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Düstere Stimmung, düsteres Thema.
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Dienstag, 30. Januar 2018

Das Haus der toten Kinder: "Evils" tut der Seele weh

Von Thomas Badtke

Der 13 Jahre alte James überlebt einen schrecklichen Autounfall. Als Erwachsener kann er sich an nichts aus seiner Kindheit erinnern. Zurück im Elternhaus holt ihn die Vergangenheit ein. Der liebenswerte Familienvater war ein wirklich böser Junge!

Früher war alles besser. Dieses Motto gilt nicht für James Thomas (Jason Cook; "Zeit der Sehnsucht"). Nicht, dass der Ehemann und Familienvater keine schöne Kindheit hatte. Nicht, dass er nicht wohlbehütet und geliebt aufwuchs. Das alles könnte der Fall gewesen sein. Aber James weiß es einfach nicht. Nicht mehr.

Er hatte als 13-Jähriger einen schrecklichen Autounfall. War klinisch tot und konnte doch gerettet werden. Der Preis dafür: vollkommene Amnesie.

Wenn aus Familienglück, ...

Etliche Jahre darauf ist James glücklich verheiratet mit Jenny (Valerie Azlynn; "Tropic Thunder", "Surrogates") und ist Vater eines äußerst liebenswerten, prachtvollen Jungen: Danny (William Pifer). Als James' Mutter stirbt, reist die Kleinfamilie in James' altes Elternhaus, um es auf Vordermann zu bringen und dann möglichst teuer zu verkaufen. Es liegt etwas abseits einer Kleinstadt, in der nicht nur die Häuser überaltert zu sein scheinen: Kinder sieht die Familie Thomas hier nicht.

Ein Haus voller Geister toter Kinder ... wer zieht da schon freiweillig ein?
Ein Haus voller Geister toter Kinder ... wer zieht da schon freiweillig ein?

Aber Jenny und James machen sich darüber zunächst keine Gedanken. Sie haben andere Sachen im Kopf - und eine Menge zu tun: Jenny schmeißt den Haushalt, James sucht einen Käufer für das Haus und Danny gibt den Entdecker: Er hat den Keller des Hauses für sich entdeckt und zu seinem Lieblingsspielplatz erkoren.

Die Nachbarn lassen die Familie in Ruhe, nur Father Donovan O'Malley (Lance Henriksen; "Aliens - Die Rückkehr", "Harte Ziele") stattet den Neuankömmlingen einen Besuch ab. Er kennt James, war mit dessen Mutter befreundet und oft ihr einziger Gesprächsgast. Sie lebte zurückgezogen, vereinsamt.

... der pure Horror wird

James will über seine Kindheit nicht reden. Er kann es wegen der Amnesie schlicht und einfach nicht. Father O'Malley scheint erleichtert. Aber Jenny ahnt, dass er etwas mit sich herumträgt, eine Bürde, über die er nicht sprechen will. Jenny lässt es dabei bewenden, James scheint eh andere Sachen im Kopf zu haben. Und Danny?

Danny plagen plötzlich Albträume. Er redet mit imaginären Freunden, spielt mit ihnen im Keller, lädt sie zum Abendessen ein. Jenny bekommt es allmählich mit der Angst zu tun. Sind sie in ein Haus voller Geister eingezogen? Geister toter Kinder?

"Evils" erscheint am 2. Februar bei Tiberius auf DVD und BD.
"Evils" erscheint am 2. Februar bei Tiberius auf DVD und BD.

Jenny beginnt in den Zeitungsarchiven nachzuforschen. Was sie herausfindet, ist schockierend und alarmierend gleichermaßen, denn es hat mit ihrem Mann zu tun. Jenny muss handeln.

Ein geheimnisvolles Haus, Geister toter Kinder? Als Filmstoff klingt das nicht sonderlich neu, woraus Regisseur Dean Jones seinen Film "Evils" (Originaltitel: "Dark Awakening") gestrickt hat. Alles scheint schon einmal da gewesen zu sein, man hat "es" irgendwo schon einmal gesehen, gehört oder gelesen. Und dennoch ist "Evils" sehenswert!

Das liegt zum einen an Altstar Lance Henriksen, der mit "Aliens – Die Rückkehr" im Fahrwasser des "X-Files"-Hypes TV-Erfolge feierte. Seitdem schien es ruhiger um ihn geworden zu sein, was aber nur halb stimmt. Henriksen war sowohl im Fernsehen als auch in Filmen zu sehen, die allerdings nicht Blockbuster- und Prime-Time-Charakter aufwiesen. Daran ändert auch "Evils" nichts.

Aber in "Evils" kann Henriksen glänzen. Auch die Leistungen der anderen Hauptdarsteller können sich durchaus sehen lassen, sodass der Film unterhaltsam daherkommt. Die Geister überzeugen ebenfalls, der eine oder andere leichte Grusel ist durchaus vorhanden. Aber letzten Endes zielt Jones' Film nicht allein darauf ab: Er will mit seinem Ende überraschen.

Und das tut er auch. Vielmehr sogar: Für manchen dürfte das Ende sogar schockierend sein. Es ist nicht blutig und auch nicht gewalttätig im klassischen Sinn. Es ist vielmehr die Tatsache, dass man von etwas Schrecklichem und zutiefst Verstörenden weiß, aber nichts dagegen getan hat. "Evils" dreht sich um Schuld, Sühne, Vergebung - und eben darum, dass früher nicht immer alles besser war.

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Quelle: n-tv.de