Essen und Trinken

Göttliches Geschenk Der Bauch entscheidet

Dieser Bauch kämpft für die sexuelle Selbstbestimmung.

(Foto: dapd)

Hundertstelsekunden sind ausschlaggebend über Erfolg oder Misserfolg, über Leben oder Tod. Zum Nachdenken bleibt keine Zeit; wir entscheiden spontan. Andererseits müssen täglich Entscheidungen getroffen werden, die sorgfältig überlegt werden sollten. Doch dann meldet sich eine innere Stimme.

Sie denken, dass Sie mit dem Kopf denken? Na gut, beim kleinen Einmaleins und der Wahl beim Deutschaufsatz zwischen "dickmachen" und "dick machen" ist tatsächlich nur Hirn gefragt. Die wirklich wichtigen Entscheidungen im Leben aber treffen wir mit dem Bauch. Dennoch: Verstand und Glück können auch nicht schaden.

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Auch der Kicker braucht nicht nur Können und Glück.

(Foto: dpa)

Ich kann Sie beruhigen: Auch das "Bauchgefühl" kommt aus dem Hirn (baucheigene Äußerungen sind meistens Blähungen). Es ist diese Intuition, die uns den richtigen Weg weist, etwa beim blitzschnellen Reagieren bei Unfällen, wo Bruchteile einer Sekunde über Leben oder Tod entscheiden. Eine Entscheidung nur mit dem reinen Verstand wäre viel zu langsam. Von den Millionen Reizen pro Sekunde kann das Bewusstsein nur etwa 40 Prozent verarbeiten, den Rest macht das Unterbewusstsein. Reagiert ein Torwart erst, wenn der Gegner den Ball schon getreten hat, hängt das Leder längst im Netz. Auch beim Aktienkauf oder beim Verlieben, der Berufswahl oder beim Einkauf ist es ratsam, auf seine innere Stimme hören. Wenn man sie denn hört …

Immerhin 90 Prozent unserer Entscheidungen gründen sich auf Intuitionen, erforschte der Neurologe Detlef Yves von Cramon, emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig. Verhaltensforscher haben längst ermittelt, dass Ahnungen nichts Übernatürliches, kein Hokuspokus sind, sondern eine Mischung aus den im menschlichen Erbgut verankerten Ur-Instinkten und den hinzugekommenen Erfahrungen. Ohne dass wir es merken, herrscht zwischen limbischem System und Großhirnrinde ein reger Datenaustausch. Kein Geringerer als Albert Einstein bezeichnete die Intuition als ein "göttliches Geschenk" und den denkenden Verstand als einen treuen Diener. Wenn das kein Grund ist, mehr auf den eigenen Bauch zu hören!

77 Prozent der Deutschen glauben laut einer Emnid-Umfrage an Intuition - allerdings verlassen sich nur 22 Prozent auf ihr Bauchgefühl. Dabei vertrauen 27 Prozent der Frauen auf ihre innere Stimme, aber nur 16 Prozent der Männer. Damit wäre die weit verbreitete Meinung bestätigt, "ein Gefühl zu haben" wäre Frauensache. Die Erfurter Psychologin Cornelia Betsch ist dagegen in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt. Männer und Frauen gehen nur unterschiedlich damit um. Betsch empfiehlt daher den Frauen, sich nicht zu sehr auf ihr Gefühl zu verlassen, und den Männern, mehr ihrer inneren Stimme zu vertrauen.

Schwaches Bauchgefühl bei Älteren

Mit zunehmendem Alter lassen sich die Menschen immer seltener von ihrem Bauchgefühl beeinflussen: Von den 14- bis 29-jährigen Deutschen entscheiden noch 33 Prozent aus dem Bauch heraus, von den über 60-Jährigen dagegen nur 8 Prozent, wie die Emnid-Umfrage ergab. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass vor allem Senioren auf Trickbetrüger hereinfallen. US-Forscher haben herausgefunden, woran das liegt: Ältere Menschen können schlechter am Gesicht erkennen, ob eine Person vertrauenswürdig ist oder nicht.

Weil Senioren wenig vertrauenswürdige Menschen oft zu positiv einschätzen, haben Trickbetrüger mit ihnen leichteres Spiel. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Trickbetrüger haben mit Senioren ein leichtes Spiel.

