Wissen
Hilfsbereitschaft liegt Forschern zufolge in der Natur des Menschen.
Hilfsbereitschaft liegt Forschern zufolge in der Natur des Menschen.(Foto: picture alliance / dpa)

Hilfsbereit von Natur aus: Mensch ist selbstlos

Egoismus ist nicht angeboren - der Mensch erlernt das eigennützige Handeln erst im Laufe seines Lebens. Das legt zumindest die Studie eines internationalen Forscherteams nahe, die das menschliche Sozialverhalten untersuchten. Hilfsbereitschaft entspringt demnach einem angeborenen Impuls des Menschen.

Menschen neigen scheinbar von Natur aus zu selbstlosem Verhalten. Handeln aus eigenem Kalkül werde dagegen erst im Lauf des Lebens erlernt, vermutet ein internationales Forscherteam auf Basis einer Studie. Das folgern die Forscher um den Psychologen Jan van Honk von der Universität Utrecht aus dem Verhalten von Menschen mit einer seltenen Erbkrankheit, die ein bestimmtes Hirnareal schädigt. Die Untersuchung erscheint in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Ist der Mensch auf seinen eigenen Vorteil bedacht oder von Natur aus ein eher uneigennütziges Wesen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Philosophen, sondern auch Naturwissenschaftler. Um dies zu klären, achten viele Studien auf die Amygdala. Dieses Hirnareal von der Form und Größe eines Mandelkerns ist unter anderem für die Verarbeitung von Emotionen wie Vertrauen sowie für soziales und wirtschaftliches Handeln zuständig.

Seltene Erbkrankheit schädigt Amygdala

Bislang betrachteten Forscher die Amygdala meist als Ganzes. Doch in den vergangenen Jahren deuteten Tierstudien darauf hin, dass zwei verschiedene Teile dieses Hirnareals völlig unterschiedliche Zuständigkeiten haben: Demnach steuert die basolaterale Amygdala (BLA) kalkuliertes Handeln, während die zentral-mediale Amygdala (CMA) für impulsgesteuertes gefühlsmäßiges Verhalten zuständig ist.

Um dies beim Menschen zu prüfen, untersuchten die Forscher Frauen mit dem Urbach-Wiethe-Syndrom (UWD), das die Amygdala schädigt und das in Südafrika besonders oft vorkommt. Menschen mit der seltenen Erkrankung haben zwar meist eine normale Intelligenz, jedoch Defizite bei der Verarbeitung von Emotionen wie etwa Angst.

Bei den drei untersuchten Frauen war nur die basolaterale Amygdala verkalkt, dagegen war der zentral-mediale Teil der Hirnregion intakt. Die Forscher verglichen nun anhand eines Spiels das Verhalten der Teilnehmerinnen mit dem von zwölf gesunden Frauen ähnlichen Alters und vergleichbarer Intelligenz.

Vergleich anhand eines Spiels

Bei dem Spiel erhielt jede Teilnehmerin einen Geldbetrag - zwölf Südafrikanische Rand (SAW). Davon konnte sie einem Partner einen beliebigen Betrag überlassen, der dann verdreifacht wurde. Ob und wie viel Geld der Partner ihnen danach abgab, blieb ihm überlassen.

Die Frauen mit dem Urbach-Wiethe-Syndrom gaben dem Sachwalter durchschnittlich gut neun Rand - doppelt so viel wie die Frauen aus der Kontrollgruppe. Tests zeigten aber, dass sie weder vertrauensseliger noch risikofreudiger waren als die anderen Teilnehmerinnen. Obwohl sie sich keinen höheren Gewinn verprachen, gaben sie ihren Partnern mehr Geld - offenbar aus einem Impuls heraus.

Die Forscher schließen daraus, dass die Schädigung der basolateralen Amygdala das Vermögen beeinträchtigt, aus Kalkül zu handeln. Stattdessen werde das impulsive Verhalten gestärkt. "Unsere Resultate passen zu der Idee, dass eine primär impulsive Reaktion in Menschen darauf abzielen kann, zu helfen und zu kooperieren", schreiben sie. Dagegen werde kalkulierendes - also egoistisches - Verhalten erst im Lauf des Lebens erlernt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen