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Können sie Krankheiten übertragen?: Mückenkarte soll helfen

In Deutschland sind 47 Mückenarten bekannt. Die Frage ist, ob sie mit ihrem Stich auch Krankheiten übertragen können. Wissenschaftler erstellen nun eine Mückenkarte für Deutschland.

Männliche Stechmücke aus der Gattung Culex.
Männliche Stechmücke aus der Gattung Culex.(Foto: dpa)

Die Tür auf dem kalten Dachboden geht auf, und man fühlt sich wie in den Tropen. "Wir haben hier 28 Grad Celsius, und etwa 70 bis 80 Prozent Luftfeuchtigkeit", sagt Prof. Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin in Hamburg. "Keine Angst, die Mücken hier in diesem Insektarium sind nicht infiziert." In dem Raum werden Anopheles-Mücken gezüchtet, potenzielle Überträger von Malaria. Die BNI-Forscher stecken sie in einem Hochsicherheitslabor mit dem Erreger an, und untersuchen sie schließlich. In einem neuen Projekt wollen sich die Wissenschaftler nun Mücken aus Deutschland widmen: Welche Arten kommen überhaupt vor? Wie sind sie verbreitet, wo sind sie besonders häufig? Und wären sie in der Lage, Krankheiten wie das Dengue- oder West-Nil-Fieber zu übertragen?

"Vorkommen und Vektorkompetenz von Stechmücken" heißt das Projekt offiziell. Mit Vektorkompetenz ist die Fähigkeit der Mücke gemeint, Erreger auf Menschen oder Tiere zu übertragen. Das Forschungsvorhaben wird von der Leibniz Gemeinschaft zunächst mit 762.000 Euro gefördert. Beteiligt ist auch das Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (SDEI) in Müncheberg. Die Experten für Artenkunde sollen die Mücken bestimmen, die Forscher ihnen aus ganz Deutschland liefern sollen. Auch Wetterdaten aus der jeweiligen Region werden übermittelt. Eine Mückenkarte soll entstehen.

Fast 50 Mückenarten nachgewiesen

Nach Angaben von Norbert Becker von der Universität Heidelberg wurden in Deutschland bislang 47 Mückenarten nachgewiesen, darunter auch exotische Mücken wie der japanische Buschmoskito. "Vor dem Hintergrund des Klimawandels wird immer gesagt, da kommen neue Mücken, und dass es bald auch in Deutschland durch Mücken übertragene Tropenkrankheiten geben könnte", sagt Tannich. Ob dies so eintrete, sei aber noch lange nicht sicher. "Wir brauchen verlässliche Daten, die es ermöglichen, einen Ausbruch neuer Seuchen rechtzeitig zu erkennen, und um vorbeugen zu können." Über Mücken im Süden von Deutschland wisse man recht gut Bescheid. "Doch wir wissen kaum etwas über Mücken beispielsweise im Oderbruch oder Norddeutschland."

Im vergangenen Jahr hatten BNI-Forscher beispielsweise Sindbis-Viren unter anderem bei zwei Culex-Mückenarten in Baden-Württemberg gefunden. Die Viren wurden erstmals in Ägypten bekannt, und rufen eine Fiebererkrankung hervor, bei der auch die Gelenke entzündet sein können, oder bei der es zu Hautausschlägen kommen kann.

West-Nil-Virus könnte nach Deutschland kommen

Als möglicher "Kandidat, mit dem wir jederzeit in Deutschland rechnen", gilt das West-Nil-Virus, das unter anderem auch durch Culex-Mücken übertragen wird. In den USA hat sich das Virus bereits flächendeckend ausgebreitet, es wird durch Zugvögel aus Afrika eingeschleppt. Bei der Mehrzahl der Infizierten kommt es nicht zu gravierenden Symptomen. Aber einige, vor allem ältere Menschen, können eine fieberhafte Erkrankung entwickeln, bei der in Einzelfällen auch das Gehirn oder die Hirnhäute entzündet sind. "Bislang ist uns keine West-Nil-Erkrankung in Deutschland bekannt", sagt Tannich. "Vielleicht haben wir bisher nur Glück gehabt, oder aber die Mücken hier sind nicht in der Lage, das Virus zu übertragen."

Eingebunden in das Projekt ist bereits die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS). Die Organisation mit Sitz in Waldsee (Rheinland-Pfalz) untersucht seit Jahrzehnten Mücken im Rahmen eines Überwachungs- und Bekämpfungsprogramms. "Mehrere Mitarbeiter, vor allem Doktoranden, sammeln regelmäßig am Oberrhein, an der Donau, der Isar, dem Chiemsee und an der Elbe Mücken für das Gemeinschaftsprojekt. Die Aktivitäten sollen nun auf weitere Mücken-Hotspots ausgedehnt werden", sagt Becker, Wissenschaftlicher Direktor der KABS.

Aus Italien eingeschleppt

Mückenfallen werden unter anderem an Autobahnraststätten entlang der A5 aufgestellt. "Wir haben in Baden-Württemberg Eier von asiatischen Tigermoskitos, also Aedesmücken, gefunden, die wohl durch PKWs aus Italien eingeschleppt wurden", sagt Becker. Bislang hätten sich diese speziellen Mücken aber nicht in Deutschland ausbreiten können. Aedesmücken können durch ihren Stich potenziell das Chikungunya-Fieber sowie das Dengue-Fieber übertragen. Vor einigen Jahren war es in Italien zu einem Ausbruch von Chikungunya gekommen. Dengue-Fälle in Deutschland waren bislang nur bei Reisenden aufgetreten.

Quelle: n-tv.de

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