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Der Airbus A300 ZERO-G der französischen Firma Novespace auf dem Rollfeld am ILA-Gelände am Flughafen Berlin-Schönefeld (Archivbild vom 15. September 2012)
Der Airbus A300 ZERO-G der französischen Firma Novespace auf dem Rollfeld am ILA-Gelände am Flughafen Berlin-Schönefeld (Archivbild vom 15. September 2012)(Foto: picture alliance / dpa)

Schwerelos für 6000 Euro: Passagiere gehen auf Parabelflug

Countdown für den Flug in die völlige Schwerelosigkeit: Am Freitag startet in Frankreich Europas erster kommerzieller "Parabelflug". Er bietet den Passagieren ein Weltraum-Gefühl - für 6000 Euro.

Der Countdown für den Flug in die völlige Schwerelosigkeit läuft. An Bord eines speziell umgerüsteten Airbus werden sich am Freitag 40 Weltraumfans und Abenteuerlustige einen Traum erfüllen - und sich wie echte Astronauten fühlen können. Denn beim ersten kommerziellen sogenannten Parabelflug in Europa lassen die Passagiere die Erdanziehungskraft hinter sich und schweben schwerelos durch die Flugzeugkabine. Billig ist das Vergnügen nicht: Knapp 6000 Euro müssen die Passagiere der am südfranzösischen Flughafen Bordeaux-Mérignac startenden Maschine hinlegen.

Von dem hohen Preis hat sich Marie-Claude Lamy nicht abschrecken lassen: "Die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, das ist doch klar!" Die 55-jährige zweifache Mutter ist ein Luftfahrt-Fan, saß schon mal am Steuer eines kleineren Flugzeugs und lässt sich auch keine Chance entgehen, einen Helikopterflug mitzumachen. Der Parabelflug ist aber nochmal eine andere Nummer: "Das werde ich nur einmal im Leben machen", sagt Lamy.

Körper ohne Gewicht

Der Chef der Firma Novespace, Jean-Francois Clervoy (M) während eines Parabelflugs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Kabine des Airbus A300 Zero-G. (Archivbild vom 16. September 2012)
Der Chef der Firma Novespace, Jean-Francois Clervoy (M) während eines Parabelflugs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Kabine des Airbus A300 Zero-G. (Archivbild vom 16. September 2012)(Foto: picture alliance / dpa)

Auch der französische Ex-Astronaut Jean-François Clervoy fiebert dem Freitag entgegen, an dem der Airbus A300 Zéro-G (für Zéro Gravité; Null Schwerkraft) starten wird. "Ich kann es kaum erwarten, sie über beide Ohren strahlen zu sehen", sagt der Mitorganisator der Flüge. Sie, das sind die Passagiere, die mit der Schwerelosigkeit einen Zustand genießen werden, den er schon oft erlebt hat und als Gefühl beschreibt, "dass der Körper sich seines Gewichts entledigt".

Damit dies gelingt, donnert der Airbus A300 Zéro-G mit 810 Kilometern je Stunde in einem Steigungswinkel von 47 Grad in die Höhe. Dann drosselt der Pilot die Schubkraft der Turbinen, die Maschine folgt einer parabelförmigen Bahn und stürzt in die Tiefe - das Resultat sind 22 Sekunden Schwerelosigkeit. Und weil der Airbus das Manöver während des zweieinhalbstündigen Flugs 15 Mal wiederholt, fühlt sich jeder Passagier in der gepolsterten Flugzeugkabine insgesamt rund fünf Minuten schwerelos.

Anziehungskraft wie auf dem Mars

Zur Eingewöhnung wird in einem ersten Parabelflug zunächst die Anziehungskraft simuliert, die auf dem Mars herrscht - ein Drittel des Körpergewichts auf der Erde -, dann zweimal die auf dem Mond - ein Sechstel des Körpergewichts. Dann folgen zwölf Parabelflüge mit völliger Schwerelosigkeit. Während es in den USA und in Russland solche kommerziellen Flüge bereits gibt, ist das neue Angebot in Europa einzigartig.

Normalsterbliche, die sich vorher einem Gesundheitscheck unterziehen müssen, bekommen so Zugang zu einem bislang ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke genutzten A300 Zéro-G. An Bord der Maschine lassen sich die Effekte der Schwerelosigkeit untersuchen, der die Astronauten im Weltraum ausgesetzt sind. In 15 Jahren Jahren absolvierte die Maschine von Novespace, einer Tochter des französischen Zentrums für Weltraumforschung Cnes, rund hundert Flüge. Insgesamt kamen so mehr als 70 Stunden Schwerelosigkeit zustande.

Der kommerzielle Flug sei wie "ein Tag der offenen Tür in einem Forschungslabor", sagt Ex-Astronaut und Novespace-Chef Clervoy - und nicht wie "ein Freizeitpark für Touristen". Zudem bleibt auch künftig die Forschung Priorität: Neben den drei für dieses Jahr geplanten kommerziellen Einsätzen gibt es pro Jahr sechs Forschungsflüge. Der nächste Flug für zahlende Gäste startet Ende Juni in Paris - und ist bereits ausgebucht.

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Quelle: n-tv.de

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