Gedächtnisturbo aus der SchokoladeSchnecken lernfähiger mit Kakao

Was lange vermutet wurde, könnte sich als wahr herausstellen: Schokolade macht schlau - zumindest Schnecken. Kanadische Forscher wissen nun, dass sich Wasserschnecken unter dem Einfluss von Kakaostoffen viel länger an Erlerntes erinnern können.
Auf die Idee, Schnecken mit Schokolade zu füttern und dann die Wirkung auf ihre Gedächtnisleistung zu testen, muss man erst mal kommen – kanadische Forscher erzielten mit diesem Versuch jetzt einen kleinen Erfolg: Schokolade macht Schnecken schlauer.
Die Biologen um Lee Fruson von der University of Calgary versuchten Spitzschlammschnecken ein für sie untypisches Verhalten anzutrainieren, wie sie im "Journal of Experimental Biology" berichteten. In sauerstofflosen Gewässern fahren die Schnecken normalerweise ihr Pneumostom, eine kleine Röhre mit Atemloch, aus und holen damit über der Wasseroberfläche Luft. Diese Öffnung können sie bei Bedarf schließen. Die Forscher versuchten den Schnecken nun anzutrainieren, ihr Atemloch dauerhaft geschlossen zu halten. Dafür stupsten sie es wiederholt an: Jedes Mal schlossen die Schnecken reflexartig ihre Atemöffnung, bis sie sie schließlich dauerhaft geschlossen hielten.
Dieser Lerneffekt hielt allerdings nicht lange an. Nach einer halben Stunde Training konnten die Schnecken sich nur etwa drei Stunden an das antrainierte Verhalten erinnern. Danach mussten die Forscher ihnen alles erneut beibringen.
Schnecken vergessen Erlerntes nicht mehr
Später wiederholten die Forscher um Fruson den Versuch, nachdem sie die Wasserschnecken mit Epicatechin fütterten, einem Stoff aus Bitterschokolade. Dieser befeuerte die Gedächtnisleistung extrem: Die Schnecken konnten sich nach einer halben Stunde Training auch am nächsten Tag noch an das Gelernte erinnern. Übten die Forscher eine ganze Stunde, riefen die Schnecken das antrainierte Verhalten sogar drei Tage später noch ab.
Ein weniger schöner Nebeneffekt: Die Schnecken vergaßen nicht mehr, was sie gelernt hatten. Als die Forscher ebenfalls mit Epicatechin versuchten, ihnen wieder ihr normales Verhalten anzutrainieren, setzten die Schnecken stur das zuerst Erlernte fort und hielten weiterhin ihre Atemöffnung auch in sauerstoffarmen Gewässern geschlossen.
Wie genau der Einfluss auf den Lerneffekt funktioniert, wissen die Forscher noch nicht. Sie schlossen aber aus, dass weder die Sinnesorgane noch der Botenstoff Serotonin etwas mit dem Gedächtnisturbo zu tun hatten. Die Stoffe aus der Bitterschokolade wirken direkt auf die Neurone ein, vermuten die Forscher, weswegen sie wohl als Nächstes einen Blick auf die Nervenzellen im Hirn der Schnecken werfen werden.