Leben

Mehr als kiffen Was CBD alles kann

_MG_7729.jpg

Cannabis wird auch zur Herstellung von resistenten Textilien, Seilen, Zellstoff, Bau- und Isoliermaterialien, Biokunststoffen und Tierfuttersubstraten verwendet.

CBD - ein Zaubermittel für und gegen alles? CBD ist in vielen Formen zu haben: als Öl, als Creme, als Kapsel, als Gummibärchen. Und als Liquid für E-Zigaretten. Ein EuGH-Urteil hat jüngst für Klarheit gesorgt, was die Branche der Hanf-Anbauer freut. So wie Marco Cappiello und Jacopo Paolini aus den Abruzzen.

CBD - ein Zaubermittel? Es soll quasi gegen und für alles gut sein. CBD steht für Cannabidiol-haltige Produkte, die in vielen Formen zu haben sind: als Öl zur Einnahme oder zum Einreiben, als Creme, als Kapsel, als Kaugummi oder Gummibärchen. Und als Liquid für E-Zigaretten. Diesbezüglich gab es eine ganze Reihe an Ungereimtheiten, doch seit ein paar Wochen gibt es eine klare Linie. Zwei Franzosen hatten vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklagt - es ging darum, ob der Import und die Vermarktung eines in einem EU-Land legalen Produkts in ein anderes EU-Land, in dem dieses Produkt illegal ist, rechtswidrig ist. Das Gericht entschied zugunsten der Cannabis-Händler aus Südfrankreich und machte das ganze Thema damit europaweit sicherer in der Handhabung.

_MG_5977.jpg

Die wunderschöne, wilde Landschaft der italienischen Abruzzen. Hier wachsen die Pflanzen unter den besten mikroklimatischen Bedingungen.

Corona hat das Interesse an CBD-Produkten noch einmal deutlich gesteigert - wird der Hanfpflanze doch eine ganze Palette an wohltuenden Eigenschaften zugeschrieben: Sie soll - unter anderem - beruhigen, entzündungshemmend wirken und entkrampfen. Daher ist es als bahnbrechend anzusehen, dass CBD vom EuGH nicht als Suchtstoff gewertet wird, da er keine schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sieht. Das Image als reine Kiffer- und Einstiegsdroge dürfte damit vom Tisch sein.

Der Geschäftsführer des Branchenverbands Cannabis-Wirtschaft Jürgen Neumeyer dazu: "Mit dem Urteil des EuGH wird ein geregelter CBD-Markt in Deutschland und Europa greifbarer." Und auch Daniel Kruse, Präsident der European Industrial Hemp Association, bekräftigt, dass das Urteil der Anfang vom Ende der Stigmatisierung von CBD ist; Haus-, Lager- und Geschäftsraum-Durchsuchungen dürften der Vergangenheit angehören.

_MG_8390.jpg

Gründeten 2013 ihr Familienunternehmen: die beiden Kindheitsfreunde Marco Cappiello (r) und Jacopo Paolini.

Auch in Italien weiß man um die multiple Wirkung des Naturprodukts: Bei "Enecta" werden die Blüten des in der freien Natur wachsenden Cannabis schonend per Hand aufgezogen und geerntet. "Wir sind hier mehr als ein Team, wir sind eine Familie", erzählt Marco Cappiello ntv.de. Dem Familienunternehmen ist vor allem eines wichtig: Qualität und Wirksamkeit seiner Produkte. Das stetige Feedback und der Austausch sind für den jungen Gründer von großer Bedeutung: "Für uns endet Qualität nicht mit der Verpackung unserer Cannabisextrakte, und unsere Beziehung zum Kunden endet nicht mit dem Zeitpunkt des Kaufs."

Hungrig nach CBD

Es braucht noch viel Lobby-Arbeit, um den medizinischen Nutzen von CDB weiter zu belegen und die Forschung voranzutreiben, aber Cappiello ist dabei: "Wir geben Fortbildungen, halten Vorträge, sind im Austausch mit Medizinern und Kliniken." Das Team in den Abruzzen will Vorreiter sein: "Wir sind nah dran an Ärzten, aber vor allem an Patienten, die an Multipler Sklerose, Alzheimer, Parkinson, Hautausschlägen oder allgemeinem Unwohlsein leiden", so Cappiello. Und er betont: "Ich habe den Eindruck, dass die Wissenschaft geradezu hungrig darauf ist, die Wirkungen von Cannabidiol zu erforschen."

_MG_7336.jpg

Italien wurde zum weltweit größten Produzenten von industriellem Cannabis. Das Land bietet den perfekten Ort, um die Qualitäten der Pflanze zu verbessern - natürlich unter Einhaltung von zertifizierten Standards.

Gegründet wurde das Familienunternehmen bereits 2013 von ihm und seinem Kindheitsfreund Jacopo Paolini. "Wir wollten immer etwas zusammen auf die Beine stellen", sagt Paolini, der in Castelvecchio in der Nähe der familieneigenen Felder lebt. "Eines Nachts ergab ein Wort das andere, unser Holland-Aufenthalt 2012 spielte auch eine Rolle. Irgendwann sagten wir dann, lass es uns versuchen." Und Marco, der die Firma aus Bologna leitet, ergänzt lachend: "Natürlich waren wir offen gegenüber Cannabis eingestellt, aber wir haben auch immer gesehen, dass das mehr ist als eine Droge. Wir haben in den Niederlanden viele Leute kennengelernt, die Cannabis aus gesundheitlichen Gründen konsumieren." Paolini: "Als wir dann entdeckten, dass man, wenn man nur Teile der Pflanze weiterverarbeitet, im legalen Bereich unterwegs ist, war uns klar, dass wir damit arbeiten wollten."

Jeder hielt die beiden Kindheitsfreunde anfangs für verrückt, inzwischen haben sie 40 Mitarbeiter. In den Abruzzen liegt das Pro-Kopf-BIP um 15 Prozent unter dem nationalen Durchschnitt, 30 Prozent der Bevölkerung sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, und ein Drittel der jungen Leute ist arbeitslos. Da bedeutet ein solcher Betrieb wirtschaftlichen Aufschwung. Wichtig ist den beiden Männern, die Umwelt nicht zu vernachlässigen: Natürlicher Anbau, umfassendes Recycling, Kreislaufwirtschaft und eine sich erhaltende Artenvielfalt sprechen für sich. Cappiello und Paolini verbrauchen viermal weniger Wasser als im Baumwollanbau, sie setzen keine chemischen Düngemittel und Pestizide ein. "Wir wollen in fünf Jahren einen Zero-Waste-Status erlangen", so Paolini, "und wir beginnen mit der eigenen Verpackung".

rgtzuh.PNG

Öle für die sublinguale Einnahme - für eine effektive und schnelle Wirkung - werden in verschiedenen Konzentrationen hergestellt.

(Foto: Enecta)

Noch ein Wort zum Rauchen: Die Kristalle werden wegen eines einzigen Bestandteils von Cannabis ausgewählt, dem CBD - der Rest der Pflanze wird für eine andere Weiterverwertung genutzt. Die Kristalle werden durch einen für diesen Zweck geeigneten Verdampfer geleitet, der in der Lage ist, die Temperatur zu kontrollieren. E-Liquide sind also sehr nützlich, um den Genuss des Rauchens zu haben, ohne auf Nikotin angewiesen zu sein.

"Am Anfang haben die Leute gesagt, dass sie das alles nicht wollen, wenn sie dabei nicht stoned sein können", erinnert sich Marco Cappiello zurück, "das hat sich zum Glück sehr gewandelt".

Quelle: ntv.de