Laut einer Studie der Universität von Kalifornien lässt bei Älteren die Aktivität in der Gehirnregion nach, die ein ungutes Bauchgefühl vermittelt. "Bei älteren Menschen ist das Frühwarnsignal der anterioren Insula schwächer; ihre Gehirne melden nicht im gleichen Maße wie bei jüngeren: sei vorsichtig", so Studienleiterin Shelley Taylor. Die Vertrauensseligkeit der Senioren hat erhebliche Auswirkungen. Einer anderen Untersuchung zufolge ist US-Bürgern über 60 Jahren im Jahr 2010 durch Betrügereien ein finanzieller Schaden von mindestens 2,9 Milliarden Dollar entstanden, angefangen von kleinen Schwindeleien bei Haushaltsreparaturen bis hin zu ausgemachten Betrugsdelikten.

Täglich treffen wir Entscheidungen. Bei den kleinen Dingen des Lebens wie "Was ziehe ich heute an?" sind Fehlentscheidungen höchstens peinlich und ansonsten ziemlich wurscht, ein bisschen overdressed bedeutet nicht den Weltuntergang. Und eine Entscheidung fürs falsche Schuhwerk zieht höchstens Blasen nach sich. Welchen Beruf man aber ergreift, ob man studiert oder nicht, sich vom Partner trennt, ein Kind bekommt oder ein Haus baut - das sind wichtige Entscheidungen, die schwer fallen. Weil wir Angst haben, das Falsche zu tun, weil wir nicht genau wissen, was wir wollen, oder Angst vor den Konsequenzen unserer Entscheidung haben. Die Ungewissheit, was sich aus unserer Entscheidung so alles entwickeln wird, macht es schwer, sich zu entscheiden. Dann ist möglicherweise unser Bauchgefühl ein guter Ratgeber - gepaart mit Verstand und einem Quentchen Glück.

Satt entscheiden wir anders als hungrig

Manchmal ist es doch wirklich der Bauch, der entscheidet. Jeder weiß, dass man mit leerem Magen nicht einkaufen soll, da wird nämlich unüberlegt viel zu viel - und oft auch unnötiges Zeug - eingekauft. Doch auch andere Entscheidungen werden davon beeinflusst, ob wir satt oder hungrig sind. Diesen Schluss legt eine Studie der Universität von South Dakota nahe. Die Probanden hatten die Wahl, sofort einen kleineren Geldbetrag zu bekommen oder später einen größeren. Tranken sie vor der Entscheidung eine zuckrige Limonade und war daher ihr Blutzuckerspiegel hoch, wählten sie häufiger die spätere Auszahlung. Nach einem zuckerfreien Getränk nahmen sie öfter den geringen Sofortgewinn.

Falls Ihr Bauch jetzt knurren sollte, fühlt er tatsächlich etwas - nämlich Hunger. Geben Sie ihm nach, damit Sie klügere Entscheidungen fällen können. Und falls Ihr Verstand Ihnen jetzt sagt, dass man bei 30 Grad im Schatten lieber auf Schweinebraten und einen Krug Bier verzichten sollte, obwohl der Bauch nicht ganz abgeneigt scheint, dann hören Sie auch auf Ihren Verstand und nehmen lieber ein leichteres Gericht. Ihr Bauch wird es Ihnen danken, auch wenn er das jetzt noch nicht weiß.

Paprika mit Schafskäse

Zutaten (1 - 2 Pers):

2 rote Paprikaschoten
120 g Schafskäse
50 g Creme fraiche
2 Zweige Thymian
½ EL Olivenöl
weißer Pfeffer

Zubereitung:

Die Paprikaschoten waschen und gut abtrocknen, halbieren, Stielansatz, Kerne und weiße Häute entfernen. Die beiden Hälften einer Schote recht fein würfeln. Den Thymian abbrausen und die Blättchen abzupfen.

Den Schafskäse mit einer Gabel zerdrücken und mit der Creme fraiche zu einer geschmeidigen Creme verrühren. Die Paprikawürfel und die Thymianblättchen unter die Creme mischen. Mit etwas frisch gemahlenem weißen Pfeffer abschmecken.

Eine kleine Auflaufform mit Öl auspinseln und die beiden gefüllten Paprikahälften hineinsetzen. Mit ein wenig Olivenöl beträufeln. Im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene etwa 30 Minuten backen. Für ein vollständiges Gericht Reis reichen, ansonsten schmeckt frisches Baguette dazu.

Immer ein gutes Bauchgefühl wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de