Wissen
Unappetitlich aber nahrhaft: Bakterienschleim.
Unappetitlich aber nahrhaft: Bakterienschleim.(Foto: Joshua Pearce)

Leben nach globaler Katastrophe: Wie Bakterienschleim die Menschheit rettet

Sollte eine Katastrophe die Erde in jahrelange Dunkelheit hüllen, muss sich die Menschheit keine Sorgen machen. Auch ohne Landwirtschaft wird niemand Hunger leiden müssen. Sogar Limonade gibt es noch - verspricht ein Professor aus den USA.

In seinem Buch "Feeding everyone no matter what" hat sich Joshua Pearce mit mehreren Weltuntergangsszenarien und deren Folgen für die globale Ernährung beschäftigt.
In seinem Buch "Feeding everyone no matter what" hat sich Joshua Pearce mit mehreren Weltuntergangsszenarien und deren Folgen für die globale Ernährung beschäftigt.(Foto: picture alliance / dpa)

Laut Welthunger-Index hungern derzeit weltweit 850 Millionen Menschen. Zwei Milliarden sind vom sogenannten verborgenen Hunger betroffen. Das bedeutet, auch wenn sie keinen Hunger leiden, nehmen sie unzureichend Vitamine und Spurenelemente zu sich. Vor diesem Hintergrund wirkt das neue Buch "Feeding everyone no matter what" von Joshua Pearce wie ein Weckruf. Seine Erkenntnis: Selbst nach einer weltweiten Katastrophe - wie einem nuklearen Winter, dem Ausbruch eines Super-Vulkans oder einem plötzlichen Klimawandel - besitzt die Menschheit die Voraussetzungen, alle Erdenbewohner mit genügend Nahrung zu versorgen.

"Wir haben die Worst-Case-Szenarien untersucht und uns gefragt: Ist es möglich, die gesamte Menschheit zu ernähren, selbst wenn die komplette Landwirtschaft zusammengebrochen ist?", sagt Pearce, Professor der Michigan Technological University. Bisher hätten alle Lösungsvorschläge sich auf die Lagerung von Lebensmitteln beschränkt. Eine im Falle einer globalen Katastrophe wenig realistische Strategie. Selbst in wohlhabenden Ländern wie den USA und Deutschland haben wohl nur wenige die finanziellen Mittel und den Platz, um Nahrungsmittel für mehrere Jahre zu lagern. Zudem würde das Hamstern von Konserven die Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen lassen. Die Folge wäre eine massive Verschärfung des weltweiten Hungerproblems.

Lebensmittelproduktion ohne Sonnenschein

Die Lösung, die Pearce in seinem neuen Buch anbietet, würde, so ist sich der Autor sicher,  selbst im Falle einer fünf Jahre andauernden Sonnenverdunklung und dem daraus resultierenden Sterben aller Nutzpflanzen die Menschen vor Hunger bewahren. Allerdings gibt er zu bedenken: "Wir haben uns ausschließlich auf die technischen Möglichkeiten konzentriert und die sozial-gesellschaftlichen Umstände ignoriert, die jedes Jahr Millionen Menschen hungern und verhungern lassen."

Doch wie sollen Milliarden Menschen ernährt werden, wenn es keinen Sonnenschein und demzufolge auch keine Landwirtschaft mehr gibt? Die Antwort klingt so unappetitlich wie abenteuerlich: Eine auf Bakterienschleim und Pilzen aufbauende Nahrungskette.

Bilderserie

"Wir haben zwei Lösungen erarbeitet", erläutert Pearce. "Wir können fossile Brennstoffe in Nahrung umwandeln, indem wir Bakterien auf ihnen ansiedeln. Dann können wir entweder den Bakterienschleim essen oder ihn an Ratten und Insekten verfüttern und diese essen." Eine weitere Möglichkeit sei es, Biomasse aus Holz und anderen neuzeitlichen organischen Abfällen zu nutzen. Diese könnten als Nährstoffe für Pilze dienen oder an Tiere verfüttert werden.

"Die Bäume sterben ohne Sonnenlicht ohnehin. Wenn wir tote Bäume als Ausgangsmaterial nutzen, können wir Insekten oder Ratten füttern und diese dann als Nahrungsgrundlage für andere Tiere verwenden, die höher in der Nahrungskette stehen", erklärt Pearce und fügt hinzu: "Oder wir essen einfach die Käfer".

Natürlich würde es einige Zeit kosten, bis sich ein derartiges System etabliert. In der Zwischenzeit wäre eine Ernährung der Weltbevölkerung durch Pilze, Bakterien und getrockneter Blätter denkbar. Tee aus Kiefernnadeln ist, wie der Professor für Nachhaltigkeits-Technologien verrät, ein überraschend nahrhaftes Getränk.

Der post-apokalyptische Erdbewohner müsste nicht einmal auf jeglichen Luxus verzichten. Aus dem Bakterienschleim ließe sich Zucker gewinnen. Limonade herzustellen wäre also kein Problem. Zudem könnten Lebensmittelwissenschaftler ihre Fähigkeiten nutzen, um selbst Insektenpaste wie Schinken schmecken zu lassen. "So schlimm wäre es nicht", witzelt Pearce.

Auch wenn die von Pearce skizzierten Erkenntnisse angesichts der verwendeten Horrorszenarien ein wenig weltfremd und zum Teil humoristisch anmuten: Sein Buch hat einen durchaus ernsten Hintergrund. Hunger ist kein notwendiges Übel, ist sich der Autor sicher: "Wir können alle ernähren, wenn wir kooperieren und ein wenig vorausplanen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen