Wissen
(Foto: picture alliance / dpa)

Wie Eltern reagieren sollten: Wenn Alkohol und Drogen interessant werden

Von Jana Zeh

Die Zeit der Jugend ist die Zeit, Grenzen auszutesten – womöglich auch mit Drogen. Eltern sollten sich beim Alkohol- und Drogenkonsum ihrer Kinder einmischen, damit Jugendliche auch diese Phase so unbeschadet wie möglich überstehen. Aber wie?

Eltern von Jugendlichen fühlen sich heute oft überfordert. Schlechte Laune, respektlose Antworten und ein steiler Leistungsabfall in der Schule muss die Mehrzahl der Erziehungsberechtigten in einer bestimmten Lebensphase ihrer Sprösslinge ertragen. Das ist anstrengend und kann mürbe machen. Richtig kompliziert wird es, wenn man sich fragt: Wer ist diese gar nicht mehr gut riechende und vor allem sturzbetrunkene oder unter Drogeneinfluss stehende Person im Kinderzimmer?

Spätestens dann sind Eltern dazu aufgerufen, sich gegenüber ihren Kindern zu Alkohol- und Drogenkonsum zu positionieren und eine klare Haltung einzunehmen, rät die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Eltern sollten auf keinen Fall resignieren, wenn ihr Kind das erste Mal über die Stränge schlägt. Sie müssen aktiv und konsequent sein. "Im Zusammenhang mit Suchtmitteln ist konsequentes Verhalten wichtig", sagt die Professorin Renate Schepker von der DGKJP n-tv.de.

Dabei ist es ratsam, zwischen Alkohol und anderen Drogen zu unterscheiden, denn Alkohol ist in unserer Gesellschaft so akzeptiert, dass jedes Kind irgendwann mit ihm in Berührung kommt. Eltern, die also selbst Alkohol trinken, sollten ihre Kinder zu einem kontrollierten Umgang ermutigen und diesen natürlich auch vorleben. "Der erste (Voll-)Rausch des Kindes sollte auf gar keinen Fall als besonderes Ereignis oder sogar als Initiationsritual ins Erwachsenenleben angesehen werden", so die Expertin, die als Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am ZfP in Südwürttemberg arbeitet. Eltern sollten ihr Kind vielmehr freundlich, aber bestimmt auf dessen Limit hinweisen. Verbote dagegen machen Alkohol nur interessanter und führen zum heimlichen Trinken, im schlimmsten Fall sogar zum Komasaufen aus Protest.

Keine Suchtmittel zu Hause

Die schädigende Wirkung von Cannabis wird oft unterschätzt.
Die schädigende Wirkung von Cannabis wird oft unterschätzt.(Foto: picture alliance / dpa)

Alle anderen Drogen sollten im elterlichen Haushalt tabu sein. Das ist vor allem für rauchende Eltern problematisch. Trotzdem gibt es einige Verhaltensweisen, um den Heranwachsenden einen kritischen Blick auf den Nikotinkonsum zu verschaffen. "In Gesprächen können auch rauchende Eltern auf die schädlichen Wirkungen von Nikotin aufmerksam machen. Sie könnten außerdem ihr Bedauern zum Ausdruck bringen, dass sie überhaupt mit dem Rauchen begonnen haben", erklärt Schepker. Manchmal ist es sogar möglich, in solchen Gesprächen die rauchenden Heranwachsenden zum Aufhören zu bewegen. Vereinbarungen zu einem festen Termin und eine attraktive Belohnung könnten den Teenager dabei unterstützen.

Hilfreich ist es außerdem, wenn Eltern sich zum Rauchen zurückziehen oder sogar die Wohnung verlassen, Aschenbecher stets geleert werden und für Kinder klar erkennbar wird, dass ihre Eltern unter ihrer Sucht leiden. "Ernsthafte Versuche der Eltern, damit aufzuhören, sollten auch für Kinder transparent gemacht werden", betont die Expertin. Strikte Verbote dagegen haben auch in Bezug auf Nikotin oftmals eine entgegengesetzte Wirkung. In einer Nichtraucherwohnung sollten Eltern auch bei ihren rauchenden Kindern keine Ausnahmen machen. "Konsequent gegenüber Jugendlichen zu sein ist anstrengend, lohnt sich aber", so Schepker, "denn Jugendliche, die es geschafft haben, bis zum 16. beziehungsweise 17. Lebensjahr nicht zu rauchen, haben gute Chancen, auch später als Nichtraucher durchs Leben gehen zu können."

