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Frisch geschlüpft in den Schredder: Wie männliche Küken getötet werden

In der Geflügelindustrie ist die Massentötung männlicher Küken seit Jahrzehnten gängige Praxis. Wie die Tiere aussortiert werden, ist vielen Verbrauchern aber gar nicht klar. Sie werden geschreddert oder vergast - aus Gründen der Wirtschaftlichkeit.

Männliche Küken gelten in der Legehennen-Zucht als unerwünschtes Nebenprodukt. Da sie später keine Eier legen, betrachten die Brütereien sie als nutzlos. Auch lassen sich die Hähne nur schlecht mästen. Die Folge: Jahr für Jahr werden rund 40 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. In der Geflügelindustrie spricht man von Eintagsküken.

Das Vorgehen ist brutal: Mit routiniertem Blick sortieren Mitarbeiter des Geflügelbetriebs die männlichen Küken aus. Sie werden – noch quietschlebendig – auf ein Fließband gesetzt. Dieses transportiert die Tiere zu einem Industrieschredder. Der häckselt sie bei lebendigem Leib. Bislang gibt es zu diesem Verfahren, dem Kükenschreddern, nur eine Alternative: die Gaskammer. Hier sterben die Küken innerhalb weniger Minuten, weil sie keinen Sauerstoff mehr, sondern nur noch Kohlendioxid einatmen.

Hähne brauchen zu viel Futter

Schreddern oder vergasen – das eine wie das andere ist schon seit Jahrzehnten gängige Praxis in der Geflügelindustrie. Ein Teil der toten Küken wird dann als Futter für andere Tiere an Zoos weitergereicht. Es sind schlicht Kostengründe, die den männlichen Küken zum Verhängnis werden. Sie zu Hähnen heranzuziehen, ist aufwendig und teuer. Bis das männliche Tier schlachtreif ist, dauert es sehr viel länger als bei Hühnern. Bis dahin braucht der Hahn doppelt so viel Futter wie seine Schwestern.

Die Massentötung von Küken ruft seit Langem Tierschützer auf den Plan. "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen", heißt es in Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes. Doch diese Maßgabe wird unterschiedlich interpretiert. Dass die getöteten Küken zum Teil verfüttert werden, gilt den Betrieben als vernünftig genug.

Ei kann das Geschlecht verraten

Nordrhein-Westfalen hatte die Massentötung der Nachwuchs-Hähne 2013 als erstes Bundesland per Erlass verboten. Elf Geflügelbetriebe aber klagten - mit Erfolg. Andere Bundesländer entschieden sich von vornherein gegen ein Verbot. Sie fürchteten die Verlegung der Legehennen-Produktion ins Ausland.

Eine von Veterinärmedizinern der Universität Leipzig entwickelte Methode soll der Kükentötung nun ein Ende bereiten: Bereits dem unbebrüteten Hühnerei ließe sich damit die Information entlocken, ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handeln wird. Das Projekt zur "spektroskopischen Geschlechtsbestimmung" ist weit fortgeschritten. Es wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert.

Tötungsfreie Bruteier ab Ende 2016

Sollten alle Prüfungen des technischen Verfahrens positiv verlaufen, müssen – so Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt – "schnellstmöglich in den Brütereien die entsprechenden Geräte angeschafft werden, damit es kein Schreddern mehr geben wird". Schmidt will, dass das Kükenschreddern 2017 aufhört. "Ab Ende 2016 sollen die ersten 'tötungsfreien' Bruteier auf den Markt kommen", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Männliche Küken sollen dann also gar nicht erst schlüpfen, die entsprechenden Eier im Idealfall einfach verkauft werden. Eine erhebliche Preissteigerung für die Verbraucher erwartet Schmidt nicht: "Die Methode, die wir fördern, ist die billigste. Der Preis für ein Ei wird um maximal ein bis zwei Cent steigen."

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Quelle: n-tv.de

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