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"Cold Skin: Insel der Kreaturen" Goodbye Deutschland, welcome Horror

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Amphibien, die Zähne fletschen, beißen auch!

(Foto: Tiberius)

Eine einsame Insel - da zieht es Wetterbeobachter Friend hin. Er träumt von einer ruhigen Zeit. Allerdings ist die Insel gar nicht so einsam wie gedacht und so geht es bald um das nackte Überleben. Kultregisseur Xavier Gens meldet sich zurück.

Auswandern? Eine neue berufliche Herausforderung suchen? Das TV ist voll von Real-Life-Dokus dieser Art. Glücksritter, Gescheiterte, Stehaufmännchen - meist auf Inseln, die vom azurblauen Meer umspielt werden und von der Sonne geküsst. Sie lernen schnell: Aller Neuanfang ist schwer und nur harte Arbeit zahlt sich aus. Aber immerhin: Sonne, Strand und Meer.

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Für Wetteroffizier Friend wird schnell klar: Auf dieser Insel geht es um Leben und Tod.

(Foto: Tiberius)

Das Meer braucht auch Friend (David Oakes; "Die Borgias", "Victoria"). Er ist Wetteroffizier und nach mehr als 60 Tagen Fahrt erreicht er endlich "seine" Insel, auf der er für ein Jahr Wetterbeobachtungen anstellen und Windstärken messen soll. "Wovor laufen Sie davon? Das fragte man mich als Erstes, als ich beschloss, zur See zu fahren." Friend denkt kurz über die Worte des Kapitäns nach, bleibt ihm diese aber schuldig - und lässt sich auf einer abgelegenen, kleinen Insel absetzen. "Keine Vögel. Kein Wetterbeobachter zur Begrüßung", stellt der Kapitän fest. Friend schweigt erneut und blickt in sein heruntergekommenes, baufälliges Quartier. Nicht sehr vertrauenerweckend.

Auch der Leuchtturm, das zweite Gebäude auf dem Eiland, hat seine besten Zeiten schon hinter sich. Das gilt auch für den Leuchtturmwärter Gruner (Ray Stevenson; "Thor"-Reihe, "Bulletproof Gangster"): Wortkarg, mürrisch, irgendwie immer auf Krawall gebürstet, wie dafür gemacht, ohne menschlichen Kontakt auf der Insel sein Dasein zu fristen. "Wo ist der Wetterbeobachter?", fragt ihn der Kapitän. Mehrfach. "Typhus", grummelt er irgendwann. Der Kapitän und Friend schauen sich entsetzt an - aber Friends Entschluss steht fest: Er bleibt. "Essen Sie gut, arbeiten Sie hart, seien Sie wachsam", mit diesen Tipps an Friend verschwindet der Kapitän und damit auch sein Schiff. Das nächste wird erst in einem Jahr vorbeikommen, um dann die Ablösung für Friend vorbeizubringen. Es ist der September des Jahres 1914.

Meine Insel, meine Regeln

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Gruner sieht sich als Herr seiner Insel.

(Foto: Tiberius)

Friend hat nicht lange Zeit, sich an die Einsamkeit zu gewöhnen. Eine Einsamkeit, die trügerisch ist. Bereits in der ersten Nacht wird Friends Bleibe von mysteriösen Kreaturen angegriffen. Friend kann sich verteidigen und kommt mit dem Leben davon. Am nächsten Morgen klopft er bei Gruner am Leuchtturm an. Aber die Tür bleibt verschlossen. Auch in den kommenden Nächten schauen die Kreaturen, die offenbar direkt aus dem Meer kommen, bei Friend vorbei. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken.

Er lauert vor dem Leuchtturm, weiß, dass Gruner ihn hört. Aber erst als der Leuchtturmwärter frisches Wasser von der nahen Quelle holen geht, kann Friend ihn stellen. Gruner ist überrascht - und nicht allein. Er hat eines der Wesen, ein Weibchen (Aura Garrido; "Stockholm"), im Schlepptau. Seine Gefangene. Friend ist baff. Aber er kommt endlich mit Gruner ins Gespräch. Gegen diverse Mitbringsel wie Gewehrmunition und Tabak nimmt Gruner Friend in seinem Leuchtturm auf. Gemeinsam stellen sie sich nun den nächtlichen Heimsuchungen durch die Kreaturen entgegen.

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"Cold Skin" läuft am 17. August in den deutschen Kinos und erscheint am 4. Oktober auf DVD und BD bei Tiberius.

(Foto: Tiberius)

Friend wird schnell klar, dass diese nur Gruners Weibchen zurückhaben wollen. Doch der griesgrämige Alte denkt nicht daran, sie gehen zu lassen. Es ist seine Insel! Hier herrschen seine Regeln! Hier ist er der Boss!

Friend bekommt mit, wie Gruner Sex mit dem amphibienartigen Wesen hat. Gruner schlägt sie, vergewaltigt sie, liebkost sie - je nach Stimmungslage. Und der Wetteroffizier schaut nur zu. Er weiß, in einer offenen Auseinandersetzung würde er den Kürzeren ziehen. Ihm ist aber auch klar, dass irgendwann in naher Zukunft die Essensvorräte knapp werden. Das Gleiche gilt für die Munition. Und wenn diese zu Ende geht, Gnade ihnen Gott!

Friend und Gruner hecken einen Plan aus, die Kreatur spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie soll so viele ihrer Artgenossen wie möglich in eine Sprengfalle locken. In der Theorie klingt das gut, aber die Praxis hat so ihre Tücken.

Abenteuer und Horror vereint

Da schließt sich dann auch der Kreis zu den TV-Auswanderern: Hier alle Zelte abbrechen, um sie woanders neu aufzuschlagen - das klingt in der Theorie einfach. Die Praxis holt viele der Träumer dann schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Nicht wenige der Auswanderer scheitern.

Gescheitert ist Kultregisseur Xavier Gens ("Frontier(s)", "The Divide") mit seinem Fantasy-Horror-Abenteuer-Drama nicht. Er ging damit aber einen neuen Weg: weniger Horror, mehr Fantasy und mehr Abenteuer. Sein Film "Cold Skin: Insel der Kreaturen" erinnert von der Stimmung her an Ridley Scotts Serie "The Terror". Düstere, unwirtliche Bilder. Der Wind, der die Geräuschkulisse bestimmt, die ab und an von den kurzen Dialogen Gruners und Friends sowie den Lauten der Kreaturen unterbrochen wird.

Das erzielt seine Wirkung beim Zuschauer, der allerdings lange im Dunkeln tappt, in welche Richtung sich der Film entwickelt.  Es hätte durchaus auch ein Slasher werden können - ist es aber nicht geworden. Leise Töne schlägt "Cold Skin" dennoch nicht an. Die Mischung macht's irgendwie. Der Zuschauer denkt anfangs noch: "Achja, cool, eine einsame Insel. Das wäre mal was." Dann folgen das raue Wetter, die nächtlichen Angriffe und die unwirtliche Umgebung - und der Zuschauer denkt sich: "Achja, so ein Fernsehsessel ist doch auch was Feines!" Recht hat er, Auswander-Träume sollten oft besser Träume bleiben. Fragt Friend.

"Cold Skin: Insel der Kreaturen" läuft nur am 17. August in den deutschen Kinos und erscheint am 4. Oktober auf DVD und Blu-ray bei Tiberius.    

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Quelle: n-tv.de

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