Leben

Männer? Die Kolumne. Junge Hüpfer, alte Säcke

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Schon der flämische Renaissancemaler Quentin Massys thematisierte ungleiche Liebespaare in Fall mit einem hübschen Twist am linken unteren Rand des Bildes.

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"Ich geb' dir mein Geld, du gibst mir deine Jugend": Echte Liebe zwischen alten, reichen Männern und jungen, hübschen Frauen ist wohl eher selten. Was auch völlig in Ordnung wäre, wenn das Spiel nicht nur in eine Richtung funktionieren würde.

Ich war vor Kurzem in Miami. Eine schreckliche Stadt und genau das Richtige für alle, die gerne bei 33 Grad im Schatten und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit ihre Botoxpolster über die Strandpromenade schieben - selten habe ich so viele Menschen auf einem Haufen gesehen, die ihre Wohlstandsverwahrlosung so offensiv zur Schau stellen. Aber unangenehme Orte schärfen ja auch immer die Sicht und in Miami war das nicht anders: Wohin ich auch blickte, überall flanierten alte weiße Männer Hand in Hand mit jungen hübschen Frauen durch die Gegend. Nie andersherum. Es ist ein Phänomen, das man in abgeschwächter Form auch aus Deutschland kennt und das ich ehrlich gesagt noch nie verstanden habe: Was wollen all die jungen Hüpfer mit den alten Säcken?

Um das kurz klarzustellen: Es geht mir nicht um die 73 Prozent der Beziehungen, in denen der Mann laut Statistischem Bundesamt älter ist, und auch nicht um die 6 Prozent, in denen mehr als zehn Jahre zwischen den Partnern liegen - die Liebe fällt eben hin, wo die Liebe hinfällt, und eine gewisse Reife und Lebenserfahrung können zusammen mit der richtigen Prise grauer Haare ziemlich sexy sein. Wenn ich aber das Alter der Frau mindestens mit zwei multiplizieren muss, um auch nur in die Nähe der Jahresringe des Partners zu kommen, stelle ich das System Liebe dann doch mal kurz infrage. Ich kann nicht anders, ich muss in solchen Fällen immer an einen Vertrag denken: "Ich geb' dir mein Geld, du gibst mir deine Jugend."

Nun mag das vielleicht nicht meine Vorstellung von Liebe treffen, aber wenn beide Seiten mit so einer Vereinbarung einverstanden sind: Wer bin ich, über andere zu urteilen? Was mich aber wirklich stört, ist die Tatsache, dass das Spiel nur in eine Richtung funktioniert: Wenn ein alternder Baubaron wie Richard "Mörtel" Lugner sein x-tes Jungmodel mit auf den Wiener Opernball schleppt, hagelt es anerkennende Schlagzeilen á la "Das ist die neue Sexbombe an Lugners Seite". Auf der anderen Seite musste ich nicht nur lange nachdenken, bis mir überhaupt ein Beispiel einfiel - die Reaktionen der (medialen) Öffentlichkeit lassen mich auch vor Fremdscham im Boden versinken.

"Du hast dich aber gut gehalten!"

"Sie könnte seine Mutter sein", betitelte ein Boulevardblatt die Verbindung von Emmanuel Macron mit Frau Brigitte. 24 Jahre trennen das ungleiche Paar voneinander. Deutlich mehr als bei den meisten Paaren, aber eben auch deutlich weniger als bei all den Promi-Silberrücken, die auf der verzweifelten Suche nach dem zweiten Frühling sind. Und, noch viel wichtiger: Die Macrons haben eine gemeinsame Geschichte, die weit über ihre Heirat im Jahr 2007 hinausgeht. Es ist eine gewachsene, authentische Liebe, die zumindest von außen so aussieht, als würde sie auf Augenhöhe gelebt. Das ist etwas, was uns Respekt abnötigen sollte, keine Häme. Und doch ist so ziemlich das Netteste, was über Brigitte Macron jemals geschrieben wurde, dass sie sich "für ihr Alter doch ziemlich gut gehalten" habe.

Hat jemals jemand über Gerhard Schröder gesagt, dass er sich gut gehalten hat? Ich glaube nicht. Stattdessen wurde der Altkanzler nach seiner Heirat mit der 26 Jahre jüngeren Soyeon Kim als "Herr der Ringe" gefeiert. Darin schwingt zwar auch eine Portion wohlwollender Spott mit, vor allem aber Anerkennung für die starke Leistung, zum vierten Mal das alte Modell gegen eine jüngere Version ausgetauscht zu haben. Wirklich. Starke. Leistung. Gerd.

Mir ist schon klar, dass ich hier vom moralischen Hochsitz der (relativen) Jugend heraus argumentiere und die Sache in 30 Jahren vielleicht ganz anders sehe. Wenn das tatsächlich der Fall sein sollte und ich dem guten Beispiel von "Mörtel" und Gerd folge, hoffe ich, dass sich irgendjemand die Mühe macht, diese Zeilen aus den Tiefen des Internets hervorzukramen und mir unter die Nase zu halten. Vielleicht noch mit einem kleinen Kompliment dazu: "Mensch, Julian, du hast dich aber gut gehalten - für dein Alter!"

Quelle: n-tv.de

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