Gesundheit

Von Lerchen und Eulen Lässt sich der Biorhythmus austricksen?

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Ein permanentes Leben gegen die innere Uhr kann krank machen.

(Foto: imago/PhotoAlto)

Lerche oder Eule: Die innere Uhr bestimmt, ob man sich morgens fit wie ein Turnschuh fühlt oder Schlaf bis mittags benötigt, um richtig in die Gänge zu kommen. Doch ist der Biorhythmus beeinflussbar? Besonders Eulen, die berufsbedingt früh aus dem Bett müssen, stellen sich diese Frage.

Frühtypen, auch Lerchen genannt, werden abends früher müde, wachen aber am nächsten Morgen auch wieder früh auf. Lerchen sind bereits um 22 Uhr im Bett und stehen um 6 Uhr wieder auf. Bei den Eulen, also den Spättypen, ist es genau andersherum: Sie benötigen morgens oft mehrere Stunden, um so richtig wach zu werden. Dafür werden Eulen erst spät müde. Ihre Schlafzeit bewegt sich meist zwischen 2 Uhr und 10 Uhr. "Ein extremer Spättyp ist einer, der zwei oder mehr Stunden später schläft als die Normalbevölkerung", erklärt Chronobiologe Professor Achim Kramer von der Charité Berlin. Zudem gebe es mehr Eulen als Lerchen.

Studien zufolge zählen jedoch nur 40 Prozent aller Menschen zu Lerchen und Eulen. Die restlichen 60 Prozent können dem Normaltyp zugeordnet werden. Diese Menschen schlafen meist zwischen 0.15 Uhr und 8.15 Uhr. Neben den Genen scheinen auch die Geschlechtshormone beim Chronotyp eine Rolle zu spielen, denn Männer sind häufiger Spättypen als Frauen. Laut Kramer gleicht sich der Unterschied jedoch mit dem Eintritt der Wechseljahre wieder an. Die Schlafdauer ist übrigens unabhängig vom Chronotyp.

Chronotyp ändert sich im Laufe des Lebens

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Prof. Dr. Achim Kramer forscht am Institut für Medizinische Immunologie der Charité zu den Chronotypen.

Kinder sind oftmals Lerchen. Sie springen früh aus dem Bett und halten ihre Eltern auf Trab. Mit dem Eintritt der Pubertät ändert sich das jedoch. Aus den einstigen Lerchen werden nicht selten echte Eulen. Die starke Müdigkeit am Morgen führt häufig zu einer Verschlechterung der schulischen Leistungen, da die Schule in der Regel vor 9 Uhr beginnt. Daher empfiehlt der Professor den Schulbeginn für Oberschüler nicht vor 9 Uhr, zumal ein zu früher Schulbeginn selbst für jene Schüler belastend sei, die keine Spättypen sind. Ebenso sollten Klassenarbeiten, laut dem Experten, nicht frühmorgens stattfinden.

Auch viele junge Erwachsene sind noch Eulen. Das löst sich mit höherem Alter in der Regel wieder auf. Die meisten Erwachsenen gehören zu den leichten Lerchen oder Normaltypen. Jedoch ist die genetische Disposition nicht vollständig unumkehrbar: "Wenn man als Jugendlicher ein extremer Spättyp war, dann wird man auch als Rentner kein starker Frühtyp sein", sagt Kramer.

Eulen leiden oft unter sozialem Jetlag  

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Faulenzer? Von wegen! Eulen können gar nicht anders, denn der Chronotyp ist genetisch festgelegt. Das gesellschaftliche Leben kommt den Lerchen entgegen: Schule, Studium und Arbeit beginnen in der Regel frühmorgens. "Lerchen haben es leichter, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Sie können insgesamt mehr schlafen und das führt zu einer besseren Gesundheit", betont Kramer.

