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Das antike Rom Es gab Verkehrsregeln

Schon vor 2000 Jahren herrschte in Rom atemberaubendes Verkehrschaos. Drangvolle Enge auf den Straßen, besonders im "Berufsverkehr", und auch nachts ohrenbetäubender Lärm - die Römer der Antike mussten mit ähnlichen Problemen kämpfen wie heute.

Bei einer Tagung zum 175. Jubiläum des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom kamen Experten jetzt zum Ergebnis, dass es schon damals so etwas wie Verkehrsregeln gab. Wer hatte Vorfahrt in "caput mundi", dem damaligen "Mittelpunkt der Welt"?

Heerscharen von Fußgängern, dazwischen Esel- und Ochsenkarren, die besseren Herrschaften hoch zu Ross, dann auch noch Sänften und Tragestühle für Kaiser oder Senatoren - auf dem groben Pflaster der Millionenstadt war der Teufel los. "Vorn müssen wir uns den Weg durch die Massen bahnen, hinter uns schiebt und drückt der Mob", klagte der Satiriker Juvenal im ersten Jahrhundert nach Christus. "An unseren Füßen klebt Unrat, auf unserem Zeh ruht der Nagelschuh eines Soldaten." Meint der deutsche Archäologe Klaus Freyberger vom römischen Institut heute: "Auf den Straßen muss es richtig zur Sache gegangen sein."

Um das urbane Chaos einzudämmen, erließen die Herrschenden die Verkehrsregeln Nummer eins: "striktes Verbot zur Beförderung von Personen in Wagen innerhalb der Stadt", wie der Kölner Altertumsforscher Werner Eck berichtet. Ausnahmen waren rar, etwa für verheiratete Frauen (matronae), die in einem pilentum, einer Art Kutsche, zu Opfern und Spielen fahren durften. Ansonsten galt über Jahrhunderte: "Wagen waren ausschließlich für den Transport von Gütern erlaubt."

Als auch das nichts half, wurde unter Cäsar die Verkehrsregel Nummer zwei erlassen: Der Warentransport wurde in die Nachtstunden verwiesen, keine Kleinigkeit bei der Versorgung der Millionenstadt. Herbeigeschafft wurden die Güter auf dem Tiber, von dort ging es mit Getöse durch die engen Gassen. "Das Rumpeln der schweren Wagen raubt selbst einem tauben Mann den Schlaf", ärgerte sich Juvenal.

Dennoch nahm das Chaos solche Ausmaße an, dass der britische Archäologe Michael Grant schon vor Jahren die These vertrat, Kaiser Nero habe im Jahr 64 Rom nicht zuletzt deshalb in Brand gesteckt, weil er großzügigere Verkehrsadern schaffen wollte. Mit zweifelhaftem Erfolg: Der Geschichtsschreiber Tacitus berichtete später: "Einige Leute meinen, die Stadt sei früher (vor dem Feuer) gesünder gewesen, weil die engen Straßen vor der Sonne schützten."

Freyberger meint gar, dass es in der Antike bereits so etwas ähnliches wie "Verkehrspolizisten" gab, die so genannten Aedilen, Wächter, deren Aufgabe es auch war, ein Auge auf das Funktionieren der Abwasserversorgung zu werfen. "Auch so etwas wie Berufsverkehr gab es ganz sicherlich." Schließlich wälzten sich morgens die Menschenmassen aus den Vorstädten in die City. "Ganz sicher gab es Versuche einer geregelten Verkehrsführung." Der heutige Via del Corso, die Einkaufsstraße der Römer, sei schon damals eine der großen Adern gewesen.

Und wer hatte bei all dem Treiben Vorfahrt? Verkehrschilder gab es nicht. "Dazu kam es in der neusten Zeit, erzwungen durch die hohe Geschwindigkeit der Moderne", lautet Ecks These. Dennoch sei allen Römern stets klar gewesen, wer im Gewühl den Vortritt hat: Der sozial Höherstehende, der Herr vor dem Sklaven, der Senator vor dem Bürger, und die Kaiser vor allen anderen. Selbst der Dichter Seneca musste sich dem beugen: "Wenn ich einen Konsul oder einen Prätor sehe, tue ich alles, um dem, dem Ehre gebührt, auch Ehre zu erweisen: Ich steige vom Pferd, entblöße das Haupt und mache den Weg frei." Von so viel Artigkeit im Verkehr können die Römer heute nur träumen.

Quelle: ntv.de