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Corona beschleunigt den Wandel "Die Karstadts dieser Welt sind am Ende"

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Fußgängerzonen würden in Zukunft wieder "interessanter", glaubt Stephan Schambach.

(Foto: imago/Andreas Prost)

Intershop-Gründer Stephan Schambach ist der Pionier des E-Commerce. Mit Newstore will er den Handel erneut revolutionieren. Die Corona-Krise beschleunige das ohnehin unvermeidbare Ende des klassischen Warenhauses, sagt er im Podcast "Die Stunde Null". Die Innenstädte könnten davon profitieren.

Er gilt als Vordenker und Wegbereiter des E-Commerce: In den 90er-Jahren entwickelte Stephan Schambach die erste Standardsoftware für den Online-Handel, "Intershop Online". Der Turm in Jena, in dem Intershop saß, groß wurde und den tiefen Fall erlebte, wurde während des Neuen Marktes zum Symbol. 2004 startete Schambach den Cloud-Anbieter Demandware, der 2016 an den US-Techkonzern Salesforce verkauft wurde. Seit einigen Jahren baut Schambach, der 1970 in Erfurt geboren wurde, an einem neuen Unternehmen: Newstore.

Newstore bietet Händlern eine Plattform, die auf die Nutzung von Smartphones und Apps optimiert ist. Omnichannel heißt der Fachbegriff, die nahtlose Verzahnung aller Kanäle im Handel. Das, so Schambach, werde die Zukunft sein - und durch die Corona-Krise beschleunigt. "Die Karstadts dieser Welt, die sind einfach am Ende, auch wenn sie jetzt noch mal irgendwie über die Runden kommen", sagte er im Podcast "Die Stunde Null" (Capital, Stern, ntv). "Dieses Modell gibt es in zehn Jahren nicht mehr."

Seine Plattform wird auch stationär in den Filialen der Händler verwendet und ersetzt die Kassensysteme - alles läuft über das Smartphone. Das System kann etwa auch erkennen, wenn Ware in einem anderen Lager oder Laden ist. Laut Schambach geht der Trend hin zu Flagshipstores, also Vorzeigefilialen, die von den Marken selbst betrieben werden. Die Folge: "Es wird weniger Malls und interessantere Fußgängerzonen geben." Nur in vielen Städten ohne traditionelle Kaufhäuser.

Schambach gibt sich in Zeiten von Corona optimistisch. "Jede Krise birgt Chancen, auch wenn die am Anfang der Krise nicht so richtig sichtbar sind", sagte er. Das gelte jedoch nicht nur für Unternehmen, die im Internet präsent sind. "Für die Nicht-Internetwirtschaft bietet diese Krise die größten Chancen, denn die Digitalisierung wird auf einmal mit der zehn- bis zwanzigfachen Geschwindigkeit vorangetrieben."

Der Digitalisierungsschub, den die Krise mit sich bringe, tue auch Deutschland gut. "Relativ zu anderen Ländern stehen wir in Deutschland nicht nur gut da, sondern werden am Ende dieser Krise vermutlich den Abstand noch erhöht haben." Die Regierung sei einigermaßen planvoll vorgegangen - "das hat auch nicht jedes Land".

Wie Stephan Schambach sein Unternehmen normalerweise zwischen Boston und Berlin führt und was er mit Newstore vorhat, hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null" direkt bei Audio Now, Apple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de