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Tourismus läuft nur langsam an Helgoland leidet einsam und coronafrei

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Helgoland liegt 50 Kilometer weit draußen in der Nordsee.

(Foto: picture alliance/dpa)

In ganz Deutschland - in jedem Bundesland, jeder Stadt, jeder Gemeinde - hat das Coronavirus Menschen infiziert. Nur auf Helgoland gab es keinen Fall, nicht einmal einen Verdacht. Wie hat die kleine Insel das geschafft? Und warum leidet sie trotzdem?

Nur etwa 1.500 Menschen nennen Helgoland ihre Heimat und leben dauerhaft auf der Insel mit dem markanten Wahrzeichen, dem großen Felsen "Lange Anna". Seit 1890 gehört die Insel zu Deutschland, allerdings mit einem Sonderstatus. Helgoland ist eine amtsfreie Gemeinde im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein, verwaltet sich also zum Teil selbst. Und Helgoland gehört auch nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union, Zigaretten und Alkohol gibt es auf der Insel also steuerfrei.

Das ist aber nicht mehr der Hauptgrund, weshalb Urlauber die Hochseeinsel rund 60 Kilometer weit draußen in der Nordsee ansteuern. "Wir sind so weit vom Festland weg, dass wir eine fast pollenfreie Luft haben. Wir sind also eine für Allergiker freundliche Kommune. Man kann auf Helgoland besonders gut entspannen und die Natur genießen", sagt Helgolands Tourismusdirektor Lars Johannson im ntv-Podcast "Wieder was gelernt".

Allerdings ist die Zahl der Touristen wegen der Corona-Krise deutlich gesunken. Als die erste Welle über Deutschland hereinbrach, wurde die Insel wie so viele andere Regionen abgeriegelt. Nur ein Schiff pendelte von Mitte März bis Mitte Mai zwischen Insel und dem etwa 60 Kilometer entfernten Festland und das auch nur zweimal pro Woche. So konnten die Insulaner mit dem Wichtigsten versorgt werden, die Insel durften sie aber nur in Notfällen verlassen.

99 Prozent weniger Touristen

Diese Abgeschiedenheit ist während einer Epidemie ein Trumpf: Helgoland hat es ohne Infektion und sogar ohne einen einzigen Verdachtsfall durch die erste Corona-Welle geschafft. Der Preis dafür ist allerdings hoch: "Wir hatten im April im Vergleich zum Vorjahr einen Gäste-Rückgang von 99,1 Prozent. Auf der Insel hängen direkt oder indirekt ungefähr 80 Prozent aller Arbeitsplätze vom Tourismus ab", rechnet Johannson vor.

Seit Mitte Mai läuft der Tourismus langsam wieder an. "Wir haben seit dem 18. Mai einen stetig wachsenden Tourismus. Es kommen auch wieder Tagesgäste. Jetzt hoffen wir, dass wir uns Stück für Stück weiter Richtung Normalität bewegen können. Aber das wird sicherlich noch dauern."

Mittlerweile fahren die Schiffe wieder nach Plan, allerdings nur mit eingeschränkter Kapazität. So kann die Insel die Zahl der Besucher regulieren und sicherstellen, dass Abstandsregeln und Hygienekonzepte eingehalten werden. Die bekommen in der einsamen Corona-Zeit sogar noch etwas mehr Natur geboten, als es auf Helgoland sowieso schon der Fall. "Die Tiere haben noch etwas mehr Platz gehabt. Man hat natürlich gemerkt, dass sich die Tiere noch viel ungestörter bewegen konnten", sagt Tourismusdirektor Johannson. "Egal, ob die Seevögel auf der Hauptinsel oder die Kegelrobben auf der Düne."

Auch für die gelten strenge Abstandsregeln, unabhängig vom Coronavirus. Weil Kegelrobben und Seehunde ziemlich flink sind, müssen Urlauber mindestens 30 Meter Abstand halten.

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Quelle: ntv.de, sks