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Freitag, 11. März 2011

Stärkstes je gemessenes Erdbeben in Japan: Helfer befürchten viele Tote

Ein gewaltiges Erdbeben erschüttert den Nordosten Japans und löst hohe Tsunami-Wellen aus. Wahrscheinlich ist es das stärkste Beben, das je in Japan gemessen worden ist. Die Wassermassen reißen Autos, Häuser, Brücken und Bauernhöfe mit. Die Zahl der Toten ist noch nicht abzuschätzen, allein in Sendai werden bis zu 300 Leichen am Strand gefunden. Ein Zug wird von der Flut erfasst, auch ein Schiff verschwindet im Tsunami. Viele Menschen werden noch vermisst. Die Schäden im Land sind gewaltig, mehrere Industrieanlagen geraten in Brand.

Ein gewaltiges Erdbeben mit unabsehbaren Folgen schockiert Japan und die Welt: Der Erdstoß der Stärke 8,9 löste einen Was ist ein Tsunami? aus. Eine gewaltige Flutwelle überspülte die Ostküste der Hauptinsel Honshu. Boote wurden gegen die Küste geschleudert und Autos ins Meer gespült. Allein in der von einer Flutwelle heimgesuchten Stadt Sendai im Nordosten des Landes seien 200 bis 300 Leichen an einem Strand gefunden worden, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Jiji. Zuvor hatte der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK von mindestens 90 Todesopfern gesprochen. Die Polizei erklärte, nach vorläufigem Stand gebe es 60 Tote, 56 Vermisste und 241 Verletzte. Die Polizei hob jedoch hervor, dass es sich um vorläufige Angaben handele, da die Lage sehr unübersichtlich sei.  Ein n-tv.de Spezial zum Erdbeben in Japan finden Sie hier.

Das Erdbeben mit der Stärke 8,9 vor der Küste Japans hat einen starken Tsunami ausgelöst.
Das Erdbeben mit der Stärke 8,9 vor der Küste Japans hat einen starken Tsunami ausgelöst.

Die Nachrichtenagentur Jiji berichtete unter Berufung auf die Polizei, dass allein im Küstenort Ofunato nach einem Tsunami 48 Menschen, darunter 23 Schüler, vermisst würden. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, nach dem Hereinbrechen eines Tsunamis sei in der besonders schwer betroffenen Präfektur Miyagi im Nordosten des Landes ein Zug mit einer unbekannten Zahl an Passagieren verschwunden. Der Zug war demnach auf dem Weg von Sendai nach Ishinomaki und wurde in der Nähe des Bahnhofs von Nobiru von der Flutwelle erfasst. NHK hatte zuvor berichtet, dass ein Schiff mit etwa hundert Menschen an Bord von einem Tsunami fortgetragen worden sei. Das Schicksal der Menschen an Bord sei unklar.

Geologen gehen von vielen Opfern aus. "Wir erwarten, dass viele Menschen getötet worden sind", sagte der Seismologe Kevin McCue von der Central Queensland University im australischen Canberra, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Schäden durch ein derart schlimmes Erdbeben seien groß. Es dürfte das stärkste Beben in der japanischen Geschichte gewesen sein, sagte der Experte.

Das Epizentrum des Bebens gegen 14.45 Uhr Ortszeit (06.45 Uhr MEZ) lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. Möglicherweise sei es das bislang schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans, sagte der Chefsekretär des Kabinetts, Yukio Edano, nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo. "Herausragend großes Ereignis" .

Hotline für Deutsche

Selbst in Tokio war das Beben deutlich zu spüren.
Selbst in Tokio war das Beben deutlich zu spüren.(Foto: AP)

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, bisher gebe es keine Hinweise auf deutsche Opfer. Neben der Botschaft in Tokio schaltete sich auch der Krisenstab des Auswärtigen Amtes ein. Zudem wurde die Telefonnummer 030/50003000 eingerichtet, unter der sich besorgte Angehörige informieren können.

Deutschland schickt THW-Team . Die Vereinten Nationen bereiten eine Hilfsaktion vor.

