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30 Jahre Ariane-RaketeJubelfeiern und Abstürze

24.12.2009, 10:36 Uhr
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Eine Ariane-5-Rakete startet im August 2009 mit zwei Satelliten ins All. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Beim dritten Mal klappte der Start: Vor 30 Jahren flog die erste europäische Ariane-Rakete ins All. Mehr als 190 starteten bis heute, 9 davon scheiterten.

Als am 24. Dezember 1979 die erste europäische Ariane-Rakete ins All startete, war es für Horst Holsten das schönste Weihnachtsgeschenk in seinem Leben. "Das war ein Moment der Emotionen", erinnert er sich. Der 69-jährige Deutsche war von Anfang an an der Entwicklung der dreistufigen Trägerrakete beteiligt. Die Ariane 1 ist sozusagen sein Kind.

Sechs Jahre lang hatte Holsten gemeinsam mit anderen Raketenbauern an ihrer Entstehung gearbeitet. Doch gleich beim ersten Startversuch erlitten sie einen herben Rückschlag. Wegen eines technischen Fehlers lösten sich die Verankerungen nicht, die Rakete blieb am Boden. Den zweiten Anlauf verhagelte das Wetter. Beim dritten Mal klappte es schließlich.

"Danach sind die Sektkorken geflogen", erzählt Holsten. Im Kontrollbunker in Kourou in Französisch-Guayana erlebte er damals Europas ersten selbstständigen Schritt in den Weltraum hautnah mit. "Das war ein Wechselbad der Gefühle. Man bangt die ganze Zeit mit, bis die Rakete die Umlaufbahn erreicht."

Psychologisch wichtig

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Die 87. Ariane-Rakete 1996. (Foto: picture-alliance / dpa)

Rund 160 Raketenstarts verfolgte Holsten, bis er 2005 in den Ruhestand ging. Der erste war für ihn aber der bedeutendste. "Der Start der Ariane 1 war psychologisch wichtig für die Europäer, um zu zeigen, dass sie es können."

Daran hatte es lange Zweifel gegeben - vor allem in den USA. In den 60er Jahren hatten die Europäer bereits ein eigenes Raketenprogramm begonnen, das aber am politischen Willen scheiterte. 1973 bauten sie einen ersten TV-Satelliten, den die Amerikaner mit ihrer Delta-Rakete in den Orbit befördern wollten. "Sie verlangten aber, dass wir den nicht kommerziell nutzen dürfen, sondern nur für Forschungszwecke", erklärt Holsten. Daraufhin blieb den Europäern nichts anderes übrig, als eine eigene Rakete zu bauen.

Bis Mitte der 80er Jahre war die "Ur-Ariane", die eine Nutzlast von 1,85 Tonnen in den Orbit bringen konnte, im Einsatz. Dann wurde sie von den weiterentwickelten Typen Ariane 2 und 3 abgelöst. Mit der Ariane 4, die bereits eine Nutzlast von knapp 5 Tonnen trug, gelang Europa Ende der 80er Jahre der Durchbruch. Bis ihr Nachfolge-Modell sie ablöste, hob sie vom Weltraumbahnhof Kourou 113 Mal erfolgreich ab. Nur dreimal misslangen die Starts in dieser Zeit.

Erfolg trotz Rückschlägen

Mit der Ariane 5 war der europäische Höhenflug der Europäer vorerst beendet. 1995 beschloss die Europäische Weltraumbehörde ESA, einen völlig neuen Raketentypen mit einer höheren Nutzlast zu entwickeln. Knapp ein Jahr später kam die Ariane 5 bei ihrem Erstflug vom Kurs ab und explodierte über dem Südatlantik. "Das war ein Desaster", sagt Holsten. "Das war ein richtiger Schmerz, und ich habe geheult." Zu dem Zeitpunkt war er bereits der Leiter der Ariane-Programme bei Astrium in Bremen, einer Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Das Werk baut unter anderem die Oberstufen für die Raketen.

Zum nächsten Fehlschlag kam es 2002, als eine neue Version der Ariane 5 mit einer Nutzlast von nun zehn Tonnen kurz nach dem Start gesprengt werden musste - mit einem wertvollen Satelliten an Bord. "Man hat die Tests am Boden nicht intensiv genug gemacht", sagt Holsten rückblickend. Dennoch sieht er die Ariane-Raketen als Erfolg. Mehr als 190 starteten bis heute, 9 davon scheiterten. "Letztendlich war es die richtige Entscheidung, sie zu bauen. "Ich bin stolz, dass ich diese Zeit miterleben durfte."

Am 18. Dezember schaffte die Ariane 5 den 35. erfolgreichen Start in Folge und brachte einen französischen Militärsatelliten ins All. Auch im kommenden Jahr soll es wieder sechs bis sieben Flüge in den Weltraum geben. Unterdessen wird an den Astrium-Standorten Bremen und Ottobrunn bei München an der Zukunft der Ariane-Raketen gearbeitet. Dort wird eine komplett neue Oberstufe mit wiederzündbarem Vinci-Triebwerk für das europäische Arbeitstier entwickelt. Ungefähr im Jahr 2017 soll die sogenannte Ariane 5 ME ihren Jungfernflug absolvieren. Und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy brachte bereits eine Ariane 6 ins Gespräch.

Quelle: Irena Güttel, dpa