Leben

One Woman Show Es fehlen die Frauen!

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Ein Wimmelbild. ohne Frauen. Dafür mit vielen Krawatten.

(Foto: picture alliance/dpa/The Pioneer)

Frauen, Männer, alle: Wann werden wir zusammen sitzen, leben, lieben, lachen, arbeiten, regieren? Es sieht so aus, als wären wir Lichtjahre davon entfernt. Die Welt unterscheidet sich in die einen hier - Männer - und die anderen - Frauen - da. Es ist so auffällig gewesen gerade bei der Münchner Sicherheitskonferenz, dass man/ frau nicht daran vorbeikommen konnte.

Das Hauptaugenmerk lag auf einem Foto beziehungsweise auf einem Event, auf dem nur Männer zu sehen sind. Weil nur Männer eingeladen waren? Angeblich nicht, aber es sind eben nur Männer zu sehen. Nach Angaben der Münchner Sicherheitskonferenz soll die finale Frauenquote unter den Sprechern im Hauptprogramm immerhin bei 45 Prozent gelegen haben. Bei dem (zu Recht) Aufreger-Bild wird das Bemühen vieler Dax-Konzerne, ihre Vorstände weiblicher aufzustellen, allerdings ebenso wenig widergespiegelt wie die Frage danach, wie viele der eingeladenen Frauen zu der Veranstaltung auf dem besagten Männer-Lunch-Foto gar nicht erst kamen. Vielleicht hatten sie Besseres vor. Vielleicht waren sie auf einer anderen Veranstaltung.

Vielleicht waren sie bei der Veranstaltungsreihe "Frauen100" - in dieser Gruppe finden sich Frauen wieder, die Entscheidungsträgerinnen, Kreative, Führungspersönlichkeiten sind. Eine gute Idee! Frauen müssen mehr Macht haben. Frauen müssen mehr mitreden, gefragt werden und in den Vordergrund treten. Frauen sind schließlich die Hälfte der Weltbevölkerung, sie bringen Leben und Licht, sie sind meist schöner, diplomatischer, oft klüger und besser ausgebildet und obendrein besser angezogen, aber all das ist bekannt.

Warum Frauen dann immer noch so sehr auf die Glamour- und nicht die Kompetenzkarte vertrauen, erschließt sich mir als Frau deswegen trotzdem nicht. In der tagesaktuellen Presse war zu lesen, dass die Frauen bei der oben genannten Veranstaltung nämlich nicht nur auf Öffentlichkeit setzen würden, sondern auch auf Glamour. Ich persönlich stöhne dann innerlich auf - denn das würde bei einer Männerveranstaltung niemals stehen.

Kindergeburtstag

Es erschließt sich mir auch nicht, warum die 30 Männer für ihr nahes Beieinandersitzen an einem U-förmig ausgerichteten Tisch kritisiert werden, während die 100 Frauen Arm in Arm posieren und auch dicht beieinander ohne Maske sitzen. Höchstwahrscheinlich sind doch alle Personen - Männer und Frauen - ganz simpel vorher getestet worden. Es handelt sich bei beiden Veranstaltungen schließlich um verantwortungsbewusste Menschen.

Warum nun diese offizielle Geschlechtertrennung, wie sie auf jedem guten Kindergeburtstag am Sonntagnachmittag oder Essen unter Freunden am Freitagabend überall auf der Welt irgendwann passiert - am Ende sitzen die Typen bei den Typen und die Frauen bei den Frauen -, extra befeuern? Es ist okay im privaten Rahmen, denn es gibt ja durchaus geschlechtsspezifische Themen, die zu besprechen sind. Aber öffentlich? Was ist das für eine Botschaft? Als die Autorin und Co-Gründerin des Center for Feminist Foreign Policy, Kristina Lunz, neulich ihr Buch vorstellte - keine Männer. Wie sollen die denn von den Frauen lernen, wenn sie nicht dabei sind? Und dass die nicht eingeladenen Herren bei Instagram und Co. auf dem passenden Profil landen, sei mal dahingestellt.

Lunz sagt nämlich überaus kluge Dinge, wie in einem Interview auf ntv.de, die auch für Männer interessant sind: "Feminismus bedeutet, gegen patriarchale Strukturen vorzugehen. Er richtet sich eben nicht gegen Männer, sondern gegen ein System, in dem der Mann in der Familie und im Staat die Vormachtstellung hat." Wie aber soll man(n) das mitkriegen, wenn auf den Veranstaltungen nur Frauen sind? Noch eine Frage: Warum wollen Frauen denn unbedingt dieselben Fehler machen wie Männer - nämlich das andere Geschlecht ausschließen -, bevor wir alle zu dem Ergebnis kommen, dass es das Allerklügste wäre, gemeinsam an einem Strang zu ziehen? Was für ein Zeichen ist das? Sollen heranwachsende Mädchen zuerst den Feind in ihrem männlichen Gegenüber sehen? Sollen Jungs denken, dass sie nicht mitmachen können, wenn ihre Mütter nur noch auf berufliche Veranstaltungen gehen, bei denen allein Frauen anwesend sind?

Natürlich müssen Frauen und Mädchen in vielen Bereichen besonders geschützt werden: "80 Prozent der Klima-Flüchtlinge sind Mädchen und Frauen. In den vergangenen Jahren haben international die Angriffe auf Frauen- und LGBTQI-Rechte massiv zugenommen, die Türkei ist aus der Istanbulkonvention ausgetreten und in Polen ist Abtreibung verboten." (Das ganze Interview mit Kristina Lunz lesen Sie übrigens hier, falls es Sie interessiert.) Aber warum legen wir den Fokus nicht darauf, gute Menschen zusammenzubringen, um Politik zu machen? Gesellschaftliches zu erreichen? Spaß zu haben und Erfolg!? Es geht mir nicht in den Kopf, dass wir davon sprechen, dass Außenpolitik besser ist, wenn sie weiblich ist. Das ist sie in Deutschland momentan, keine Frage, denn Annalena Baerbock macht einen ausgezeichneten Job, soweit ich das beurteilen kann. Aber ist ihre Außenpolitik nur gut, weil sie eine Frau ist? Oder ist sie nicht vielmehr deswegen gut, weil sie ein kluger Mensch ist und zufällig eine Frau? Könnte ein Mann nicht eventuell auch so klug sein?

Es ist selbstverständlich unerhört, wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts schlecht oder falsch behandelt werden, es ist aber genauso unintelligent, alle Männer über einen Kamm zu scheren. Ich möchte hier explizit keine erwachsenen Männer in Schutz nehmen, denn es gibt wirklich viele, die schrecklich sind zu Frauen - mit Absicht, einfach so nebenbei oder in ihrer Sprache, ihren Blicken, ihrem Handeln. Und ich habe auch etwas dagegen, dass Frauen weniger verdienen als Männer, eine Verteidigungsministerin erst einmal für jedes bisschen runtergemahnt oder unsere Außenministerin immer noch gönnerhaft als "junge Dame" bezeichnet wird. Eine Studie des Instituts für Strategischen Dialog zeigt, dass Kommentare zu Baerbock im vergangenen Wahlkampf deutlich mehr Falschinformationen enthielten als Kommentare zu ihren Konkurrenten, ganz zu schweigen davon, dass, wenn es um Politikerinnen geht, viel mehr sexualisiert wird.

Alles ganz großer Mist, aber - ernst gemeinte Frage: Kommen wir wirklich weiter, wenn Frauen unter sich bleiben und dann die besten Ideen haben?

Quelle: ntv.de

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