Viele Eulen werden hingegen gezwungen, gegen ihre innere Uhr zu leben. Das bedeutet für Betroffene bleierne Müdigkeit am Tage und schlechte Stimmung. Sie leben in einem dauerhaften "sozialen Jetlag", da sich ihre Schlafzeiten in der Woche stark von denen am Wochenende unterscheiden. Das permanente Leben gegen die innere Uhr kann zu psychischen Problemen, ungesunden Angewohnheiten wie Alkoholkonsum oder Rauchen, Stoffwechselstörungen und Krankheiten wie Diabetes führen. Zudem erhöht es einer Studie zufolge auch das Sterberisiko. Eulen sollten dementsprechend den angehäuften Schlafmangel am Wochenende mit mehr Schlaf wieder ausgleichen. Die negativen Folgen des "sozialen Jetlags" betreffen natürlich nicht jene Spättypen, die von Natur aus nur wenig Schlaf benötigen und sich deshalb dennoch morgens fit fühlen. Auch solche, die in Berufen mit flexiblen beziehungsweise späten Arbeitszeiten tätig sind, müssen nicht mit negativen Folgen für ihre Gesundheit rechnen.

Bluttest liefert medizinische Aussage

Um Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Bestimmung ihres eigenen Chronotyps zu erleichtern sowie chronobiologische Störungen effektiver diagnostizieren und behandeln zu können, entwickelte der Charité-Professor gemeinsam mit seinem Forschungsteam einen Bluttest. Dieser liefert Auskunft darüber, ob jemand eher ein Früh-, Normal- oder Spättyp ist. Dazu werden die Monozyten aus dem Blut herausgefiltert, die über sogenannte Zeitgene verfügen. "Es gibt Gene, die morgens, nachts, nachmittags und abends aktiv sind. Wenn wir das Verhältnis dieser zueinander bestimmen, dann haben wir einen Fingerabdruck der inneren Zeit, wie er im Blut vorherrscht", erklärt Kramer die Vorgehensweise.

Der Mediziner sieht auch die Arbeitgeber in der Verantwortung: "Man sollte versuchen, die unterschiedlichen Chronotypen der Belegschaft zu kennen und dann die Schichtpläne so zu machen, dass die Belastungen möglichst gering sind." Dies bedeute, dass Eulen häufiger in Spätschichten und Lerchen öfter in Frühschichten eingesetzt werden sollten. Zudem ließen sich viele Berufsunfälle sowie diverse Fehler im Job durch unkonzentriertes Arbeiten dank Berücksichtigung der biologischen Uhr vermeiden.

Lässt sich die innere Uhr beeinflussen?

Viele Lerchen und Eulen müssen arbeitsbedingt oder aus anderen Gründen häufig gegen ihre innere Uhr leben. Die genetische Disposition lässt sich zwar nicht ändern, jedoch kann der Biorhythmus mit ein paar Tricks beeinflusst werden. Laut Kramer wird die innere Uhr nämlich durch Licht gestellt: "Wenn man mit Licht sensibel umgeht, kann man die innere Uhr mit der Außenwelt synchronisieren, sodass die Außen- und Innenzeit gut zusammenpassen", erklärt er. Der Chronobiologe empfiehlt Eulen, die früh aufstehen müssen, deshalb, kurz vor dem Schlafengehen auf das Starren auf blaulichthaltige Bildschirme zu verzichten. Zudem helfe es, morgens nach dem Aufstehen erst einmal eine ordentliche Portion Tageslicht zu tanken, indem sie zum Beispiel Joggen gehen oder eine Haltestelle früher aussteigen auf dem Weg zur Arbeit. Somit könne die innere Uhr am nächsten Tag bereits zu einem früheren Zeitpunkt auf "Tag" umgestellt werden.

Eine im "The Journal of Physiology" veröffentlichte Studie hat zudem gezeigt, dass die innere Uhr auch durch Sport beeinflusst werden kann. Wer demnach morgens, mittags oder bis nachmittags um 16 Uhr sportlichen Aktivitäten nachgeht, könne seine innere Uhr um 90 Minuten nach vorne verschieben. Findet das Training zwischen 19 Uhr und 22 Uhr statt, verschiebt sich die innere Uhr um zwei Stunden nach hinten. Bei anderen Uhrzeiten wurden keine Auswirkungen auf den biologischen Rhythmus festgestellt.

Mit den genannten Maßnahmen schaffen es Eulen vielleicht, ein bisschen früher aus dem Bett zu kommen und Lerchen halten abends länger durch. Umkehren lässt sich der Chronotyp jedoch nicht. Eine Eule kann sich nicht zwingen, Lerche zu werden oder andersherum.

Quelle: n-tv.de

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