeitschrift berichtete, fand die Gruppe um Moritz Deger anhand theoretischer Modelle am Computer einen Mechanismus, der die Bildung von Synapsen erklären könnte.

Das Netzwerk macht's

Sind zwei Nervenzellen bereits durch mehrere andere Kontakte miteinander verknüpft, begünstigt das die Bildung eines neuen, zusätzlichen Kontakts. Alle gemeinsam tragen dazu bei, die nachgeschaltete Zelle zu erregen - durch diese simultane Aktivität entsteht schließlich eine neue Synapse. Passiert das wiederholt und in der richtigen Reihenfolge, dann bleibt die Synapse bestehen und wird stärker. Wird die Erregung aber in die falsche Richtung abgegeben, bildet sich die Synapse wieder zurück, die Erinnerung wird also schwächer.

Wie die Wissenschaftler berichten, lassen sich durch dieses Modell typische Beobachtungen bisheriger Experimente erklären. Dass die Forschergruppe diesen lange schon gesuchten Mechanismus der Synapsenbildung entdeckt hat, ist ein großer Fortschritt für die Neurowissenschaft.

Quelle: n-tv.de

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