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Homosexuelle Tiere: "Wider die Natur?"

Schwule Grauwal-Männchen beim Liebesspiel und lesbische Schimpansen-Damen präsentiert das Naturhistorische Museum in Oslo. "Wider die Natur?" heißt die international beachtete Ausstellung über Homosexualität bei Tieren, und die norwegischen Zoologen beantworten diese Frage mit einem ebenso klaren wie unbefangenen "Nein".

"Gleichgeschlechtliche Liebe ist unter mehr als 1.500 Tierarten nachgewiesen. Die Wissenschaft hat das nur früher immer schamhaft verschwiegen", sagt Petter Bckman bei der Vorführung der "eindeutigen" Fotos, Modelle, ausgestopften Tiere und erläuternden Texte. Viele Besucher verharren beim Foto der schmusenden Killerwal-Männchen oder unter dem schwebenden Modell der Delfin-Dame, die das Geschlechtsorgan ihrer Partnerin zärtlich mit der schmalen Schnauze stimuliert. Dass Tiere Sex nur zu Zwecken der Fortpflanzung betrieben, sei kompletter Unsinn. "Wir wissen ja nicht, was sie denken. Aber es ist wohl eindeutig, dass all das hier viel mit Spaß zu tun hat."

Und die gleichgeschlechtliche Orientierung hat nicht unbedingt in erster Linie etwas mit Sex zu tun. Schwäne seien ihrem Partner ein Leben lang treu, auch nach dessen Tod, erzählt Bckman, lesbische Weibchen ebenso wie schwule Männchen oder Heterosexuelle. "Das Paar ist die zentrale Einheit. Viel wichtiger als alles andere einschließlich des sexuellen Aktes."

Wenn er Schulklassen durch die Ausstellung führe, seien die Kinder oder Jugendlichen immer "baff", wie stark gleichgeschlechtliche Liebe unter Tieren verbreitet sei. 80 Prozent der Zwergschimpansen seien bisexuell. Unter Pinguinen haben Forscher zehn Prozent homosexueller Paare ausgemacht, die auch kleine Pinguin-Waisen ungeachtet des Geschlechtes adoptieren. Bei Vaterschaftstests in einer Möwenkolonie ermittelten verblüffte Zoologen eher zufällig, dass 20 Prozent der Paare dasselbe Geschlecht hatten. Bei Zwergkakadus soll die Schwulen-Quote 40 Prozent betragen.

Man wolle mit der Ausstellung "um Himmels Willen nicht moralisieren", sagt der Zoologe. Die Idee war seinem Museumskollegen Geir Sli gekommen, als er einen Pfarrer im Rundfunk über das angeblich Widernatürliche von Homosexualität unter Menschen reden hörte. Wie könne etwas gegen die Natur sein, was so oft im Tierreich vorkomme?

Schon dem Griechen Aristoteles war zu Ohren gekommen, dass Hyänenmännchen es miteinander treiben. Und die Weibchen auch. Dieses erste Outing schwuler Tiere habe nun wieder auf Missverständnissen beruht. Weibliche Hyänen verfügten über eine so enorme Klitoris, dass man das früher für einen Penis gehalten habe, erklärt Bckman vor einem ausgestopften Exemplar dieses Aasfressers. Hier sei besonders weibliche Homosexualität verbreitet, berichtet der Zoologe.

Proteste gegen die Ausstellung etwa aus konservativen Kirchenkreisen hat es nach Angaben aus Oslo wenig gegeben. Dafür kamen Anfragen ausländischer Museen, und die Norweger wollen ihr Konzept auch an anderen Orten umsetzen. Junge Besucher stellten vor allem technisch orientierte Fragen: "Wie machen es die schwulen Igel?." Das sei noch nicht ausreichend untersucht, antwortet Zoologe Bckman lachend. Eine Kollegin von ihm beobachte aber im Feldversuch gerade ein männliches Stacheltier, das "immer nur hinter anderen Männern her ist". Die Ausstellung im "Naturhistorisk Museum" in Oslo ist bis 19. August zu bewundern.

Thomas Borchert, dpa

Quelle: n-tv.de

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