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Ursache für die Wilderei in Afrika ist die hohe Nachfrage nach Elfenbeinschnitzereien in Asien.
Ursache für die Wilderei in Afrika ist die hohe Nachfrage nach Elfenbeinschnitzereien in Asien.(Foto: picture alliance / dpa)

Schicksalswochen für bedrohte Tiere: Wie viel Handel ist erlaubt?

Jedes Jahr werden in Afrika Zehntausende Elefanten abgeschlachtet. Die Wilderei ist eines der Themen, die auf der CITES-Artenschutzkonferenz in Bangkok diskutiert werden. Schutzstandards für Tiere und Pflanzen sollen verschärft werden - oder auch gelockert. Denn die Wirtschaft verfolgt oft deutlich andere Interessen als der Naturschutz.

Mit einem Appell zum besseren Schutz von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten hat in Bangkok die große CITES-Artenschutzkonferenz begonnen. Deutschland setzt sich vor allem für den besseren Schutz von Hai- und Manta-Arten ein. "Dieses Treffen könnte endlich die längst überfällige Wende bringen", sagt die deutsche Delegationsleiterin Elsa Nickel zum Auftakt. Der Handel soll reglementiert, nicht völlig verboten werden, betonte sie.

Es ist die 16. Vertragsstaatenkonferenz des internationalen Abkommens. Neben Haien steht unter anderem der Schutz von Nashörnern, Elefanten und Walen auf der Agenda. Knapp zwei Wochen lang ringen 178 Staaten darum, Schutzstandards zu verschärfen - oder auch zu lockern. Dabei prallen Naturschutz und kommerzielle Interessen, etwa beim Fischfang, hart aufeinander.

Wilderei nimmt dramatisch zu

Alarmiert sind Naturschützer wegen der dramatischen Zunahme der Wilderei im südlichen Afrika. Allein 668 Nashörner wurden im vergangenen Jahr in der Republik Südafrika abgeschlachtet; noch 2007 hatte es nur 13 solche Fälle gegeben. Ursache ist die hohe Nachfrage nach Rhino-Horn vor allem in Vietnam und anderen Ländern Südostasiens, wo ihm eine heilende Wirkung zugeschrieben wird. Bis zu 50.000 Dollar (38.500 Euro) werden für ein Kilo Horn gezahlt.

Um das Blutbad unter den Nashörnern zu stoppen, haben Kenia und weitere Länder ein Moratorium für den bislang noch legalen Export von Horn aus Südafrika gefordert. Der Umweltverband WWF sieht dies allerdings skeptisch. Gerade Südafrika, wo mehr als 80 Prozent der noch rund 25.000 afrikanischen Rhinos leben, setze sich mit großem Engagement für den Schutz der Tiere ein und finanziere dies teilweise aus den Erlösen streng reglementierter Trophäenjagden, argumentiert WWF-Expertin Brit Reichelt-Zolho.

Thailand ist Drehscheibe für Schmuggler

Beim Elfenbein der Elefanten wird sich auch Gastgeber Thailand kritischen Fragen stellen müssen. Da der inländische Handel mit den Stoßzähnen thailändischer Zuchtelefanten legal ist, dient das Land Schmugglern als Drehscheibe, um Elfenbein auch der geschützten afrikanischen Dickhäuter in Umlauf zu bringen. "Der Trend geht auch hier bei der Wilderei exponentiell hoch", sagt Ilka Herbinger vom WWF.

Der Tiger lebt gefährlich, besonders in China. Tigerzüchter werben dort für eine Handelsfreigabe.
Der Tiger lebt gefährlich, besonders in China. Tigerzüchter werben dort für eine Handelsfreigabe.(Foto: picture alliance / dpa)

Ein ähnliches Problem gibt es in China, wo die wachsende Zahl von Tigerzüchtern für eine Handelsfreigabe wirbt. Von den nur noch gut 3000 streng geschützten Wild-Tigern wären die Produkte jedoch kaum zu unterscheiden.

Japan gegen Schutz von Haien

Deutschland und die EU melden sich in Bangkok mit einem Vorstoß zum Schutz des Heringshais zu Wort, eine laut Bundesumweltministerium wegen Überfischung "weltweit stark gefährdete Haiart". Sein wertvolles Fleisch soll daher nur noch aus nachhaltig bewirtschafteten Beständen in den Handel gelangen. Die Europäer arbeiten dabei zusammen mit den USA, Brasilien und Kolumbien, die für den besseren Schutz anderer Haiarten sowie von Mantarochen eintreten. Mit Widerstand Japans und anderer Fischereinationen ist jedoch zu rechnen, an denen schon 2010 Anträge zum Schutz von Haien scheiterten.

Handel teils verboten, teils reguliert

Konkret geht es im CITES-Regelwerk, das in diesem Jahr 40 Jahre alt ist, um bedrohte Tierarten in verschiedene Schutzkategorien. In Anhang I werden derzeit knapp 1000 vom Aussterben bedrohte Spezies aufgeführt. Anhang II umfasst mehr als 33.000 Tier- und Pflanzenarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind. Für Produkte mit Anhang-II-Arten ist der Handel reguliert, im Fall von Anhang-I-Arten wie den Nashörnern verboten.

Regionale Differenzierungen sind möglich, auch Sonderverkäufe zum Beispiel für Elfenbein von natürlich verendeten Elefanten können als Ausnahmen zugelassen werden. Insgesamt 35.000 Arten stehen unter dem Schutz der Konvention. Die Kategorisierung ist dabei oft eher politisch als wissenschaftlich. So sieht der Umweltverband NABU auch in Bangkok schlechte Chancen für den Schutz des Thunfischs, obwohl er längst durch Überfischung bedroht ist.

Sanktionen als Druckmittel

Anders als die meisten Umweltabkommen verfügt CITES über einen Sanktionsmechanismus. So kann bei Verstößen der Handel mit allen von dem Abkommen erfassten Spezies eingeschränkt oder untersagt werden. Im Fall Vietnams und der Rhinos ist hier zum Beispiel ein Verkaufsverbot für Schlangenhäute oder bestimmte Hölzer und Holdprodukte ein Druckmittel, die für das Land wichtige und bislang legale Exportprodukte sind.

Quelle: n-tv.de

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