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Eine Illustration von Gliese 1214b, der um seinen Heimatstern kreist. Gliese 1214b ist eine Supererde, rund 42 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Eine Illustration von Gliese 1214b, der um seinen Heimatstern kreist. Gliese 1214b ist eine Supererde, rund 42 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.(Foto: ESO, L. Calcada)

Dunkel, kalt und weit entfernt: Kreisen zwei Supererden um unsere Sonne?

Gibt es jenseits von Pluto in unserem Sonnensystem noch Planeten? Bislang schien klar: Das kann nicht sein. Doch seit einiger Zeit gerät diese Überzeugung ins Wanken. Die Hinweise auf zwei große Objekte weit, weit draußen verdichten sich.

Bis zum Pluto und noch viel weiter: Während Pluto vor einigen Jahren seinen Status als vollwertiger Planet verloren hat, legen neue Berechnungen nahe, dass zwei dunkle, eisige "Supererden" weit außerhalb der Plutobahn um unsere Sonne kreisen könnten. Forscher der Complutense Universität von Madrid und der Universität Cambridge veröffentlichten entsprechende Untersuchungen im "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Letters".

Schon vor einigen Jahren gab es Spekulationen über die Existenz mindestens eines größeren Planeten in der sogenannten "Oortschen Wolke", einer Ansammlung von Objekten am äußersten Rand unseres Sonnensystems. Ausgelöst wurden diese Vermutungen durch das Flugverhalten eines 2012 entdeckten Zwergplaneten. Seine Bahn legte nahe, dass sie durch die Gravitation eines weiter draußen liegendes Objekt gestört wird.

Diese These galt es nun zu überprüfen – und die Hinweise auf ein solches Objekt verdichteten sich nicht nur, sondern die Wissenschaftler um Carlos de la Fuente Marcos fanden sogar Hinweise darauf, dass es mindestens zwei solche Planeten geben könnte. Dazu untersuchten die Astrophysiker Bewegungen von Objekten, die sich jenseits des Neptuns befinden. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass "unsichtbare Kräfte die Verteilung der transneptunischen Objekte abändern", sagt der Physiker de la Fuente Marcos. "Wir betrachten als wahrscheinlichste Erklärung, dass es weitere unbekannte Planeten jenseits von Neptun und Pluto gibt." Die genaue Anzahl sei aufgrund der eingeschränkten Messdaten unklar. "Aber unsere Berechnungen legen nahe, dass es mindestens zwei Planeten innerhalb der Grenzen unseres Sonnensystems gibt – wenn nicht noch mehr", sagt der Forscher.

Die Planeten könnten etwa zehn Mal so groß sein wie unsere Erde. Es würde sich also um sogenannte "Supererden" handeln – ein etwas irreführender Begriff, denn Leben wäre angesichts der Bedingungen dort nicht möglich. Als Supererden werden aber Objekte beschrieben, die größer sind als unsere Erde, jedoch kleiner als Gasriesen wie Saturn oder Jupiter. Sollten diese Planeten tatsächlich in unserem Sonnensystem existieren, schätzen die Forscher, dass sie in einem Abstand von 200 bis 300 Astronomischen Einheiten (AE) um die Sonne kreisen. Eine AE beschreibt den Abstand zwischen Erde und Sonne.

"Es wäre revolutionär"

Doch die Erkenntnisse sollte man derzeit noch mit Samthandschuhen anfassen. Gängige Modelle der Planetenentstehung gingen bislang davon aus, dass es unmöglich ist, dass so große Planeten so weit von einem Stern entfernt entstehen. Erst vor Kurzem haben Beobachtungen ein Fragezeichen hinter diese vermeintliche Tatsache gesetzt: In der Staubscheibe um HL Tauri, einem jungen Stern im Sternbild Stier, gibt es deutliche Hinweise darauf, dass auch in den äußeren Bereichen durchaus Planeten entstehen könnten.

Der viel triftigere Grund für Skepsis ist: Die Wissenschaftler gestehen selbst ein, dass ihre Analyse bislang auf sehr wenigen konkreten Beobachtungen basiert. In den kommenden Monaten wollen sie deshalb weitere Daten untersuchen, um ihre These zu untermauern und aussagekräftiger zu machen. "Sollte sie sich bestätigen, wären unsere Ergebnisse wirklich revolutionär für die Astronomie", sagt de la Fuente Marcos.

Quelle: n-tv.de

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