Rathgeber Fine HotelsLage top, Service Flop: Ein Hotel für Gäste mit einem gewissen Faible
Von Carsten K. Rath
Mit Unterkünften in ganz Europa schließt die Marke "Numa" die Lücke zwischen klassischem Hotel und privater Vermietung im Stil von Airbnb. In Paris prüft Hotelkolumnist Carsten K. Rath, ob das stark digitalisierte Konzept auch zum Alltag von Businessreisenden passt.
Für meinen Reiseratgeber "Fine Hotels" suche ich vorrangig gute Businesshotels in Deutschland. Doch hin und wieder lohnt sich ein Blick über die Landesgrenzen, um bekannte Konzepte besser einzuordnen. "Numa" ist ein solcher Fall: Die Marke ist in mehreren deutschen Städten präsent, aber ebenso in zahlreichen europäischen Metropolen zu Hause. "Numa" verfolgt ein konsequent digitales Hospitality-Modell, das auf flexible, unkomplizierte Aufenthalte in Großstädten ausgerichtet ist - irgendwo zwischen gehobenem Airbnb und reduziertem Hotelerlebnis.
Die Marke ist inzwischen in 13 Ländern vertreten und wächst stetig. Ein besonders beliebter Ableger befindet sich in Paris, nur wenige Schritte von den Champs-Élysées entfernt. Um einzuschätzen, ob "Numa"-Häuser perspektivisch das "Fine Hotels by ntv"-Gütesiegel verdienen, eine Auszeichnung für hohen Service, Professionalität und Business-Tauglichkeit, sehe ich mir diesen Standort genauer an.
Bestlage zum Bestpreis
Für meine Reise nach Paris wähle ich den TGV ab München. Der Zug ist sauber, voll ausgelastet und das Personal ausgesprochen freundlich. Die Fahrt dauert nur knapp sechs Stunden, und eine anfängliche Verspätung von 15 Minuten wird dank der effizienten französischen Bahn schnell wieder aufgeholt. So erreiche ich den Bahnhof Paris-Est nahezu pünktlich. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln benötige ich dann noch rund 20 Minuten bis zum Hotel. Das "Numa" liegt in bester Lage neben den Champs-Élysées, nur wenige Schritte vom Arc de Triomphe und vom Eiffelturm entfernt. Eine beeindruckende Adresse zu einem erstaunlich guten Preis von rund 140 Euro die Nacht. Ich hoffe, dass der Service an die positive Erfahrung der Zugfahrt anknüpft, und ich bin gespannt, was mich hier für diesen vergleichsweise kleinen Preis erwartet.
Stadtleben statt Hotelwelt
Beim Eintreten fällt mir der stilvolle Eingangsbereich auf. Das Design erinnert an die 1950er-Jahre, allerdings modern interpretiert. Farbenfrohe Lounge-Möbel, moderne Couchtische und die dezenten Vintage-Elemente am Coffee-Point schaffen eine warme, einladende Atmosphäre. Zwar hat das "Numa" keine eigenen Tagungsräume, doch die Lobby eignet sich hervorragend für kurze Meetings oder entspannte Afterwork-Treffen. Zudem bietet die Umgebung zahlreiche Möglichkeiten für Zusammenkünfte: In der direkten Nachbarschaft wimmelt es nur so von Cafés und Restaurants. Das ist praktisch, denn ein eigenes Hotelrestaurant fehlt. Lediglich das Frühstück kann für 14 Euro pro Person aufs Zimmer geliefert werden.
Was zunächst wie eine Einschränkung klingt, passt jedoch zum Selbstverständnis der Marke: "We do the room, you do the city". Die "Numa"-Unterkünfte richten sich an Städtereisende, die nicht in der typischen Hotelblase leben möchten, sondern die Stadt als Teil ihres Aufenthalts verstehen. Und wo könnte das besser gelingen als in dieser Bestlage in Paris?
Vielseitige Unterkünfte, reduzierter Komfort
Auf den ersten Blick wirkt das "Numa" wie ein durchgestyltes Lifestyle-Boutiquehotel für Städtetouristen. Doch tatsächlich bietet es einige Vorteile, die besonders für Geschäftsreisende interessant sind. So kann ich neben dem klassischen Hotelzimmer auch komplette Apartments mit Küche buchen, mit separatem Wohn- und Schlafzimmer, ideal für längere Aufenthalte. Für Unternehmen und Gruppen gibt es sogar Preisvorteile.
In meinem Einzelzimmer ist die Ausstattung zwar schlichter, aber dennoch solide: Kaffeemaschine, schnelles WLAN, ein großzügiger Schreibtisch – alles Wesentliche ist vorhanden. Das Bett gefällt mir gut, die Matratze ist sehr hochwertig. Was das Schlaferlebnis jedoch erheblich schmälert, sind die extrem harten Kissen. Sie geben kaum nach und fühlen sich unangenehm an. Außerdem ist die Decke viel zu warm, was meinen Schlaf zusätzlich beeinträchtigt. An der Ausstattung darf "Numa" also gerne noch nachbessern.
