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Massives Aussterben ließe sich durch schnellere wissenschaftliche Erstbeschreibungen eindämmen.
Massives Aussterben ließe sich durch schnellere wissenschaftliche Erstbeschreibungen eindämmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Beschreibung von Arten: Wissenschaft braucht zu lange

Eigentlich wollen Wissenschaftler das Artensterben verhindern. Bis die Öffentlichkeit von einer neu entdeckten Art erfährt, kann es jedoch schon zu spät - und die Art bereits ausgestorben - sein. Dass von der Entdeckung bis zur wissenschaftlichen Erstbeschreibung von neuen Arten oft Jahrzehnte vergehen, kritisiert eine neue Studie.

Von der Entdeckung einer neuen Art bis zu ihrer wissenschaftlichen Erstbeschreibung vergehen oft Jahrzehnte. Durchschnittlich lagern Tiere und Pflanzen 21 Jahre in wissenschaftlichen Sammlungen, ehe sie als neue Spezies erfasst werden, wie französische Forscher im Journal "Current Biology" berichten. Wie schnell eine Art vorgestellt wird, hängt demnach von vielen verschiedenen Faktoren ab - etwa von der Art des Lebewesens oder von dem Land, in dem eine Sammlung lagert.

Die weitaus meisten Arten auf der Erde sind noch unbekannt. Eine rasche Bestandsaufnahme der biologischen Vielfalt wäre vor allem deshalb wichtig, weil viele Tiere und Pflanzen aussterben, bevor sie überhaupt bekannt sind.

21 Jahre bis zur Erstbeschreibung

Allerdings werden unbekannte Spezies meistens nicht schon beim Einsammeln als solche erkannt. Vielmehr landen sie meist in Sammlungen, etwa von Museen. Wie lange es dann dauert, bis eine Art wissenschaftlich beschrieben wird, untersuchten Forscher vom Pariser Muséum d‘Histoire Naturelle um Benoît Fontaine.

Dazu wählten sie per Zufallsprinzip 600 von jenen knapp 17.000 Arten aus, die im Jahr 2007 erstmals beschrieben wurden. Diese Arten lagen vorher im Durchschnitt rund 21 Jahre auf Lager. Pflanzen, Insekten und Wirbeltiere verweilten sogar noch länger unbearbeitet in Archiven. Und in Industrieländern verging bis zur Erstbeschreibung besonders viel Zeit.

Mangel an Taxonomen

Dort seien die Sammlungen archivierter Arten so umfangreich, dass die Sichtung besonders lange dauere, erläutern die Autoren. Und gerade bei Pflanzen, Wirbeltieren und Insekten seien die Bestände in den Archiven besonders groß. Insgesamt zeige die lange Verweildauer der Arten aber, dass es an Taxonomie-Spezialisten mangelt.

"Mit einer Krise der Artenvielfalt, die ein massives Aussterben vorhersagt, und einer Lagerdauer, die weiterhin mehrere Jahrzehnte umfasst, werden Taxonomen zunehmend Spezies aus Museumssammlungen beschreiben, die in der Natur schon ausgestorben sind", schreiben die Forscher, "so wie Astronomen Sterne beobachten, die schon seit Jahrtausenden erloschen sind."

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Quelle: n-tv.de

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