Infografik

Virus-Lage im Mehrtagestrend So steht es um die Neuinfektionen

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Der Moment der Wahrheit: Grundlage für viele Coronavirus-Tests ist ein Rachenabstrich.

(Foto: REUTERS)

Der Blick auf die täglichen Fallzahlen führt schnell in die Irre: Ein verringertes Meldeaufkommen am Wochenende kann die Entwicklung bei den Neuinfektionen kurzfristig kräftig verzerren. Einen Ausweg bietet der Trend im Sieben-Tage-Schnitt.

Wie viele Menschen stecken sich derzeit Tag für Tag in Deutschland überhaupt noch mit dem Coronavirus an? Was wie eine einfache Frage klingt, ist tatsächlich selbst für Experten schwer zu beantworten. Zwar veröffentlichen die Gesundheitsbehörden und Ministerien in den Bundesländern teils mehrmals täglich aktualisierte Zahlenstände. Diese spiegeln jedoch nur die Entwicklung der von den Behörden erfassten Meldedaten wider. Und hier kann es zu erheblichen Verzögerungen kommen.

An Wochenenden und Feiertagen etwa ist regelmäßig ein deutlich verringertes Meldeaufkommen zu beobachten. Durch diesen sogenannten Wochenendeffekt geht die Zahl der Neuinfektionen in der kurzfristigen Entwicklung von Tag zu Tag teils massiv zurück, nur um nach den Wochenenden aufgrund der eingehenden Nachmeldungen wieder anzuziehen. Solche Verzerrungen lassen sich anhand der Durchschnittswerte aus mehrtägigen Vergleichszeiträumen umgehen. Auf Basis des jeweiligen Sieben-Tages-Schnitts ergibt sich folgendes Bild bei den Neuinfektionen:

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Die jeweiligen Durchschnittswerte liefern greifbarere Anhaltspunkte zur Epidemie-Entwicklung in Deutschland als der Blick auf einzelne Tageszahlen: Im Ergebnis zeichnen die ermittelten Werte über alle kurzfristigen Schwankungen hinweg ein klares Bild einer rückläufigen Bewegung bei den anfallenden Neuinfektionen.

Seit Ostersonntag geht das Niveau der neu erfassten Ansteckungen in Deutschland immer weiter zurück. In den sieben Tagen vom 6. bis 12. April zum Beispiel wurden im Schnitt jeweils noch 4041 Fälle pro Tag verzeichnet. Eine Woche später lag das Mittel bereits bei 2597, zwei Wochen nach Ostern bei 1868. Damit sind belastbarere Trendaussagen zur Einschätzung des Infektionsgeschehens möglich: Unabhängig von kurzfristigen Einflüssen ist ein eindeutiger Rückgang zu erkennen.

Ein Vergleich der Mittelwerte aus voranschreitenden Zeiträumen von jeweils sieben Tagen bietet sich deshalb so gut als Berechnungsgrundlage an, da in dieser Spanne stets sowohl Werktage als auch Wochenendtage enthalten sind. Die Spanne ist ausreichend groß gewählt, um selbst Sonderfälle wie die Kombination aus Mai-Feiertag und anschließendem Wochenende auffangen zu können.

Generell gilt es jedoch zu beachten, dass die Meldedaten lediglich die Lage abbilden, wie sie sich den Behörden in Deutschland aktuell darstellt. Zudem sind Meldedatum und Erkrankungsdatum beziehungsweise Sterbedatum meist nicht deckungsgleich, was die Interpretation von Kurvenverläufen weiter erschwert - zumal die offizielle Statistik nur laborbestätigte Coronavirus-Infektionen auflistet.

Außerdem hinken die Fallzahlen dem wahren Infektionsgeschehen notgedrungen hinterher. Menschen, die sich angesteckt haben, entwickeln den bisher vorliegenden Erkenntnissen zufolge - wenn überhaupt - erst mehrere Tage nach ihrer Infektion erste Symptome. Aktuelle Zuwächse oder Rückgänge in den Meldedaten zeigen also Vorgänge an, die bis zu vierzehn Tage in der Vergangenheit liegen können.

Und: Der Sieben-Tages-Trend signalisiert, dass sich in Deutschland bisher noch zahlreiche Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infizieren. Aktuell bewegen sich die Fallzahlen - trotz der zuletzt auffallend niedrigen Tageswerte von teils weniger als 700 Neuinfektionen pro Tag - noch immer auf einem durchschnittlichen Niveau von deutlich mehr als 1000 Fällen (Stand: 4. Mai). Nach Aussage von RKI-Chef Lothar Wieler sind es derzeit noch zu viele, um tatsächlich alle Ansteckungswege nachverfolgen zu können. Das aber ist die Voraussetzung, um - wie es heißt - alle "Infektionsketten zu brechen" und die Bevölkerung vor neuerlichen Ausbrüchen schützen zu können.

Quelle: ntv.de