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Eventim-Chef Schulenberg "Ohne Impfstoff keine Konzerte"

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Klaus-Peter Schulenberg.

(Foto: Eventim)

Klaus-Peter Schulenbergs Lebenswerk sind Events: Er hat mit CTS Eventim Europas größtes Ticketportal aufgebaut. Während andere Branchen wieder loslegen, ist unklar, wann er mit Festivals wie Rock am Ring oder Hurricane wieder loslegen kann. Was also plant er?

Während Deutschland und der Rest der Welt die Wirtschaft langsam wieder öffnen, muss ein Teil unseres Lebens besonders lange auf sich warten lassen: Großveranstaltungen. Es war die erste Branche, die keine Events mehr durchführen konnte - und es werde auch die letzte Branche sein, die wieder mit ihrem Betrieb beginnen könne, prognostiziert Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg im Podcast "Die Stunde Null" von Capital, n-tv und Stern. "Stellen Sie sich die Festivals vor, wo 100.000 Leute gemeinsam ein Lied singen und mit dem Künstler eins werden. Da ist Social Distancing nicht durchführbar", sagt der Chef von Europas größtem Ticketvermarkter und Veranstalter. Eine ganze Branche habe "Berufsverbot" bekommen.

CTS Eventim
CTS Eventim 37,56

Eventim verkauft nicht nur rund eine Viertelmilliarde Tickets pro Jahr, sondern ist auch der Veranstalter bekannter Festivals wie Rock am Ring, Rock im Park, Hurricane oder Southside. Zudem besitzt das Unternehmen bekannte europäische Veranstaltungsstätten, etwa die Waldbühne Berlin, das Apollo London oder die Lanxess Arena in Köln. Das alles sind Geschäftsbereiche, die aktuell stillstehen. "Wir haben ca. 155.000 Veranstaltungen verlegt, 86.000 davon in Deutschland", erzählt Schulenberg. Im vergangenen Jahr konnte Eventim noch knapp 1,5 Milliarden Euro Umsatz verzeichnen - ein Geschäft, das nun stark bedroht ist.

Es sind nicht nur die Auftritte der Stars, die wegfallen. Der Veranstalter spricht auch von jüngeren, kleineren Künstlern, deren Einkommensquelle komplett weggebrochen ist. Hinzu kommen rund 130.000 Beschäftigte in der deutschen Veranstaltungsbranche. Sein Unternehmen hat 3.200 Mitarbeiter, um die er sich kümmern musste. "Wir haben das Unternehmen in einen Notbetrieb umgebaut, um unseren Kunden in dieser Zeit den notwendigen Service bieten zu können", sagt Schulenberg. Das Kurzarbeitergeld habe er zum Beispiel auf 95 Prozent des Nettolohns aufgestockt.

Aus eigener Kraft würde die Branche nicht lange ohne ihr Geschäft überleben, besonders kleine Veranstalter seien in ihrer Existenz bedroht, so Schulenberg. "Leider hat unsere Branche nicht die gleiche starke Lobby in der Politik wie Luftverkehr und die Stahl- oder Automobilindustrie, obwohl Kunst und Kultur meines Erachtens systemrelevant sind." Die Branche brauche Hilfe von der Bundesregierung. "Da müssen wir aktiv werden, wir erarbeiten gerade ein Konzept für Hilfspakete", sagt er.

Doch es muss auch weitergehen. "Wir verkaufen in Deutschland aktuell im Schnitt jeden Tag etwa 10.000 Tickets", sagt Schulenburg. Ein Bruchteil vom Normalgeschäft, der jedoch zeigt, dass die Menschen bereits Hoffnung auf Events im kommenden Jahr haben. Schulenberg ergänzt jedoch: "Ich glaube, dass es erst wieder Veranstaltungen geben kann, wenn es einen Impfstoff oder ein entsprechend wirksames Medikament gibt - da werden wir noch einige Zeit warten müssen."

Sie hören das Interview mit Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg in dem Podcast "Die Stunde Null" direkt bei Audio Now, bei Apple oder Spotify oder über Google.

Der Corona-Schock hat Deutschland und die ganze Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Wie verändert die Krise unser Leben? Und welche Auswege gibt es? Der Podcast "Die Stunde Null - Deutschlands Weg aus der Krise" stellt diese Fragen den Menschen, die durch die Krise steuern: Unternehmern, Wissenschaftlern, Managern, Philosophen und Ökonomen.

Quelle: ntv.de, jga