Gewaltige Flutwelle

Eine zehn Meter hohe Flutwelle traf die Küste rund um die Hafenstadt Sendai. Der Hafen von Sendai wurde ebenso überflutet wie Fischerdörfer der Umgebung. Die Stadt gilt weitgehend als zerstört. In Aufnahmen aus Hubschraubern war zu sehen, wie die Flutwelle Schiffe, Lastwagen, Autos und Trümmer vor sich her nach Sendai schob. Flüsse traten durch das einströmende Meerwasser über die Ufer. Die Behörden riefen die Küstenbewohner auf, sich in höher gelegene Gebiete oder in obere Stockwerke zu begeben. Es drohten weitere Tsunamis. Auch könne es weitere starke Nachbeben geben.

Die Flutwellen trafen mit gewaltiger Kraft auf Land.
Die Flutwellen trafen mit gewaltiger Kraft auf Land.(Foto: AP)

In Tokio, 400 Kilometer südwestlich des Epizentrums gelegen, brachen an zahlreichen Stellen im Stadtzentrum Brände aus. Für mehr als vier Millionen Haushalte brach die Stromversorgung zusammen, wie die Versorgungsgesellschaft mitteilte. Der Flughafen Narita wurde geschlossen und evakuiert. Auch die U-Bahn von Tokio wurde eingestellt, die Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen wurden gestoppt.

Regierung richtet Krisenstab ein

Das Kabinett kam unter Leitung von Ministerpräsident Naoto Kan zu einer Krisensitzung zusammen. Das Verteidigungsministerium schickte acht Kampfflugzeuge los, um aus  Luftaufnahmen einen ersten Überblick zu den Schäden zu gewinnen. Kan sprach von "enormen Schäden". Die Marine schickte Schiffe in die betroffenen Regionen.

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Die Regierung richtete ein Krisenzentrum unter Führung von Kan ein. 900 Einsatzkräfte der Polizei wurden in den Nordosten von Honshu geschickt. Es werde alles getan, um die Schäden des schweren Erdbebens zu begrenzen, sagte der Ministerpräsident. Besonders wird der Zustand der japanischen Atomreaktoren überwacht. Einige Reaktoren wurden automatisch abgeschaltet. Es gebe keine Berichte über ausgetretene Radioaktivität. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete ein Feuer im Atommeiler Onagawa im Nordosten. Das Land rief den atomaren Notfall aus. Rund 2000 Anwohner einer Atomaanlage in der nordöstlichen Präfektur Fukushima müssen ihre Häsuer vorsorglich verlassen.

Beben im ganzen Land

Auch aus anderen Orten wurden schwere Schäden gemeldet. In Chiba bei Tokio geriet eine Ölraffinerie in Brand. In Iwate wurden Dutzende von Autos von den Wassermassen weggerissen. Nach einem Erdrutsch in der Präfektur Fukushima wurden acht Menschen vermisst. Immer wieder erschütterten Nachbeben das Land.

Die Vereinten Nationen bereiteten sich auf die Entsendung von 30 Einsatzteams zur Katastrophenhilfe vor. "Unsere Experten stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden in Japan", sagte die Sprecherin des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Einsätze (OCHA), Elisabeth Byrs, in Genf. Die Lage sei ernst. Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle und Russlands Präsident Dmitri Medwedew hatten dem land bereits Unterstützung zugesagt. 

Starke seismische Region

Häuser in Tokio wanken . Dabei hatten auch in der Hauptstadt Tokio Hochhäuser geschwankt. Das Beben war allerdings glimpflich verlaufen. Das Land wird immer wieder von Erdbeben erschüttert und ist gut auf solche Naturereignisse vorbereitet.

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Tsunami verschont Pazifik-Inseln . An Taiwans Ostküste wurden Evakuierungen angeordnet, auf den Philippinen wurden die Menschen angewiesen, die Küstenstriche im Osten zu meiden. Die Katastrophe weckte Erinnerungen an den im Indischen Ozean, bei dem mehr als 200.000 Menschen starben.

Quelle: n-tv.de