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Das für die "Verjüngung" der Mäuse entscheidende Protein findet sich auch im Menschen - ein ähnlicher Behandlungseffekt ist daher nicht unwahrscheinlich.
Das für die "Verjüngung" der Mäuse entscheidende Protein findet sich auch im Menschen - ein ähnlicher Behandlungseffekt ist daher nicht unwahrscheinlich.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Montag, 05. Mai 2014

Jungbrunnen durch Blutkur?: Wissenschaftler kehren Alterungsprozess um

US-Wissenschaftlern ist es gelungen, bei alten Mäusen durch die Gabe von jungem Blut altersbedingte Effekte auf Herz und Gehirn umzukehren. Die Methode könnte auch beim Menschen funktionieren - doch sie birgt Risiken.

Für ihre Studie verbanden die US-Wissenschaftler chirurgisch die Blutkreisläufe zweier verschieden alter Mäuse. Das Verfahren ist in Deutschland verboten.
Für ihre Studie verbanden die US-Wissenschaftler chirurgisch die Blutkreisläufe zweier verschieden alter Mäuse. Das Verfahren ist in Deutschland verboten.(Foto: picture alliance / dpa)

Wissenschaftler in den USA haben möglicherweise einen entscheidenden Fortschritt im Kampf gegen altersbedingte Krankheiten erzielt. Im Fachmagazin "Nature Medicine" berichtet das Team um den Neurowissenschaftler Saul Villeda von Tests an alten Mäusen, die Blut von jüngeren Tieren verabreicht bekamen. Die Tiere zeigten daraufhin deutliche Verbesserungen bei typischen Alterserscheinungen wie abnehmender Gedächtnisleistung und verringerter Muskelkraft.

Den Wissenschaftlern zufolge könnten ihre Ergebnisse zu neuen Behandlungsmethoden bei Herzkrankheiten oder Alzheimer führen. "Ich bin extrem aufgeregt", sagte Rudolph Tanzi, ein Neurologe der Harvard University, gegenüber der US-Zeitung "New York Times". "Diese Ergebnisse könnten einen Wendepunkt darstellen."

Die auf den ersten Blick etwas makaber anmutende Methode baut auf der alten Spekulation auf, dass junges Blut bei alten Menschen zu einer Verjüngung führen könnte. Bereits in den 1950er Jahren versuchten Wissenschaftler, diesen Effekt nachzuweisen. Dazu verbanden sie bei der sogenannten Parabiose chirurgisch die Blutgefäße alter und junger Ratten und beobachteten anschließend Prozesse wie beispielsweise die Wundheilung.

Synapsen knüpfen neue Verbindungen

Tatsächlich stellte sich durch das heute in Deutschland verbotene Verfahren bei den älteren Tieren eine Verbesserung ein, während die jüngeren Ratten für ihr Alter untypisch lange brauchten, um sich von einer Verletzung zu erholen. Allerdings fehlte den Wissenschaftlern eine schlüssige Erklärung, was genau die Veränderung in den Tieren hervorrief, da das Funktionsprinzip von Stammzellen noch unbekannt war.

Saul Villeda und seine Kollegen von der Universität San Francisco konnten nun nachweisen, wie genau sich die Proteine aus dem Blut jüngerer Mäuse auf die Hirnfunktion ihrer älteren Artgenossen auswirken. Synapsen und Neuronen der Senior-Mäuse verdichteten und stärkten sich bei der Parabiose, wodurch auch die kognitiven Fähigkeiten der Tiere wieder zunahmen. In einem nächsten Schritt verabreichten die Wissenschaftler älteren Mäusen das jüngere Blutplasma direkt und ohne die Tiere miteinander zu verbinden. Auch dann schnitten die behandelten Mäuse bei Gedächtnistests deutlich besser ab.

Methode nicht risikofrei

Als entscheidend stellte sich dabei in einer anderen Studie an der Harvard-Universität das Protein GDF11 heraus, das die Stammzellen neu belebt. Amy Wager, Autorin der Harvard-Studie, bestätigte das humanmedizinische Potenzial der Jungblutkur. "Das Protein ist in Mäusen und Menschen identisch und ist auch im menschlichen Blutkreislauf vorhanden", sagte Wager der britischen Zeitung "The Guardian". "Unsere bisherigen Untersuchungen zeigen, dass es auch beim Menschen mit dem Alter zu einer Abnahme des Proteins kommt, weshalb die gleichen Effekte auch beim Menschen zu erwarten sind."

Da der Verjüngungseffekt den ganzen Organismus betrifft, könnte die Methode irgendwann zu einem Medikament führen, das die separate Behandlung von Herz-, Muskel- oder Gehirnalterung überflüssig macht. Allerdings warnen andere Wissenschaftler auch vor den möglichen Gefahren des Verfahrens, da neu aktivierte Stammzellen die Gefahr der unkontrollierbaren Vermehrung bergen. Dies würde die Entwicklung von Krebs erheblich begünstigen.

Quelle: n-tv.de

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