Leben

Italienische Pasta auf Youtube In den Küchen der Großmütter

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Die Rezepte sind oft einfach, aber mit vielen Handgriffen verbunden.

(Foto: Youtube/Pasta Grannies)

Die Mamma ist out, die Nonna in. Die Italiener schwärmen für Großmutters Küche. Und die Omas geben dieses Wissen gern weiter, persönlich oder sehr erfolgreich auch auf Youtube.

Eigentlich hätte die Radtour von Matera, der Stadt der Höhlensiedlungen, die mittlerweile Unesco-Weltkulturerbe ist und nächstes Jahr europäische Kulturhauptstadt, in Lecce enden sollen. Doch dann kam der Vorschlag, einen kleinen Umweg nach Santa Caterina zu machen, einem Küstenort im apulischen Salento, um an einer Kochrunde teilzunehmen. Die Verlockung war zu groß, um nicht die 30 Kilometer mehr in Kauf zu nehmen.

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Anna Stasi (Mitte) würde sofort als Pasta Grannie durchgehen.

(Foto: Andrea Affaticati)

In Santa Caterina lebt Anna Stasi, eine außergewöhnlich warmherzige und sympathische Frau, die es sich, nicht nur wegen ihrer himmlischen Kochkünste, wirklich lohnt kennenzulernen. Bei ihr fühlt man sich sofort zu Hause. Das mag auch damit zu tun haben, dass sie sich, wie sie selber erzählt, liebend gern um ihre Familie gekümmert hat. Und natürlich auch gekocht hat. "Ich mochte es, meinen Mann und meine Kinder zu verwöhnen" erzählte. "Doch erst nachdem alle, mittlerweile erwachsen, ausgezogen waren, ist das Kochen zu einer Leidenschaft geworden". Was sie zum Teil auch ihrem Sohn Carlo verdankt. Dieser hat vor fünf Jahren, zusammen mit zwei Freunden, den gemeinnützigen Verband Salento Bici Tour gegründet, mit dem Ziel einen nachhaltigen Tourismus zu fördern.

"Und was ist nachhaltiger als Slow Motion mit Slow Food zu verbinden?" fügt Carlo hinzu. Der Vormittag bei Frau Anna, der sich bis in den frühen Nachmittag hinzieht, ist dann wirklich sehr anregend. Frau Anna lehrt ihre Schüler, wie man die für Apulien typischen Häubchen-Teigwaren, Orecchiette genannt, formt, was leichter gesagt als getan ist, und wie man die gefüllte Kartoffel "Pitta", mit einer ganz speziellen Tomatensauce macht.

Das Erfolgsrezept

Wie man weiß, pflegen die Italiener eine besonders enge und innige Beziehung zu ihren Müttern. Das hat mit dem stark ausgeprägten Familiensinn zu tun, mit dem noch immer tief verwurzelten Rollenbild der Frau, als fürsorglicher Engel für Mann und Kinder -  und natürlich mit ihren Kochkünsten.

Nichtsdestotrotz hat sich auch in Italien in den letzten Jahrzehnten so manches geändert. Und obwohl das Land, was werktätige Frauen betrifft, noch immer einer der Schlusslichter in Europa ist, 49 Prozent sind berufstätig, nimmt auch hierzulande, besonders in den Städten, die Zahl der außer Haus Arbeitenden stetig zu. Die Zeit, sich mit Hingabe den traditionellen hausgemachten Gerichten zu widmen, wird also immer rarer. Deswegen rückt jetzt die "Nonna", die Großmutter, immer mehr in den Vordergrund. Heutzutage schwärmt man weniger von Mutters Küche, als vielmehr von Omas Lasagne, ihrem Risotto oder den Kürbis-Ravioli.

*Datenschutz

Das hat sich mittlerweile bis ins Internet herumgesprochen, wie der Erfolg des Youtube Channels "Pasta Grannies" zeigt. Die Idee ist so einfach wie genial. Man muss nur darauf kommen, wie die 59-jährige Gourmetkritikerin Vicky Bennison. Ihr Rezept lautet folgendermaßen: Man nehme die Oma samt ihren Rezepten, stelle sie vor die Kochtöpfe, und lasse die Videokamera laufen. Am Ende stellt man das Video ins Internet, und voilà, der Erfolg ist garantiert. Mittlerweile hat der "Pasta Grannies"-Channel 220.000 Follower und täglich kommen neue hinzu. Eine für den Erfolg unabdingbare Zutat wurde aber noch nicht genannt: Bennison filmt keine britischen Grannies, die Scones oder Roastbeef und Yorkshire Pudding zubereiten, Bennison filmt "Nonne", italienische Großmütter. Und worin sind Italiens Großmütter, zumindest die meisten, unschlagbar? Natürlich bei den handgemachten Pasta Gerichten.

Jede Woche ein Video

Die Journalistin hat sich also auf die Reise gemacht, hat den Stiefel von Nord nach Süd, vom Veneto, Piemont, über die Toskana, bis hinunter nach Apulien, Sizilien, Sardinien abgeklappert - und klappert ihn weiter ab. Im Moment soll sie in den süditalienischen Regionen Basilicata und Apulien auf der Suche nach Nonne sein, die sich am Sonntag, zu den Feiertagen oder in den Ferien, wenn Kinder und Enkelkinder zu Besuch kommen, hinstellen und die von der Familie besonders geliebten Gericht vorbereiten.

Bennison stellt ein Video pro Woche ins Netz. Da sieht man die 77-Jährige Gisella aus der norditalienischen Stadt Faenza, die kleine Teigwarentaschen, "Spoja lorda" genannt, als Suppeneinlage vorbereitet. Paola aus dem süditalienischen Salento macht sich stattdessen an die "Ciecamariti", Teigwaren mit Tintenfischsauce, eine Gaumenfreude, mit der die Frau den Ehemann "blenden" will, daher der Name. Laura aus dem nordöstlichen Valtellina Tal bereitet "Pizzoccheri" aus Buchweizenbandnudeln vor, Frau Rosetta aus Ligurien wiederum Trofie mit Pesto.

Dass Nonnas Küche die beste ist, steht natürlich außer Frage. Nach jeder bestandenen Uni-Klausur oder -Prüfung rief man sie an, verkündete ihr die Botschaft, und sie machte sich sogleich an die Arbeit. Das bestellte Gericht war immer das Gleiche: Pasta mit Tomatenerbsensauce, Butter und einem Berg geriebenen Parmesankäse. Eigentlich nichts Besonders und doch das Beste, was man sich vorstellen konnte. Und die Orecchiette und die Pitta von Frau Anna , die man dann, mit Blick auf das kristallblaue Meer, mit allen zusammen verspeist, erinnern tatsächlich an jene Tage.

Quelle: n-tv.de

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