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Viel Karies schon vor 15.000 Jahren: Schnecken und Eicheln schlecht für die Zähne

Karies war unter Jägern und Sammlern eigentlich sehr selten - aber in Nordafrika war es vor 15.000 Jahren bereits weit verbreitet. Fast jedes Gebiss war verfault, die Mehrzahl der Zähne löchrig. Die Ursache dafür: viele Kohlehydrate in der Nahrung.

14000 bis 15.000 Jahre alter Oberkiefer eines Frühmenschen mit verschiedenen Erkrankungen im Mundraum sowie stark abgenutzten und kariösen Zähnen. Gefunden wurde das Gebiss in der "Grotte des Pigeons" bei Taforalt in Marokko.
14000 bis 15.000 Jahre alter Oberkiefer eines Frühmenschen mit verschiedenen Erkrankungen im Mundraum sowie stark abgenutzten und kariösen Zähnen. Gefunden wurde das Gebiss in der "Grotte des Pigeons" bei Taforalt in Marokko.(Foto: dpa)

Jäger und Sammler im Osten des heutigen Marokko hatten vor rund 15.000 Jahren außerordentlich stark Karies. Fast jedes bei Ausgrabungen gefundene Gebiss war verfault. Mehr als jeder zweite Zahn von Erwachsenen hatte mindestens ein Loch, wie Anthropologen in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") berichten. Das Team um Louise Humphrey vom Naturkundemuseum in London hatte 52 Gebisse untersucht.

Normalerweise hatten Jäger und Sammler nur sehr selten Karies gehabt. Aber die Menschen in Nordafrika hätten sich vor allem von Eicheln und Pinienkernen ernährt, schreiben die Forscher. Diese enthalten den Angaben zufolge besonders viele Kohlenhydrate und sorgen für Beläge auf den Zähnen, was dann zu Karies führt. Deswegen sei die Zahnfäule so häufig gewesen wie in modernen industrialisierten Bevölkerungsgruppen, bei denen viel raffinierter Zucker und verarbeitetes Getreide Zähne kaputt macht.

Die Überreste der Kieferknochen und Zähne gehören zur Kultur der Ibéromaurusien, die in der Mittel- und Spätsteinzeit in Nordafrika gelebt hatte. 51 Prozent der Zähne hatten der Studie zufolge Löcher und nur 3 von 52 Erwachsenen keine Anzeichen für Karies.

Wenig Karies bei Jägern und Sammlern

Nach früheren Studien waren 2 bis 48 Prozent der Menschen, die Ackerbau betrieben hatten, von Karies betroffen. Bei Jägern und Sammlern hatten höchstens 14 Prozent faule Zähne.

Karies entsteht, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen: Man isst viel Stärke und Zucker, auf den Zähnen bilden sich Beläge und diese werden nicht regelmäßig gründlich weggeputzt, der Speichel enthält die Bakterien Streptococcus mutans. Diese Bakterien ernähren sich von den Kohlenhydraten des Zahnbelags. Dabei entstehen Säuren, die den Zahnschmelz auflösen. Es entsteht ein Loch, das immer weiter in den Zahn vordringen kann.

Keine typischen Jäger und Sammler mehr

Dass ausgerechnet die Menschen der Ibéromaurusien-Kultur so viel Karies hatten wie der moderne Mensch, hat den Forschern zufolge mehrere Gründe. Sie waren wohl keine typischen Jäger und Sammler mehr. So fanden die Forscher an der Ausgrabungsstätte Gefäße mit größeren Pflanzenresten wie Eichel-Kappen und Pinienkernen. Diese Funde sind zwischen rund 15.000 und 13.700 Jahre alt. Eicheln und Pinienkerne sind reich an Kohlenhydraten, die von Kariesbakterien zersetzt werden können.

Außerdem hätten die Menschen der Ibéromaurusien-Kultur besonders häufig Schnecken gegessen. Die Forscher schreiben: "Auch wenn diese nicht als Karies verursachend bekannt sind, so können Schleifpartikel von den Schnecken dazu beigetragen haben, dass die Zähne abgenutzt wurden." In den Kratzern konnte Karies besonders gut entstehen.

Die Zahnfäule zählt heute zu den am häufigsten vorkommenden Infektionskrankheiten in den Industriestaaten und tritt häufig schon bei Kindern auf. Die auslösenden Bakterien können durch Speichel zwischen Menschen übertragen werden. Nach der vierten deutschen Mundgesundheitsstudie betrifft Karies bei Erwachsenen im Alter von 35 bis 44 Jahren durchschnittlich etwa 15 Zähne. Mehr als 90 Prozent der Zähne werden durch Behandlung erhalten.

Quelle: n-tv.de

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