Als Mittel gegen Energie-KriseReiche-Berater empfehlen Fracking in Deutschland

Fracking ist in Deutschland umstritten. Kritiker fürchten Verunreinigungen des Grundwassers durch Chemikalien, die beim Lösen von Erdgas aus unterirdischem Gestein eingesetzt werden. Ein von Wirtschaftsministerin Reiche eingesetztes Beratergremium sieht im Fracking jedoch mehr Vorteile.
Heimische Gasförderung durch Fracking ist nach Einschätzung von Beratern von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche eine mögliche Antwort auf die Iran-Krise. Das schreiben die vier Ökonomen in einem Kurzgutachten mit dem Titel "Eskalation im Nahen Osten: Auswirkungen auf Europa - und was (nicht) zu tun ist".
"Eine Möglichkeit wäre es, die Gas-Extraktion etwa durch Fracking zu erlauben und ernsthaft zu prüfen, um die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu reduzieren", schreiben sie. Dies könne auch ein Signal an die heimische Industrie senden, dass sich die Bundesregierung um die Versorgungssicherheit bemühe, sagte die Ökonomin Veronika Grimm.
Deutschland verfügt über erhebliche Schiefergasvorkommen. Die Förderung mit der umstrittenen Fracking-Methode, bei der in tief liegenden Gesteinsschichten enthaltenes Erdgas mit Chemikalien und Druck extrahiert wird, ist seit 2017 in Deutschland allerdings verboten, weil eine Gefährdung unter anderem für das Grundwasser angenommen wird.
Gefahren ließen sich erheblich reduzieren, schreiben hingegen Reiches Berater unter Berufung auf eine Expertenkommission des Bundestags. Vorhanden seien Mengen zwischen 320 und 2030 Milliarden Kubikmeter (bcm), heißt es in dem Gutachten unter Berufung auf andere Experten. Der Import von Flüssiggas aus den USA habe im vergangenen Jahr bei etwa 11 bcm gelegen.
Dem "Wissenschaftlichen Beraterkreis Wirtschaftspolitik" gehören neben Grimm die Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap, Stefan Kolev und Volker Wieland an. Der Kreis soll Reiche und ihr Haus beraten.
Absage an Subventionen
Darüber hinaus raten die Berater von Wirtschaftsministerin Reiche in ihrem Kurzgutachten zur Zurückhaltung bei staatlichen Ausgaben zur Pufferung der Krise. "In der aktuellen Situation gibt es derzeit keinen Grund für besondere Subventionen. Die Situation ist bisher nicht vergleichbar mit dem extremen Knappheitsszenario von 2022 aufgrund der großen Abhängigkeit von Russland." Sie regen aber an: "Auch Steuersenkung müssen erwogen werden, gerade ein Vorziehen der Körperschaftsteuersenkung ist geboten."
Zudem zweifeln die Experten an der Wirksamkeit der in dieser Woche von Reiche angekündigten Regelung, wonach Tankstellen ihre Preise wie in Österreich nur noch einmal am Tag erhöhen sollen dürfen. Sie raten, dies nach drei Jahren auf den Prüfstand zu stellen.
Wenn sich zeige, dass es im Kraftstoffgroßhandel eine erhebliche und dauerhafte Störung des Wettbewerbs gebe, könne das Bundeskartellamt aktiv werden, schreiben die Fachleute. "Ultimativ gehören auch Preissteigerungen zu den Risiken des Lebens. Der Staat kann und sollte seine Bürgerinnen und Bürger nicht gegen jedwede Risiken des Lebens wie etwa einen temporären Anstieg der Kraftstoffpreise absichern."