Amtsverlust bei VaterschaftBrisante Enthüllung eines Priesterkindes im Vatikan

Ein Sohn eines katholischen Priesters deckt ein bislang geheimes Dokument des Vatikans zu Priesterkindern auf. Wie Vincent Doyle suchen viele Töchter und Söhne Anerkennung durch die Kirche, stoßen aber auf Ignoranz. Ein Kirchen-Sprecher bestätigt nun die Existenz des Papiers.
Der Ire Vincent Doyle hat mit 28 Jahren erfahren, dass sein Vater ein katholischer Priester ist und hat anschließend bei Nachforschungen herausgefunden, dass die Kirche ein geheimes Regel-Dokument für diese Fälle hat. Über diese spektakuläre Enthüllung berichtet nun die "New York Times".
Als Erwachsener erfährt Vincent Doyle von seiner Mutter, dass er der nicht anerkannte Sohn eines katholischen Priesters ist. Als er andere betroffene Kinder ausfindig macht, stellt er die Kirche zur Rede. Dort erhält Doyle lediglich die Antwort, dass er ein "Produkt eines seltenen Verstoßes" sei. Für die katholische Kirche sind Priesterkinder ein Verstoß gegen die Regeln des Zölibats, die Priestern sexuelle Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit vorschreiben. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es diese Vorschrift. Kinder sind aus der Sicht des Vatikans nicht vorgesehen.
Doch Doyle lässt nicht locker und stößt auf Erzbischof Ivan Jurkovic, der ihm ein bislang gut gehütetes Geheimnis offenbart: Der Kirchenmann zeigt ihm ein Dokument, das regelt, was Priester tun sollen, wenn sie Kinder gezeugt haben. Natürlich will Doyle das geheime und höchst brisante Dokument kopieren, doch der Erzbischof versagt es ihm, erzählt ihm allerdings, dass sie als "Kinder des Ordinats" bezeichnet werden. Der Erzbischof lehnte anschließend ein Interview mit der "New York Times" ab.
Die "NYT" fragt daraufhin bei der katholischen Kirche nach und erhält eine überraschende Auskunft: "Ja, ich kann bestätigen, dass solche Regeln existieren", erklärt Sprecher Alessandro Gisotti erstmals schriftlich auf die brisante Anfrage. Es sei ein kircheninternes Dokument.
Entscheidung zwischen Amt und Kind
Das fundamentale Prinzip des Dokuments sei demnach der "Schutz des Kindes" und dass der Vater das Priesteramt niederlegen müsse, wenn er das Kind offiziell anerkennen wolle. Somit müssten sich Geistliche zwischen Kirchenamt und Kind entscheiden, wenn sie zu ihrem Nachwuchs stehen wollen.
Diese Bestätigung ist das erstmalige öffentliche Eingeständnis der katholischen Kirche, dass es Priesterkinder gibt. Gerade in Bezug auf die aktuelle Missbrauchsdebatte ist dieses Thema für die Kirchenvertreter besonders heikel.
Doyle hat im Internet die Gruppe "Coping International" gegründet, in der sich Kinder von Geistlichen weltweit zusammenschließen können. Wie viele Kinder es insgesamt sind, ist noch völlig unklar. Allerdings hat die Website 50.000 Nutzer in 175 Ländern und zeigt damit, welches Ausmaß diese Enthüllung haben könnte.