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Männer verschließen meistens die Augen vor dem Alter.
Männer verschließen meistens die Augen vor dem Alter.(Foto: picture-alliance / dpa)

Männer im besten Alter: "Wechseljahre treffen nicht jeden"

Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, klagen viele von ihnen über Hitzewallungen, Gewichtszunahme oder depressive Verstimmungen. Männer dagegen scheinen ihre Lebensmitte souverän und ohne Einschränkungen zu erleben. Doch das Bild trügt, denn auch bei Männern gibt es die Wechseljahre, in einigen Fällen mit gravierenden Begleiterscheinungen. Welche das sein können und wie "mann" damit umgehen kann, erklärt der praktizierende Männerarzt Dr. Horst Hohmuth aus Ulm.

n-tv.de: Gibt es Wechseljahre tatsächlich auch beim Mann?

Bei vielen Männern werden die Symptome als Depression behandelt.
Bei vielen Männern werden die Symptome als Depression behandelt.(Foto: picture alliance / dpa)

Horst Hohmuth: Das Infragestellen der Wechseljahre beim Mann ist insofern berechtigt, da es bei den Männern nur 10 bis 15 Prozent betrifft, die mit den Jahren ein Testosteron-Mangel-Syndrom haben. Dieses wird nicht Klimakterium, sondern "Late Onset Hypogonadism" oder kurz LOH genannt. Auch wenn mit zunehmendem Alter bei allen Männern der Testosteronspiegel allmählich sinkt, kann man nicht von einem Klimakterium sprechen. Bei Frauen dagegen läuft dieser Prozess viel schneller ab, bis dann tatsächlich die Menopause eintritt. Diesen Prozess erleben alle Frauen, wenn auch mit verschiedenen Begleiterscheinungen.

In welchem Alter können Männer vom Testosteron-Mangel-Syndrom betroffen sein?

Die Männer, die unter diesen Hormonschwankungen leiden, sind meistens zwischen 45 und 65 Jahre. Die Hormonschwankungen treten also altersabhängig auf. Diese Minderheit leidet ähnlich wie viele Frauen während der Wechseljahre.

Welche Beschwerden haben denn Betroffene?

Typische Beschwerden betreffen die Befindlichkeit des Mannes, dazu gehören Antriebslosigkeit, Energielosigkeit, Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen.  Dazu kommen Beschwerden aus dem sensiblen Bereich der Sexualität, wie das Nachlassen der Libido und Erektionsschwäche. Auch Kraftlosigkeit und Hitzewallungen gehören dazu. Die Männer fühlen sich meistens so, als wäre ihnen der Stecker rausgezogen.

Was können Männer tun, die diese Symptome an sich feststellen?

Sylvester Stallone schwört auf Testosteron.
Sylvester Stallone schwört auf Testosteron.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Symptome sind unspezifisch und von Mann zu Mann verschieden. Sie können zudem auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Die erste Maßnahme sollte aus meiner Sicht sein, seinen Testosteronspiegel untersuchen zu lassen. Leider ist die Realität oft anders. Männer mit Depressionen beispielsweise werden oft über Jahre hinweg mit Psychopharmaka behandelt, ohne vorher den Testosteronspiegel geprüft zu haben. Vielen dieser Männer könnte mit einer entsprechenden Ersatztherapie relativ schnell geholfen werden.

Viele betroffene Männer sind durch Beschwerden und Veränderungen völlig verunsichert und versuchen diese aus Unwissenheit zu ignorieren bzw. dem Alter zuzuschreiben. Was kann denn neben der Aufklärung getan werden?

Männer können mit dem Beantworten von 17 Fragen eines validierten Fragebogens (nach Heinemann) sehr schnell feststellen, ob ihre Beschwerden mit einem Hormonmangel in Zusammenhang stehen könnten. Dieser ist im Internet oder aber auf meiner Homepage zu finden. Er enthält Fragen nach dem allgemeinen Befinden aber auch nach Gelenkschmerzen, Schlafstörungen und Angst. Gleich nach dem Ausfüllen wird ein Ergebnis berechnet.

Welche Ursachen gibt es denn für ein Testosteron-Mangel-Syndrom?

Sehr häufig ist es der Lebensstil der Männer. So wie bei anderen Zivilisationskrankheiten spielen die Themen Bewegung, Muskelauf- bzw. –abbau, Ernährung, Gewicht, Nikotin- und Alkoholkonsum eine Rolle. Es gibt beispielsweise Untersuchungen, in denen eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass ein regelmäßig (drei Mal die Woche eine Stunde) durchgeführtes Kraft-Ausdauer-Training den Testosteronspiegel um ca. 30 Prozent anheben kann. Viele Beschwerden der betroffenen Männer sind lebensstilinduziert.

Können Sie etwas zum Testosteronspiegel im Blut sagen - welche Werte sind denn normal?

Dr. Horst Hohmuth ist Androloge und Urologe in einer Praxis in Ulm.
Dr. Horst Hohmuth ist Androloge und Urologe in einer Praxis in Ulm.

Es gibt verschiedene Messmethoden. Wenn man in Nanogramm pro Deziliter misst, dann gibt es altersabhängige Normwerte, über die jeder Urologe oder Androloge informiert ist. Eine Gefahr besteht jedoch darin, ausschließlich auf den Testosteronspiegel zu blicken und wenn der zu niedrig ist, ein Hormonpräparat zu beanspruchen. Das Gesamtbild  des Patienten ist entscheidend. Werte zwischen 200 und 350 bezeichne ich als Grauzone. Männer, die solche Werte haben, könnten zwar von einer Hormongabe profitieren, diese ist aber nicht zwingend nötig. Bei Werten, die deutlich unter 200 liegen, ist eine Behandlung notwendig, vor allem dann, wenn der Anteil des freien Testosterons zu niedrig ist. Wir prüfen ja nicht nur das Gesamttestosteron, sondern auch das sexualbindende Globulin.

Wer ist denn der richtige Ansprechpartner für Betroffene?

Andrologen bzw. Urologen kennen sich mit diesem Thema gut aus. Diese Fachärzte können auch am besten entscheiden, welche Therapie die Männer wieder auf die Beine stellt.

Bilderserie

Mit Horst Hohmuth sprach Jana Zeh

Quelle: n-tv.de

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