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Insa Thiele-Eich (l.) und Nicola Baumann: Eine von beiden wird voraussichtlich 2020 ins All fliegen.
Insa Thiele-Eich (l.) und Nicola Baumann: Eine von beiden wird voraussichtlich 2020 ins All fliegen.(Foto: picture alliance / Michael Kappe)
Mittwoch, 19. April 2017

Nur eine darf ins All: Zwei Frauen auf Astronautinnen-Mission

Zwischen Insa Thiele-Eich und Nicola Baumann wird es sich entscheiden: Eine fliegt ins All, doch beide werden zur Astronautin ausgebildet. Sie haben sich bei der Initiative "Die Astronautin" durchgesetzt. Eine hat schon Erfahrung mit gefährlichen Missionen.

Die Mädchennamen Insa oder Nicola könnten sich bei jungen Eltern in den kommenden Jahren besonderer Beliebtheit erfreuen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird noch vor dem Jahr 2020 eine Trägerin dieses Namens als erste deutsche Frau ins Weltall fliegen. Sie schriebe damit nicht nur Geschichte, sondern dürfte auch vielen kleinen Mädchen zum großen Vorbild werden.

Bewerberinnen der "Astronautin"-Initiative.
Bewerberinnen der "Astronautin"-Initiative.(Foto: picture alliance / Ingo Wagner/d)

Frauen für Technik zu begeistern, ist das Ziel der Initiative "Die Astronautin". In deren Rahmen wurden Insa Thiele-Eich und Nicola Baumann für eine Ausbildung zur Astronautin ausgewählt - aus 400 Bewerberinnen. Eine der beiden soll einen mit Sponsorengeldern finanzierten Flug in den Weltraum antreten, während die zweite als Ersatz bereit stehen und gegebenenfalls später ihre Chance erhalten wird.

Die Wahl von Baumann ist auf den ersten Blick vielleicht diejenige, die am wenigsten überrascht. Die 32-jährige Münchnerin steuert beruflich eines der wertvollsten und mächtigsten Geräte im Bundeswehr-Arsenal - das Kampfflugzeug Eurofighter. Regelmäßig absolviert die Frau im Dienstgrad eines Majors Flüge mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2000 Stundenkilometern. Sie ist es gewohnt, auch bei extremen körperlichen Belastungen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Dass sie nun womöglich als deutsche Astronautin Geschichte schreibt, bezeichnet Baumann als einen "Traum, der wahr wird". Schon jetzt freut sie sich auf die Ausbildung in der Schwerelosigkeit, die bei sogenannten Parabelflügen entsteht. Auch die vielen Unterwasserübungen kann die Maschinenbauerin kaum erwarten. Zu ihren Hobbys zählt sie neben Mountainbiken und Kitesurfen auch das Tauchen.

Auf den Spuren von Alexander Gerst

Die Parabelflüge fallen auch Thiele-Eich als erstes ein, wenn sie an die aufregenden Programmpunkte der Astronautenausbildung denkt. Sie habe schon einmal die Schwerelosigkeit auf solch einem Flug erlebt, sagt die gebürtige Heidelbergerin. "Ich freue mich, viele weitere Parabelflüge machen zu können." Sollte sie es ins All schaffen, möchte sie gern weiter an ihren Forschungsthemen arbeiten. Die Meteorologin betreibt an der Universität Köln Grundlagenforschung, um bessere Vorhersagemodelle für Wetter und Klima zu entwickeln. In ihrer Doktorarbeit befasst sie sich zudem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Bangladesch.

Thiele-Eich könnte in die Fußstapfen ihres Vaters Gerhard Thiele treten, der im Februar 2000 als zehnter Deutscher ins All flog. Die Initiatoren von "Die Astronautin" machen keinen Hehl daraus, dass die Finalistinnen auch nach ihrer Medientauglichkeit ausgewählt wurden. Wer ins All fliegen will, muss auch öffentlich darüber reden wollen und Begeisterung vermitteln. Vorbild ist Alexander Gerst: Der Astronaut verlieh während seiner Weltraummission im Jahr 2014 mit seinem Enthusiasmus und seiner Nahbarkeit der deutschen Raumfahrt unerwartet Schub.

Die Finalistinnen sind beide verheiratet, Thiele-Eich hat zudem zwei Töchter. Deren Unterstützung habe sie genauso wie die ihres Ehemanns, versichert sie auf Nachfrage. Es klingt etwas genervt, vielleicht auch, weil männlichen Astronauten solche Fragen nicht gestellt werden. Als bei der Vorstellung der Finalistinnen gefragt wird, ob Schwangerschaften während der kommenden drei Jahre tabu seien, bleiben die Frauen dennoch gelassen. "Wir haben nicht mehr die 50er", sagt Baumann. Dann lächeln beide und verzichten auf eine Antwort.

Quelle: n-tv.de

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