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Bereits im Mutterleib werden die Grundlagen für die Gesundheit eines Kindes gelegt.
Bereits im Mutterleib werden die Grundlagen für die Gesundheit eines Kindes gelegt.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 04. Mai 2017

Auswirkungen schon im Mutterleib: Weichmacher erhöhen Allergierisiko

Plastikflaschen, Spielzeug, Bodenbeläge: Im Alltag ist man täglich von Weichmachern umgeben. Wie sich die geruchlosen Stoffe auf Ungeborene auswirken, können Forscher nun in Bezug auf allergisches Asthma sagen.

Dass Weichmacher gesundheitsschädlich sind und hormonähnliche Wirkungen im Körper erzeugen, weiß man bereits seit einigen Jahren. Die Plastikzusatzstoffe, denen man fast überall im Alltag begegnet, stehen zudem im Verdacht, ungünstig auf das Immunsystem zu wirken und das Risiko für Neurodermitis und Allergien zu erhöhen.

Ein Forscherteam um Tobias Polte vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, der Universität Leipzig und dem Deutschen Krebsforschungszentrum kann diesen Verdacht nun bestätigen. Die Forscher maßen für mehrere Untersuchungen die Konzentrationen von Stoffwechselprodukten von Phthalaten, die überwiegend als Weichmacher in Kunststoffen zum Einsatz kommen, im Urin von Schwangeren. Die Daten, die sich daraus ergaben, wurden Jahre später mit dem Auftreten von allergischem Asthma bei den Kindern in Beziehung gesetzt.

Auswirkungen bis zur Enkelgeneration bei Mäusen

Es zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen einer erhöhten Konzentration des Stoffwechselprodukts eines bestimmten Weichmachers, dem sogenannten Butylbezoylphtalat (BBP), und dem Vorkommen von allergischem Asthma bei Kindern. Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft viel mit BBP in Kontakt kamen, hatten dementsprechend öfter Allergien und allergisches Asthma.

Um zu beweisen, dass es sich bei den Ergebnissen um einen echten Zusammenhang handelt, führten die Forscher weitere Untersuchungen an Mäusen durch. Bei den Tieren ließ sich die Neigung zu allergischem Asthma durch Weichmacher in Schwangerschaft und Stillzeit nicht nur bei den direkten Nachkommen, sondern sogar bis zur Enkelgeneration beobachten.

Ablagerungen an Genen

Da Allergien in Verbindung mit dem Immunsystem stehen, wollten die Forscher nun wissen, wie Weichmacher dieses beeinflussen. Dafür untersuchten sie die Gene der jungen Mäuse, deren Mütter mit Phtalaten konfrontiert wurden, und entdeckten auffällige Veränderungen. Methylgruppen hatten sich an bestimmten Genen angelagert und so deren Aktivität blockiert. Entfernten die Forscher jedoch diese Ablagerungen, wurde das allergische Asthma bei den jungen Mäusen besser.

Die Forscher fanden auf diese Weise heraus, dass die Ablagerungen ein Gen ausschalten, das normalerweise die Aktivität von Immunzellen, sogenannter T-Helfer-Zellen, hemmt. Ist das Gen inaktiv, werden diese Immunzellen überaktiv und eine Allergie entsteht. Die Forscher wollten nun wissen, ob ihre Erkenntnisse auch auf den Menschen zutreffen. Dafür schauten sie sich die Gene und deren Aktivität bei den Kindern an, die sie schon einmal untersucht hatten, und konnten feststellen: Auch bei ihnen war das Gen durch Methylgruppen blockiert.

Die Forscher, die ihre Erkenntnisse im Fachmagazin "Journal of Allergy and Clinical Immunology" veröffentlichten, wollen in weiteren Untersuchungen herausfinden, wie genau Phthalate eine Methylierung von Genen hervorrufen, damit man in Zukunft gegensteuern kann.

Quelle: n-tv.de

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