Genau wie an der Preispolitik, die dringend überdacht werden sollte. Für eine Zimmerreinigung werden 50 Euro verlangt und für ein sogenanntes "Fresh-up" zehn Euro – wobei unklar bleibt, was ein "Fresh-up" genau bedeutet. Eine Reinigung dauert in einem Hotel dieser Kategorie in der Regel 12 bis 18, maximal 20 Minuten. Daher erscheint mir der Reinigungspreis im Verhältnis zur erbrachten Leistung nicht angemessen.
Moderne digitale Lösungen mit Tücken
"Numa" gibt sich große Mühe, den Erwartungen der heutigen digitalen Nomaden gerecht zu werden. Mein Zimmer konnte ich bequem über die Website numastays.com buchen, Check-in und Check-out laufen vollständig über das Smartphone ab. Mit einem PIN-Code gelange ich ins Gebäude und in mein Zimmer, und der Service ist rund um die Uhr per WhatsApp erreichbar. Dank einer eigenen Wasch-App kann ich sogar das Wäschewaschen direkt vor Ort buchen. Fünf Euro für die Waschmaschine und vier Euro für den Trockner empfinde ich als angemessen.
Der gesamte Prozess wirkt jedoch umständlich: Zunächst muss ich eine App installieren, dann verschiedene Codes eingeben. Für die modernen Internet-Nomaden mag dieses Vorgehen selbstverständlich sein, für meine Generation gestaltet es sich vergleichsweise kompliziert. Hier würde ich mir einen intuitiveren Ablauf wünschen. Wer im "Numa" übernachten möchte, muss also ein gewisses Faible für digitale Lösungen mitbringen. Andernfalls wird der moderne zeitsparende Ansatz mit seinen vielen cleveren, aber teils verschachtelten Tools zur Geduldsprobe.
Ein echtes Highlight ist für mich der ausgezeichnete Service von Angie Coudert. Sie betreut mich von Anfang an mit einer außergewöhnlich warmen und hilfsbereiten Art. Ihre Ausbildung in Glion in der Schweiz merke ich ihr an, denn sie verbindet Professionalität mit spürbarer Leidenschaft für ihre Arbeit. Ob per E-Mail oder persönlich vor Ort, ihre Unterstützung bereichert meinen Aufenthalt und ist einer der Gründe, warum ich das Hotel mit einem positiven Gefühl verlasse.
Das "Numa"-Konzept richtet sich eindeutig an eine neue, digital geprägte Art des Reisens: viel Selbstständigkeit, flexible Abläufe und ein Aufenthalt, der eher an ein temporäres Zuhause erinnert als an ein klassisches Hotel. Für Gäste, die sich in digitalen Prozessen wohlfühlen und keinen umfangreichen Service benötigen, kann dieses Modell attraktiv sein. Auf mich wirkt die starke Digitalisierung allerdings stellenweise umständlich und unpersönlich. Der Fokus liegt deutlich auf Effizienz, was leider auch dazu führt, dass Komfort und Ausstattung hinter den Erwartungen zurückbleiben. Gleichzeitig überzeugt das "Numa Champs-Élysées" mit einer herausragenden Lage, günstigen Zimmerpreisen und der Möglichkeit, Studios oder Apartments flexibel auch für längere Aufenthalte zu buchen. Für digitalaffine Businessreisende, die keinen klassischen Hotelkomfort erwarten, ist das "Numa" durchaus eine passende Option – für alle anderen bleibt es eine Alternative mit spürbaren Grenzen.
Raths Reise-Ranking (aktuelle Wertung gefettet)
Ganz großes Kino
Wenn's nur immer so wäre
Meckern auf hohem Niveau
So la la, nicht oh lá lá
Ausdrückliche Reisewarnung
| Name | Numa Paris Champs-Élysées |
| Ort | Paris |
| Stadtteil | 8. Arrondissement |
| Zimmerpreis pro Nacht (von/bis) | Ca. 141 Euro für ein kleines Zimmer, ca. 149 bis 162 Euro für Standard- bzw. Medium-Zimmer |
| Flughafen | Flughafen Paris‑Orly (ORY) |
| Anreise | 18 Kilometer vom Flughafen Paris-Orly, 4,2 Kilometer vom Bahnhof Gare de l’Est, 5 Kilometer vom Bahnhof Gare du Nord. |
| Fitness & Wellness | Keine Fitness- oder Wellnessbereiche, Yogamatten verfügbar |
| Konferenzbereich | Die Lobby kann für Meetings genutzt werden |
| Besondere Empfehlungen | Etwa sieben Minuten zu Fuß entfernt liegt das Restaurant L'Orangerie, das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Küchenchef Alan Taudon serviert hier eine moderne französische Spitzenküche. Das Restaurant befindet sich in einem verglasten Anbau im Innenhof, der von einer hängenden Porzellanskulptur aus Tausenden von Blütenblättern geschmückt wird. |
