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Dienstag, 28. Mai 2013

Darmkrebs-Früherkennung: Neue Methode erhöht Trefferquote enorm

Gesetzliche Krankenkassen finanzieren bei der Darmkrebsvorsorge unter anderem enzymatische Nachweisverfahren für verborgenes Blut im Stuhl. Das Deutsche Krebsforschungszentrums belegt nun, dass neuere immunologische Testsysteme sich als zuverlässiger erweisen. Die Kosten für solche Verfahren werden von den "Gesetzlichen" jedoch bisher nicht finanziert. Ist es Zeit, umzudenken?

Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung: Jeder Vierte stirbt in Deutschland an Krebs. Bei Vorsorge und Therapien könnte vieles verbessert werden.
Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung: Jeder Vierte stirbt in Deutschland an Krebs. Bei Vorsorge und Therapien könnte vieles verbessert werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Darmkrebs ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts die zweithäufigste Tumorerkrankung in Deutschland – hinter Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern. Darmtumore machen einen Anteil von rund 14 Prozent an allen Krebsneuerkrankungen aus und sind auch die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland – mit rund 13.000 Sterbefällen im Jahr. Auch deshalb werden Vorsorge-Angebote großgeschrieben. Zur Früherkennung von Darmkrebs haben alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland von ihrem 50. Geburtstag an Anspruch auf einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Darüber hinaus wird ihnen vom 55. Geburtstag an eine Darmspiegelung angeboten.

Darmspiegelung nicht sehr beliebt

Doch Darmspiegelungen sind als freiwillige Untersuchung weitaus unbeliebter als der Stuhltest, obwohl mögliche Krebsvorstufen dort mit großer Sicherheit entdeckt werden. "Daher sind die Tests auf verborgenes Blut wichtig, denn mit ihnen erreichen wir mehr Menschen", sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Umso wichtiger sei es, dass diese Nachweisverfahren dann auch aussagekräftig seien. Auch deshalb hat das DKFZ die Effizienz enzymatischer und immunologischer Tests verglichen. Dafür gaben 2235 Menschen, die zwischen 2005 und 2009 an einer Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung teilnahmen, kurz vor der Untersuchung Stuhlproben ab. Sie wurden mit beiden Verfahren – enzymatisch und immunologisch – auf verborgenes Blut untersucht. Anschließend glichen die DKFZ-Forscher die Testergebnisse mit den Resultaten der Darmspiegelung ab.

Trefferquote immunologischer Tests höherer

Das Ergebnis: Der enzymatische Test spürte ein Drittel aller Fälle von Darmkrebs auf – rund neun Prozent der fortgeschrittenen Vorstufen und rund fünf Prozent der frühen Vorstufen. Das schreiben die Forscher im "European Journal of Cancer". Mit den drei untersuchten immunologischen Tests dagegen wurden etwa doppelt so viele der Krebserkrankungen (60 bis 73 Prozent) und rund dreimal so viele der fortgeschrittenen Krebsvorstufen gefunden.

Nur einem knappen Drittel (31 Prozent) aller positiven enzymatischen Tests lag tatsächlich eine Gewebeveränderung zugrunde. Unter den positiven Befunden der immunologischen Tests dagegen bestätigte die Darmspiegelung in rund zwei Drittel aller Fälle (57 bis 68 Prozent) eine Veränderung.

Standard in mehreren EU-Ländern

In mehreren anderen europäischen Ländern, die Programme zu Krebsfrüherkennung anbieten, seien die immunologischen Tests inzwischen Standard, betont DKFZ-Forscher Brenner. Beim deutschen Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen stehe dieses Thema auch auf der Agenda,versicherte Sprecherin Ann Marini. "Das ist nichts, wo man gleich abwinkt", betonte sie. Es werde zurzeit geprüft, ob beim Gemeinsamen Bundesaussschuss ein Antrag auf Bewertung der immunologischen Tests gestellt werden solle. Beschlossen sei das aber noch nicht. Erst bei positivem Votum des Ausschusses könnten die Kassen diese Leistung erstatten. Solche Ausschuss-Verfahren könnten aber mehrere Monate dauern, sagte Marini. Bis zu einem Ergebnis müssen Patienten immunologische Tests selbst bezahlen. Nach Angaben der Felix-Burda-Stiftung kostet er 15 Euro.

Quelle: n-tv.de

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