Leben

Was wir von Emma Watson lernen Das Aussterben der Single-Frau

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Emma Watson hat ein neues Partnerschaftsmodell ins Spiel gebracht: die Beziehung mit sich selbst.

(Foto: AP)

Emma Watson hat keinen Partner. Single ist sie trotzdem nicht. Die Schauspielerin führt eine Beziehung mit sich selbst. Was ihr zunächst vor allem Lacher einbrachte, könnte sich als echter Trend erweisen.

Jungs wollen Feuerwehrmann werden, Mädchen Prinzessin. Jungs brauchen dafür prall gefüllte Schläuche, Mädchen einen Prinzen. Und da haben wir sie schon, die alte Leier von der weiblichen Vollständigkeit, die ohne Ring am Finger kaum zu erreichen scheint. Schon klar, ganz so archaisch wie im Märchen geht es heute in den Köpfen der meisten Heranwachsenden nicht mehr zu. Aber da ist eben noch ganz viel da von den alten Stigmata.

Emma Watson zum Beispiel ist ein Weltstar - superschlau, superschön und superreich. Doch auch sie steht in Anbetracht ihres nahenden 30. Geburtstags vor denselben Problemen wie Katrin aus Kaiserslautern, der beim Familienbesuch von Tante Trude unwirsch auf die Schulter getippt wird. Ob es denn endlich mal einen Mann in ihrem Leben gebe? Die Lisa habe ja schließlich schon im vergangenen Sommer den Peter und naja, die Grundstückspreise im Speckgürtel und so ein Baby, das wäre es doch, oder?

Nicht Single, sondern "self-partnered"

Watson hat aber keine Lust, sich reinquatschen zu lassen. Ihr Uterus scheint vorerst nicht zu jucken und um gar nicht erst Gefahr zu laufen, alleinstehend als olle Jungfer abgetan zu werden, hat sie ein Wort erfunden, das alte Tatsachen neu beschreibt. Im Interview mit dem Magazin "Vogue" nannte sie sich nicht Single, sondern "self-partnered". Die Schauspielerin führt eine Beziehung mit sich selbst.

Das klingt erst einmal fremd, vielleicht auch etwas albern. Doch Obacht, hier lohnt es, hinzuhören. Man muss den Watsonschen Neologismus nicht sprachlich reizvoll finden, um ihn als inhaltlich präzise Alternative zu tradierten Beziehungsmodellen zu erkennen. Der typische Single ist ungebunden. Er streift umher, er lungert in Bars herum. Er sucht oder will gefunden werden. Vielleicht ist er freiwillig ohne Bindung, vielleicht wünscht er sich nichts sehnlicher als echte Verbindlichkeit. Wer sich mit sich selbst verpartnert, hat diese Verbindlichkeit längst gefunden, sie kommt von innen. Es muss also mehr als eine Form der gelebten Partnerlosigkeit geben.

Fortschritt mittels Sprache

Watson hat den Versuch unternommen, zu benennen, was nicht nur für sie gelebte Wirklichkeit ist. Technisch gesehen mag sie Single sein, doch sie fühlt sich nicht so, wie es der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Singles, insbesondere des weiblichen Singles, entspricht. Also hat sie sich was ausgedacht - vielleicht hat sie es auch irgendwo gelesen und es schlechterdings zuerst medienwirksam in ein Mikrofon gesprochen.

Dass jetzt auch einige die Nase rümpfen, ist kein Schocker. Man denke daran, wie vor wenigen Jahren Gwyneth Paltrow antrat, ihre Trennung von Chris Martin als "bewusste Entpaarung" zu framen. Heute dürfte klar sein, wer zuletzt lacht. Paltrow urlaubt jedenfalls ganz entspannt gemeinsam mit dem neuen Gatten, dem Ex und den gemeinsamen Kindern. Es lohnt sich immer wieder, mit Sprache voranzugehen, wo gesellschaftlicher Fortschritt auf sich warten lässt.

Watson hat ein Wort dafür vorgeschlagen, nicht länger nach Prinzen zu suchen, und damit dem Suchen und Finden des Selbst neuen Stellenwert eingeräumt. Das ist gar nicht mal sonderlich avantgardistisch, sondern vor allem irre zeitgeistig. Wie meditiert es sich denn am besten? Eben, allein. Zu Superfoods, Selflove und Yoga-Sessions passt wenig besser als die Partnerschaft mit sich selbst. Bleibt auch mehr Zeit, öfter mal ein Buch zu lesen.

Quelle: n-tv.de

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