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Glücklich gelandet: Die Konfiguration von Rumpf, Motor und Tragflächen ist ungewöhnlich - der Flug dafür außergewöhnlich sauber.
Glücklich gelandet: Die Konfiguration von Rumpf, Motor und Tragflächen ist ungewöhnlich - der Flug dafür außergewöhnlich sauber.(Foto: dpa)
Donnerstag, 29. September 2016

Weltpremiere über Stuttgart: Testpiloten starten Elektro-Taxi

Ungewöhnlicher Anblick für Flugzeugfans: Am strahlend blauen Himmel zieht ein futuristisches Fluggerät seine Kreise. In dessen Innerem summt ein Hightech-System, das die Luftfahrt in ein neues Zeitalter katapultieren soll.

Glücklicher Jungfernflug am Himmel über Baden-Württemberg: Im Südwesten Deutschlands hat das weltweit erste viersitzige Passagierflugzeug mit Brennstoffzellen-Technik seinen Erstflug absolviert. Nach einer Platzrunde über dem Landesflughafen kehrte das Hybridflugzeug vom Typ HY4 sicher zum Boden zurück.

Hybrid nur im Reiseflug: Den nötigen Schub für den Start liefert eine Hochleistungsbatterie.
Hybrid nur im Reiseflug: Den nötigen Schub für den Start liefert eine Hochleistungsbatterie.(Foto: dpa)

Passagiere konnte die Besatzung aus Sicherheitsgründen noch nicht mitnehmen. In der Kabine neben den beiden Testpiloten befanden sich zwei lebensgroße Puppen, die das Gewicht und die Körpermaße lebender Flugreisender simulieren sollten.

Motorsegler mit zwei Kabinen

Der futuristische Flieger folgt in seinem Aufbau einer ungewohnten Form: Propeller und Antriebsaggregat sind in einem Gehäuse im Mittelteil untergebracht. Zwei jeweils zweisitzige Kabinen liegen links und rechts davon an den Tragflächen.

Das Doppelrumpfflugzeug gilt als wichtiger Schritt für die Forschung auf dem Weg zu sauberem und leisem Fliegen. Der Elektromotor des Hybridflugzeugs wird im Reiseflug über eine Brennstoffzelle mit Strom versorgt. Beim Start und bei Steigflügen wird eine Hochleistungsbatterie zugeschaltet.

Entwickelt und gebaut wurde das Flugzeug als Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Beteiligt waren Partner wie der Brennstoffzellenhersteller Hydrogenics, der slowenische Flugzeugbauer Pipistrel, die Universität Ulm sowie der Flughafen Stuttgart als Heimatflughafen der HY4.

Der Elektromotor der HY4 hat nach Angaben des DLR eine Leistung von 80 Kilowatt und ermöglicht eine Reisegeschwindigkeit von rund 165 Kilometern pro Stunde. In der Spitze können die Piloten ihre Maschine bis auf 200 Kilometer in der Stunde beschleunigen. Abhängig von Geschwindigkeit, Flughöhe und Zuladung ist eine Reichweite zwischen 750 und 1500 Kilometern möglich.

Elektrische Air-Taxis?

Das Maximalgewicht der HY4 beträgt 1500 Kilogramm. "Mit der HY4 haben wir nun eine optimale Plattform, um den Einsatz der Brennstoffzelle im Flugzeug weiterzuentwickeln", sagte DLR-Projektleiter Josef Kallo. "Kleine Passagierflugzeuge wie die HY4 können sehr bald im Regionalverkehr als Electric Air Taxis eingesetzt werden und eine flexible und schnelle Alternative zu bestehenden Transportmitteln bieten."

Nach Angaben des DLR handelte es sich um die Weltpremiere eines viersitzigen Passagierflugzeugs, das allein mit einem Wasserstoffbrennstoffzellen-Batterie-System angetrieben wird. Denkbar sei in einigen Jahren sein Einsatz im Liniendienst zwischen Regionalflughäfen, wie Kallo erklärte. Die Vision der Forscher für die nächsten 25 Jahre sei die Entwicklung eines 40-sitzigen Fliegers mit einer Reichweite von rund 1000 Kilometern.

Allzu große Erwartungen sollten Fluggesellschaften mit der neuen Technik allerdings noch nicht verknüpfen. "Große Passagierflugzeuge werden auf absehbare Zeit noch mit konventionellen Antrieben fliegen", meinte der Leiter des DLR-Instituts für Technische Thermodynamik, André Thess. "Es gehört jedoch zu den großen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte, die Elektromobilität in die Luft zu bringen und den Luftverkehr der Zukunft CO2-neutral zu machen." Das Ziel der DLR-Forscher ist es demnach, den "Brennstoffzellen-Antriebstrang weiter zu verbessern und ihn langfristig auch in Regionalflugzeugen mit bis zu 19 Passagieren zum Einsatz zu bringen."

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Quelle: n-tv.de

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