Und täglich grüßt der MindfuckGefangen im Loop: "The Endless"

Die Menschen scheinen nicht zu altern. Vögel fliegen in seltsamen Formationen. Der Mond taucht zu bestimmten Zeiten dreifach auf: Das ist das Camp Arcadia. Jeder ist willkommen, denn "ES" hat Hunger.
Früher war alles besser: Das Gras war grüner, das Meer blauer, die Luft sauberer. Es gab keine Rechten, keine Amokläufe, keinen Donald Trump. Die Kindheit war glücklich. Natürlich ein Trugschluss, von der Natur so gewollt: Schlechtes, Negatives wird einfach verdrängt und übrig bleibt eine Vergangenheit in Rosarot.
So denkt auch Aaron (Aaron Moorhead). Er hat seine Kindheit in einer Art Kommune verbracht. Er ging fischen, war viel in der Natur unterwegs, alle waren freundlich zu ihm. Diese Zeit liegt jetzt zehn Jahre zurück - und laut seines älteren Bruders Justin (Justin Benson) waren sie beide nicht in einer Wohlfühl-Kommune, sondern Teil einer religiösen Sekte, aus deren Fängen sie entkommen sind.
Aaron mag das nicht glauben und als ein Video aus "Camp Arcadia" die beiden Brüder erreicht, beschließen sie, es aufzusuchen, um die Fragen aus der Vergangenheit ein für allemal beantworten zu können. Aaron ist Feuer und Flamme, Justin bleibt skeptisch.
Und schon bist du mittendrin
Im Camp angekommen, werden sie freundlich empfangen. Das ist nicht selbstverständlich, denn Justin hat nach ihrem Ausstieg vor zehn Jahren dafür gesorgt, dass ein medialer Shitstorm über die Arcadier hereingebrochen ist. "Kastrierte Männer, die vergiftetes Bier verkaufen" war noch eine der netteren Behauptungen Justins. Aber was vergangen ist, scheint vergessen und abgehakt: Aaron und Justin bekommen Essen und ein Dach über dem Kopf. Für Aaron reicht das schon, er fühlt sich sofort pudelwohl. Justin wittert hinter all dem Entgegenkommen System, aber er will seinem kleinen Bruder die Zeit im Camp auch nicht vermiesen.
Aber Justin ist aufmerksam und auf der Hut. Dass die Bewohner des Camps seit ihrem Weggang nicht gealtert zu sein scheinen, fällt ihm sofort auf. Dass die Vögel, die über das Camp fliegen, seltsame Formationen annehmen, registriert er auch. Und dass der Mond plötzlich in zweifacher Ausführung am Firmament erscheint, lässt ihn erschauern. Irgendetwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu.
Justin stellt den Campobersten zur Rede. Der sagt ihm verklausuliert, dass es an ihm selbst liege, alles herauszufinden. Er rät Justin zu einem Bootsausflug auf den See. Dort sei eine Boje, da solle er ins Wasser springen und bis zum Boden tauchen. Da finde er dann alle Antworten. Justin grübelt - und fährt auf den See hinaus. Er springt ins Wasser, unter dem wachenden Blick von Aaron. Die Zeit verstreicht, Aaron will sich gerade bereitmachen, selbst ins Wasser zu springen, um seinen Bruder zu retten, als dieser aus dem Wasser schießt. Er klettert wie von der Tarantel gestochen ins Boot. Er habe etwas gespürt, etwas habe ihn berührt am Boden des Sees - und es war absolut unheimlich. "Wir müssen weg hier!", so Justin.
Aber Aaron will bleiben, er hat sich im Camp in eine Frau verliebt. Justin haut dennoch ab. Unterwegs begegnen ihm seltsame Gestalten, deren Verhalten sich zudem zu wiederholen scheint. Einer sagt ihm, Justin müsse fort vom Camp. Sofort. Sobald der dritte Mond aufgehe, sei Justin sonst für immer in dieser Realität gefangen. Sie alle lebten in einem Loop. Und täglich grüßt das Camp Arcadia. Sie alterten nicht, könnten deshalb auch nicht sterben, seien aber tagtäglich in ihrem ganz persönlichen Loop dazu verdammt, alles zu wiederholen - mit dem Wissen, nichts dagegen tun zu können.
Damals, im Ferienlager ...
Am Ende von "The Endless" bleiben gewollt einige Fragen offen: Ist Justin entkommen? Haben sich vielleicht beide Brüder retten können? Oder war ihre Flucht nur Teil ihres persönlichen Loops? Einen Film mit einem solchen Plot nennt man dann wohl einen "Mindfuck". Ersonnen haben ihn die beiden Regisseure, die gleichzeitig die Hauptdarsteller sind, Justin Benson und Aaron Moorhead (beide bekannt für "Resolution" und "Spring").
Denkt der Zuschauer zu Filmbeginn nicht, es könnte sich ein Rache-Slasher aus dem Plot entwickeln, driftet das Ganze danach in eine Hippie-Happy-Hour ab, ehe dann "Akte X" oder auch "Odd Thomas" grüßen lassen. Straight ist etwas anderes, das sollte man vor dem Film wissen. Der Zuschauer muss sich auf "The Endless" einlassen, dann bekommt er jede Menge Schräges, Okkultes, Dramatisches und Witziges geboten. Das Ganze verpackt in einer Ferienlager-Nachtwanderung-Atmosphäre. Wie früher eben. Damals, als alles besser war. Ist das auch ein Loop?
