Der TagUN: 5700 Menschen bei Bandenkriegen in verarmtem Inselstaat getötet oder verletzt
Eine Insel in der Karibik ist zum einen ein Urlaubsparadies, zum anderen eine Art Hölle auf Erden - gemeint sind die Dominikanische Republik und das angrenzende Haiti. Letzteres versinkt seit Jahren im Chaos der Bandengewalt. NGOs haben sich aus Sicherheitsgründen längst aus dem Land zurückgezogen. Laut UN sind in Haiti allein seit Jahresbeginn mindestens 5700 Menschen von Banden getötet oder verletzt worden. Mehr als 1000 Frauen und Mädchen seien vergewaltigt worden, erklärte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk.
Dabei muss man bedenken: Das sind lediglich die registrierten Fälle, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Anders als bei uns ist es insbesondere den Mädchen und Frauen in Haiti oft gar nicht möglich, sicher zu einem Krankenhaus zu gelangen, um ärztliche Hilfe zu bekommen. Deshalb werden viele Vergewaltigungen überhaupt nicht dokumentiert. "Trotz einiger Erfolge bei der Eindämmung ihrer Aktivitäten in Teilen der Hauptstadt Port-au-Prince passen sich die Banden immer wieder an und breiten sich aus", sagte Türk vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf.
Der UN-Sicherheitsrat hatte 2025 eine Unterstützungsmission für Haiti (UNSOH) sowie die robustere Banden-Bekämpfungseinheit "Gang Suppression Force" (GSF) beschlossen, die eigentlich 5500 Einsatzkräfte umfassen soll. Bislang eher angekündigte Hilfe auf dem Papier, da sich nicht genug Staaten finden, die dazu beitragen wollen. "Die Truppe liegt weit unter der erforderlichen Stärke", sagte Türk. Nach Angaben des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, stehen derzeit lediglich 1500 Einsatzkräfte bereit.
Das verarmte Haiti wird de facto seit Jahren weitestgehend sich selbst überlassen. Dort leben nach UN-Angaben etwa elf Millionen Menschen, die tagtäglich Gewalt wie Morden, Entführungen und Vergewaltigung ausgesetzt sind. Die Banden zwingen Kinder, für sie zu kämpfen.