Illegale Drogen nicht akzeptieren

Immer mehr Jugendliche probieren heute illegale Rauschmittel aus. In Hamburg beispielsweise  nimmt jeder fünfte Schüler einer Umfrage zufolge Drogen. Die soziale Herkunft der Schüler spielt dabei keine Rolle. "Eltern sollten diesem Verhalten gegenüber 'Null Toleranz' walten lassen und auf die Beendigung des Konsums hinwirken", sagt Schepker. Erziehungsberechtigte stehen in der Verantwortung, ihre Kinder vor den Gefahren durch Drogen zu schützen. Die Grundlage dafür sind Informationen. Eltern können beispielsweise lernen zu erkennen, ob ihr Kind Drogen genommen hat oder gar schnüffelt (Klebstoff- oder Lösungsmittelgeruch) und welche sichtbaren Auswirkungen die verschiedenen Rauschmittel zur Folge haben.

Eltern sollten nicht zögern, ihr orientierungsloses Kind zum Notarzt zu bringen.
Eltern sollten nicht zögern, ihr orientierungsloses Kind zum Notarzt zu bringen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wird tatsächlich festgestellt, dass das eigene Kind Drogen genommen hat, sollte dieses zunächst ausnüchtern. In einem Notfall, wenn der Jugendliche nicht mehr reagiert oder sich plötzlich auffällig verhält, ist ein Notarzt nötig. Am nächsten Tag sollten Eltern in möglichst entspannter Atmosphäre mit ihrem Kind ins Gespräch kommen. Sie sollten dabei ohne Vorwürfe, aber auch ohne Sympathiebekundungen sachlich ihren Standpunkt äußern. Es ist sinnvoll für Eltern, die Motivation für den Drogenkonsum und auch die Art der Drogen herauszufinden. "Geständnisse" zu erzwingen, bringt dagegen gar nichts und zerstört zudem das Vertrauensverhältnis. "Eltern sollten grundsätzlich interessiert sein und ihren Kindern zuhören. Wichtig ist dabei immer, dem Kind klarzumachen, dass man sich Sorgen macht", empfiehlt Schepker. Ist ein Gespräch gar nicht möglich, weil die Fronten zu verhärtet sind, ist professionelle Hilfe dringend nötig. Beratungsstellen findet man zum Beispiel im Internet.

"Kinder und Jugendliche unterschätzen oftmals die Gefahren, die von Suchtmitteln ausgehen", so Schepker. Auch wenn der einmalige Gebrauch nicht zu einer Abhängigkeit führt, so sind doch die schädlichen Wirkungen und die Gefahren seelischer und körperlicher Folgen – einschließlich einer Suchtentwicklung – bei jungen Menschen besonders groß. Alkohol und Nikotin könnten als Einstiegsdrogen wirken. Insgesamt sind die (Aus-)Wirkungen von Drogen aller Art bei Kindern und Jugendlichen wesentlich stärker als bei Erwachsenen.

Experten sind sich einig, dass Heranwachsende die Konsequenzen nach Alkohol- oder Drogenkonsum selbst tragen müssen. Eltern sollten das Vertrauen in einem Gespräch nicht mit Verständnis für die Handlung verwechseln. "Werden Jugendliche aus der Verantwortung für ihre Situation nach dem Drogenkonsum entlassen, bleiben die negativen Konsequenzen aus und es wird ihnen deutlich schwererfallen, eine realistische Einstellung zu Alkohol und Drogen zu entwickeln", betont Schepker. Eltern sollten ihr Kind beispielsweise auf gar keinen Fall beim "Blaumachen" am Tag danach unterstützen oder gar ein Katerfrühstück servieren. Erbrochenes können Jugendliche, die über die Stränge geschlagen haben, gut selbst beseitigen. Auch bei einem möglichen Kontakt mit der Polizei sollten Eltern die Handlung ihres Kindes infrage stellen und sich nicht schützend vor sie und gegen die Ordnungshüter stellen. Die Chance, dass die Heranwachsenden dann von selbst mit dem Probieren aufhören, wächst.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen