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Gesichtsbewegungen werden Worte: Sprachtempo schon früh angelegt

Unter Menschen gibt es Schnell- und Langsamsprecher. Beide Typen halten sich jedoch mit ihrem Sprachtempo in einem gewissen Bereich auf, denn sonst würde das, was sie sagen, für andere unverständlich werden. Der Entwicklung der Sprache sind jetzt Forscher auf der Spur. Sie untersuchen die rhythmischen Mundbewegungen bei Rhesusaffen.

Rhesusaffen gehören zu den Primaten.
Rhesusaffen gehören zu den Primaten.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Unser Sprachtempo wurde vermutlich schon sehr früh in der Evolutionsgeschichte festgelegt. Das haben internationale Forscher anhand von Kommunikations-Experimenten mit Rhesusaffen herausgefunden. Ihre Ergebnisse veröffentlicht das Team um den Biologen Asif Ghazanfar von der Universität Princeton in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Das Tempo von gesprochenen Wörtern ist für uns entscheidend: Drei bis acht Silben pro Sekunde sind optimal – wird es schneller oder langsamer, lässt die Verständlichkeit spürbar nach. Mit diesem Tempo unterhalten sich Menschen weltweit und in fast allen Sprachen.

Rhythmische Gesichts- und Mundbewegungen

Die Forscher vermuten, dass sich unsere Sprache aus rhythmischen Gesichts- und Mundbewegungen unserer Vorfahren entwickelt hat, die der visuellen Kommunikation zwischen einzelnen Individuen dienten.

Viele Affenarten nutzen diese Art der Kommunikation noch heute. Dabei bewegt sich der Kiefer rhythmisch und vertikal, die Tiere haben teilweise einen leicht geöffneten Mund, teilweise geschlossene und gespitzte Lippen. Diese Bewegung kann klar von normalen Kauaktivitäten unterschieden werden. In ihrer Studie untersuchten die Forscher den Einfluss der Geschwindigkeit dieser Bewegungen bei Rhesusaffen (Macaca mulatta).

Sechs Bewegungen pro Sekunde

Das Ergebnis: Die Makaken reagieren nur auf Lippenbewegungen ihrer Artgenossen, die eine bestimmte Geschwindigkeit haben – diese liegt mit sechs Bewegungen pro Sekunde genau in dem Bereich der menschlichen Sprache.

Für ihre Studie tricksten die Forscher die Tiere aus: Sie zeigten den tierischen Probanden auf einem Monitor eine Animation von einem Affengesicht, das die typischen Lippenbewegungen ausführte. Mit Hilfe der Technik konnten die Forscher die Bewegungen unterschiedlich schnell ablaufen lassen.

Affen-Animation

Bewegten sich die Lippen auf dem Monitor mit sechs Bewegungen pro Sekunde, schauten sich die meisten Rhesusaffen das Bild wesentlich länger und aufmerksamer an. Einige der Tiere führten bei dieser Geschwindigkeit sogar eigene Lippenbewegungen aus und versuchten so, mit dem animierten Affen zu kommunizieren. Veränderten die Forscher die Geschwindigkeit der Lippenbewegungen nach oben oder unten, ließ die Aufmerksamkeit der Affen deutlich nach.

Diese Ergebnisse zeigen, dass unser Sprachtempo schon sehr früh in der Evolutionsgeschichte festgelegt wurde, folgern die Wissenschaftler. Die Ursachen dafür hoffen die Forscher im Gehirn zu finden. Für die Verarbeitung von Sprache und Wörtern ist der auditive Cortex verantwortlich. Genau in diesem Bereich konnten Forscher in einer früheren Studie Gehirnströme messen, die sich mit drei bis acht Hertz genau im Takt der Sprache befinden – die sogenannten Theta-Wellen.

Kopplung an Wellen im Gehirn

Der natürlicher Rhythmus beim Sprechen scheint an die Geschwindigkeit der Wellen im Gehirn gekoppelt zu sein. Ob sich im Laufe der Evolution das Tempo an diese Wellen, oder umgekehrt, die Frequenz der Wellen an die Sprachgeschwindigkeit angepasst haben, ist unklar. Die Forscher wollen versuchen, diese Frage in künftigen Studien zu klären.

Quelle: n-tv.de

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