Inder kassiert mit KI-Blondie abMAGA-Fans fallen auf Bikini tragende Fake-Influencerin rein
Von Aljoscha Prange
Eine blonde Schönheit verdreht konservativen US-Amerikanern den Kopf und zieht ihnen im Internet das Geld aus der Tasche. Doch hinter den Bikini-Bildern steckt gar keine MAGA-Barbie, sondern ein 22-jähriger Inder.
Sie ist jung, schlank, blond - und erzkonservativ. Auf ihren Social-Media-Kanälen posiert sie in USA-Bikinis, trägt MAGA-Mützen und trinkt US-amerikanisches Bier aus Dosen. Emily Hart ist eine waschechte Patriotin. Und eine attraktive noch dazu. Aber vor allem ist Hart eins: nicht echt.
Das war den Hunderttausenden Usern aber offenbar nicht bewusst, die Hart in den sozialen Medien folgten und dort ihre Posts millionenfach likten und kommentierten. Posts, in denen die Blondine sich über Einwanderer ausließ, die Politik der Trump-Regierung feierte und gegen Abtreibung, Waffenverbote und die "woken" Demokraten schoss.
Zielpublikum: ältere US-Amerikaner
Nur ist Hart in Wirklichkeit eben gar keine US-Amerikanerin. Sie ist weder blond noch MAGA-Anhängerin. Hart ist noch nicht einmal ein Mensch - sondern das Produkt einer KI. Ihr Erfinder: ein 22 Jahre junger Medizinstudent aus Indien.
Im Gespräch mit dem US-Magazin "Wired" verrät Sam, wie der angehende Orthopäde sich offenbar zum Schutz nennt, dass er sich mit der Hart-Masche das Studium finanzieren wollte. Dann kam ihm die Idee, KI-generierte Bikinibilder einer jungen Frau zu verkaufen.
Er habe mithilfe der Grok-KI von Elon Musks Firma xAI ein fiktives "heißes Mädchen" erschaffen, das explizit US-Konservative und MAGA-Fans ansprechen sollte. Der Grund: Der Chatbot habe ihm zuvor verraten, dass "das konservative Publikum (insbesondere ältere Männer in den USA) oft über ein höheres Einkommen verfügt und loyaler ist". Und so wurde Emily Hart geboren.
Tausende Dollar mit KI-Schmuddelcontent
Sam erzählt, dass er daraufhin angefangen habe, täglich Bilder der erfundenen KI-Persona zu posten, über die er "christliche, einwanderungsfeindliche und anti-woke" Texte legte. Der Account explodierte förmlich und generierte aus dem Nichts Zehntausende Follower binnen weniger Monate. Seine Beiträge erzielten Millionen von Aufrufen. Immer mehr Menschen folgten Hart, bis die Follower-Zahlen irgendwann in die Hunderttausenden gingen.
Als Sam sah, wie gut sein KI-Model in den sozialen Medien performte, weitete er das Ganze aus: Er begann, T-Shirts mit MAGA-Motiven über seine Hart-Seiten zu verkaufen. Und er erstellte ein Emily-Hart-Profil beim Onlyfans-Konkurrenten Fanvue, wo Abonnenten für anzügliche KI-Inhalte bezahlen.
Sam verrät, dass er somit mehrere Tausend US-Dollar monatlich verdiente. "Ich habe vielleicht 30 bis 50 Minuten meines Tages dafür aufgewendet und dabei für einen Medizinstudenten gutes Geld verdient", erinnerte er sich. "In Indien kann man selbst in qualifizierten Berufen nicht so viel Geld verdienen. Ich kenne keine einfachere Möglichkeit, online Geld zu verdienen."
"MAGA-Anhänger sind dumme Leute"
Jetzt, da der Schwindel aufgeflogen ist, wurden sämtliche Emily-Hart-Accounts gelöscht - für Sam anscheinend kein Problem. Sein Plan, mit den KI-Profilen Geld zu verdienen, ist aufgegangen. Er habe übrigens auch versucht, ein demokratisches Pendant zu Hart zu erstellen und damit ebenfalls abzukassieren. Aber "die Demokraten wussten, dass es sich um KI-Schrott handelte, und interagierten nicht stark genug".
Dem konservativen Publikum sei das Ganze allerdings nicht komisch vorgekommen. "MAGA-Anhänger sind dumme Leute, wirklich dumme Leute. Sie sind voll drauf reingefallen", so Sam.
Mit dem Geld, das der indische Student durch seine KI-generierte MAGA-Masche verdient hat, konnte er nicht nur sein Studium finanzieren. Er will sich damit auch einen Traum erfüllen und nach seinem Abschluss auswandern - in die USA.