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Ein Arzt prüft den Puls eines cholerainfizierten Kindes in Haiti.
Ein Arzt prüft den Puls eines cholerainfizierten Kindes in Haiti.(Foto: picture alliance / dpa)

Seuche der armen Leute: Was ist die Cholera?

von Jana Zeh

Cholera ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien mit dem Namen Vibrio cholerae verursacht wird. Die Infektion mit den Erregern erfolgt oral über verunreinigtes Wasser oder verunreinigte Nahrung. Die Bakterien siedeln sich hauptsächlich im Dünndarm an und geben dort ein Gift, das Choleratoxin, ab. Nach neuesten Untersuchungen soll das Gift von einer Gruppe von Viren, sogenannten Bakteriophagen stammen,  die sich wiederum in den Bakterien angesiedelt haben. Bei fehlender Quarantäne und ungenügenden Hygienemaßnahmen kann aus einem einzelnen Cholera-Fall schnell eine Epidemie werden.

Verlauf der Erkrankung

Die Krankheit kann ganz ohne Symptome verlaufen oder aber zum Tod führen. Vor allem bereits geschwächte, unterernährte oder ältere Menschen und Kinder erkranken oft sehr schwer. Wird die Erkrankung nicht behandelt, verläuft sie in drei Phasen.

Ein bis drei Tage nach der Ansteckung kommt es zu massiven Durchfällen und Erbrechen. Nur ganz selten treten dabei auch Schmerzen im Bauch auf. Da Erkrankte in dieser Phase bis zu 20 Liter Flüssigkeit und Mineralien am Tag verlieren können, kommt es sehr schnell zu heftigen Mangelerscheinungenl im Körper. In dieser zweiten Phase kann es deshalb zu allgemeiner Schwäche, Krampfanfällen, Nierenschmerzen oder sogar -versagen, Blutdruckabfall oder Kreislaufkollaps, Verstopfungen, geringen Urinausscheidungen und sogar Thrombosen kommen.

Hauptmerkmale des Flüssigkeitsmangels sind die trockene Schleimhäute, absinkende Körpertemperatur und ein schneller Puls. Kann der Flüssigkeitsmangel nicht ausgeglichen werden, wird sehr schnell ein lebensgefährlicher Zustand erreicht. Der Erkrankte reagiert in Phase drei mit Verwirrtheit, Hautausschlägen oder fällt ins Koma. In dieser Phase ist er völlig schutzlos weiteren Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel einer Lungenentzündung ausgesetzt.

Geschichte

Robert Koch gab 1884 den Bakterien wegen ihrer Form den Namen "Kommabazillen".
Robert Koch gab 1884 den Bakterien wegen ihrer Form den Namen "Kommabazillen".

Es wird angenommen, dass es seit rund 2600 Jahren Cholera-Erreger auf der Erde gibt. Erste Beobachtungen einer Krankheit, die möglicherweise die Cholera war, wurden zu dieser Zeit im Gangesdelta in Indien gemacht. Im letzen Drittel des 18. Jahrhunderts breitete sich die Krankheit von Indien in den Westen aus. Gegen 1830 wurde die Cholera von russischen Soldaten nach Europa eingeschleppt und verbreitete sich epidemisch. Tausende Menschen starben daran.

Verbreitung

Heute tritt die Krankheit, die zu den Tropenkrankheiten zählt, vor allem in Asien,  Afrika, Süd- und Mittelamerika auf. Die Infektionskrankheit kann als "Seuche" der armen Leute bezeichnet werden, denn Epidemien treten vor allem in den Ländern auf, in denen Wasser- und Abwassersysteme nicht voneinander getrennt sind. Die Erreger finden sich vor allem in durch Fäkalien verunreinigtem Trinkwasser. Aber auch Fluss- oder Meerwasser sowie Fisch und Meerestiere können durch das Einleiten von Abwasser verseucht werden. Auch Naturkatastrophen, langanhaltende Regenfälle und Überschwemmungen können zum Ausbruch von Choleraepidemien führen. Ein Cholerainfizierter trägt bis zu zehn Tage nach der Erkrankung die Erreger in sich.

Vorbeugung

Reines Trinkwasser ist die Grundlage bei der Vorbeugung von Cholera.
Reines Trinkwasser ist die Grundlage bei der Vorbeugung von Cholera.(Foto: picture alliance / dpa)

In Industrieländern kommt es nur sehr selten zu nachgewiesenen Choleraerkrankungen. Hygienisch einwandfreies Trinkwasser und  hohe Standards bei der Abwasserbeseitigung sind die Grundlagen zur Vorbeugung der Cholera. Zudem könnten sich Menschen mit Schluckimpfungen schützen. Diese relativ neuen Totimpfstoffe konnten die umstrittenen intramuskulären Impfungen ablösen. Die Impfung wirkt nicht nur gegen die Erreger selbst, sondern auch gegen das Choleratoxin und kann laut Hersteller sogar Reisedurchfall verhindern. Allerdings gibt es keinen 100-prozentigen Schutz vor Cholera. Alle  genannten Vorbeugungsmaßnahmen sind mit hohen finanziellen Aufwendungen verbunden und können deshalb in den meisten Verbreitungsgebieten nicht umgesetzt werden.

Behandlung

Der Erreger kann auf verschiedene Weise nachgewiesen werden. Vor allem die mikroskopische Untersuchung des Stuhls der Erkrankten gibt schnell Auskunft. Infizierte sollten sofort isoliert werden, um die weitere Verbreitung zu verhindern. Entscheidend bei der Behandlung von Cholerakranken ist der schnelle und wirkungsvolle  Ausgleich des Flüssigkeits- und Mineralverlustes, in schweren Fällen über Infusionen. Zusätzlich kann Antibiotika gegeben werden, um die Cholera-Bakterien direkt zu bekämpfen. Eine rechtzeitig behandelte Choleraerkrankung ist gut heilbar. Eine zeitweise oder sogar lebenslängliche Immunisierung ist durch die Erkrankung jedoch nicht gegeben.

Zahlen

Die tatsächlichen Cholera-Erkrankungen weltweit sind nicht zu ermitteln, da viele Fälle in den betroffenen Regionen gar nicht gemeldet werden. Experten gehen davon aus, dass jährlich mehr als sechs Millionen Menschen weltweit an Cholera erkranken, mehr als 100.000 sterben daran.

Quelle: n-tv.de

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