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Der beringte Exoplanet von Tabbys Stern könnte nach neuen Erkenntnissen die Größe von Neptun haben.
Der beringte Exoplanet von Tabbys Stern könnte nach neuen Erkenntnissen die Größe von Neptun haben.(Foto: imago/Leemage)
Freitag, 15. September 2017

Rätsel um KIC 8462852: Neue Erklärung für "Alien-Stern" gefunden

Von Kai Stoppel

Zwei Jahre schon beschäftigt der Stern KIC 8462852 die Astronomen: Er schwankt in seiner Helligkeit derart seltsam, dass manche schon eine außerirdischen Zivilisation als Ursache erwägen. Nun liefern Forscher eine andere Erklärung für das Phänomen.

Der Stern KIC 8462852, auch Tabbys Stern genannt (nach der Astronomin Tabetha Boyajian, die wesentlichen Anteil an der Beschreibung seiner Besonderheit hat), bringt seit zwei Jahren Wissenschaftler weltweit ins Grübeln. Ursache ist ein äußerst ungewöhnliches Flackern seiner Helligkeit, für das Astronomen bisher noch keine eindeutige Erklärung gefunden haben.

Aufgefallen war Tabbys Stern bei der Suche nach Exoplaneten mit dem Weltraumteleskop Kepler. Dieses hält nach Helligkeitsschwankungen bei Sternen Ausschau. Denn zieht ein Exoplanet aus Sicht der Erde an seinem Stern vorbei, verdunkelt er bei diesen sogenannten Transit den Stern ein bisschen.

Weltraumteleskop Kepler

Das Weltraumteleskop Kepler ist eine Mission der Nasa zum Aufspüren von erdähnlichen Exoplaneten. Dazu untersucht das Teleskop mehr als 100.000 Sterne auf kleine Schwankungen in ihrer Helligkeit. Diese Schwankungen können durch einen Transit hervorgerufen werden - also wenn ein Planet aus unserer Sicht genau vor dem Stern vorbeizieht.

Im März 2009 ist das Weltraumteleskop in eine Umlaufbahn um die Sonne gestartet, auf der es der Erde folgt. Bereits im Januar 2010 entdeckte Kepler die ersten Planeten.

Die Verdunkelung war bei Tabbys Stern jedoch zum Teil derart gravierend, dass ein normaler Planet dafür nicht infrage kam. Astronomen mussten ihre Fantasie spielen lassen. So wurde sogar die Möglichkeit einer gigantischen, von einer hochentwickelten Alien-Zivilisation gebauten Struktur diskutiert: eine sogenannte Dyson-Sphäre. Die Suche nach Radiosignalen dieser Zivilisation verlief allerdings erfolglos.

Weitere Erklärungsansätze konnten bisher ebenfalls nicht überzeugen - etwa ein Kometen-Schwarm oder ein "abgestürzter" Planet, der den Stern zum Flackern gebracht haben soll. Beide Theorien setzen voraus, dass die Astronomen zufällig einem einmaligen Ereignis beigewohnt hätten - aus Sicht von Forschern äußerst unwahrscheinlich.

Führt der Saturn zur Lösung?

Eine Vielzahl von Formen sollen die Ringe des Exoplanten aufweisen.
Eine Vielzahl von Formen sollen die Ringe des Exoplanten aufweisen.(Foto: Sucerquia et al.)

Einen neuen Ansatz wählt ein Forscher-Team aus Kolumbien. Die Wissenschaftler um Mario Sucerquia schlagen vor, dass ein Planet mit einem Ringsystem - ähnlich dem von Saturn - in einer engen Bahn den Stern umkreist. Der Planet ist in diesem Modell etwa nur so groß wie der Neptun.

Die scheinbar unregelmäßigen Helligkeitsschwankungen erklären die Forscher mit einer Kombination aus zwei Phänomenen: Zum einen stünden die Ringe des Planeten aus Sicht der Erde stets in einem anderen Winkel. Das ist vergleichbar mit einer Sonnenblende im Auto - je nach Winkel hält sie mal mehr, mal weniger Licht zurück.

Zum anderen kreise der Planet so dicht um Tabbys Stern, dass dessen Schwerkraft die Planetenringe zum Wabern bringe und zu immer neuen, bizarren Formen verbiege. Beim Zusammenspiel beider Phänomene entstünde so eine Vielzahl unterschiedlichster Ringformen, welche den Stern während des Transits auf sehr unterschiedliche Weise abdunkelten.

"Keine Muster erkennbar"

Die Idee mit dem beringten Planeten ist allerdings nicht ganz neu: Bereits Im Mai veröffentlichte ein Team aus Spanien eine Studie, die einen ähnlichen Ansatz hat. So soll für die größte Verdunkelung ein gigantischer Planet mit einem riesigen Ringsystem verantwortlich sein.

Die Phasen geringerer Abschwächung des Sternenlichts hingegen werden demnach von sogenannten Trojanern verursacht: kleinere Planeten und Gesteinsbrocken, welche auf derselben Bahn wie der Planet um den Stern kreisen, allerdings in einem bestimmten Abstand zum Planeten, an den sogenannten Lagrange-Punkten.

Aber auch zu diesen neuen Ansätzen gibt es kritische Stimmen. So bemängelt etwa US-Astronom Keivan Stassun gegenüber New Scientist in Bezug auf die von den kolumbianischen Forschern vorgeschlagenen wabernden Ringe, dass selbst diese eine Art von wiederkehrendem Muster hervorbringen müssten. Jedoch sei bei Tabbys Stern bisher keinerlei wiederkehrendes Muster erkennbar. So dürfte auch dieses Mal das letzt Wort bei der Suche nach einer Erklärung für die sonderbaren Ereignisse rund um den "Alien-Stern" noch nicht gesprochen sein.

Quelle: n-tv.de

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