30 Punkte: doppelte SensationJetzt dreht Let’s Dance völlig auf!
Von Verena Maria Dittrich
Zweimal 30 Punkte an einem Abend, ein Zwischenruf, der für Unruhe sorgt, und ein Jurychef zwischen Strenge und Rührung: Show 5 von Let’s Dance zeigt fast schon nebenbei, wie stark diese Staffel wirklich ist.
"Sie treibt mich manchmal in den Wahnsinn, aber sie treibt mich nach vorne", sagt Ross Antony über seine Tanzpartnerin. Zum Glück versteht seine Mutter kein Deutsch und weiß somit nicht, was er über sie gesagt hat. "Let’s Dance" meldet sich aus der Osterpause zurück, und das bedeutet auch, dass wir einem gut gelaunten Ross bei einer lebendigen Samba zuschauen dürfen, inklusive herrlicher Gesichtskirmes und ein bisschen "Totentanz in der Mitte".
Mehr als 20 Punkte streicht er für diesen fröhlichen Startschuss ein. Ob das vielleicht auch ein bisschen daran liegt, dass er sich so feurig das Hemd aufgerissen und seinen nackten Oberkörper präsentiert hat?
Eine, die an diesem Abend auf eine ganz andere Weise berührt, ist Esther Schweins, die mit einem Tango nicht nur das Publikum, sondern vor allem ihre eigene Mutter erreicht, die gerade 90 Jahre alt geworden ist und für die dieser Tanz gedacht ist. Tatsächlich ist es ihr stärkster Auftritt der bisherigen Staffel, und ihre Mutter, die Joachim Llambi einmal so treffend als "den Mann, der immer die schlechten Noten gibt" beschrieben hat, kann sich diesmal entspannt zurücklehnen.
Motsi nutzt in diesem Zusammenhang die Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen "kein Ablaufdatum" haben, denn wir dürfen nicht vergessen: Esther ist nicht mehr 20 und tanzt mit zwei gebrochenen Rippen. Ihre Eleganz und Dehnbarkeit, die sie in diesem erotischen Mann-Frau-Tanz zeigt, beweist eindrucksvoll, dass man auch mit Ü50 ein Role Model sein kann, ohne dass es bemüht wirkt.
"Na dann mach’s doch!"
Für einen dieser Momente, die man nicht planen kann, sorgen anschließend Jan Kittmann und Kathrin Menzinger mit ihrer Rumba zu "Stand By Me", die in ihrer Gesamtwirkung einfach stimmig ist, weil Choreografie und Ausstrahlung zusammenpassen und das Paar auch optisch genau das transportiert, was dieser Tanz braucht. Llambi sagt, er hätte am liebsten zehn Punkte vergeben, kommt aber gar nicht dazu, das weiter auszuführen, weil aus dem Publikum plötzlich eine Frau dazwischenruft: "Na dann mach’s doch!"
Kurzerhand wird sie ans Jurypult zitiert, wo sie den Juryboss auch noch duzt. Der aber - durch und durch Profi - bleibt beim Sie. Die Zehnerkelle hält sie trotzdem hoch, weil sie der Meinung ist, "eine phantastische Rumba" gesehen zu haben. Acht Punkte sind aber auch nicht zu verachten.
Wussten Sie, dass unser Herr Joachim Llambi in diesem Jahr 20-jähriges Let’s-Dance-Jubiläum feiert? In der Rückschau sieht man, dass er viel mehr ist als ein Grantler. Umarmungen gibt es sowohl von seinen Jury-Kollegen als auch von Victoria Swarovski und Daniel Hartwich. Na, und sehen wir da das eine oder andere kleine Tränchen, Herr Llambi? Natürlich nicht.
"So möchte ich dich jede Woche sehen"
Fast so angriffslustig wie unser Juryboss ist Bianca Heinicke mit einem Paso Doble. Ja, wir sehen viel Dynamik und eine tolle, durchgängige Energie, aber "die Tür zum Finale" ist nicht auf. Ganz anders als bei Anna-Carina Woitschack, bei der sich das "Zuckerbrot und Peitsche"-Training von Woche zu Woche mehr auszahlt. Diesmal flasht sie die Jury mit einem weichen und sehr eleganten Slowfox. Und wieder einmal kann man nur anerkennend ergänzen, was die Make-up-Artists für eine phantastische Arbeit leisten.
Nadja Benaissa, zur Gruselpuppe geschminkt, liefert einen Auftritt, der irgendwo zwischen Wahnsinn und Faszination pendelt. Mit ihrem "spooky Charleston" zu "Bloody Mary" von Lady Gaga fegt sie über das Parkett und haut die Jury aus den Sitzen. Alles ist ein bisschen verrückt und unheimlich, aber vor allem unglaublich präzise und durchchoreografiert. Am Ende stehen alle und selbst Llambi sagt anerkennend: "So möchte ich dich jede Woche sehen." Mehr geht kaum, 30 Punkte, Tanz des Abends.
Direkt danach zieht Joel Mattli mit seiner Partnerin Malika Dzumaev nach und zeigt einen Contemporary, der nicht einfach nur gut getanzt ist, sondern berührt. Zu "Ordinary" wirkt alles leicht, fast schwerelos und gleichzeitig voller Kraft. Die Jury erhebt sich erneut, das Publikum sowieso, und man ist sich schnell einig: Das ist nicht nur gut getanzt, das ist "wunderschön".
Und dann kommt Gustav Schäfer, verspätet, ohne Generalprobe, direkt vom Gig. Was erst nach Ausrede klingt, wird zur Überraschung des Abends. Mit einem Charleston zu "Morgens bin ich immer müde" von Trude Herr haut er "einen raus", wie Llambi es formuliert. Locker, witzig, auf den Punkt. Motsi spricht sogar von "Heilung für Deutschland", so unterhaltsam ist das Ganze. Eine rundum gelungene Choreografie, mit der in dieser Form wirklich niemand gerechnet hat.
Überhaupt zeigt sich in dieser Staffel: Die Latte liegt hoch. Selbst im Mittelfeld wird auf einem Niveau getanzt, das in anderen Jahren für die Spitze gereicht hätte. Sogar Milano, der sein Standard-Trauma noch nicht ganz abgelegt hat, liefert mit einem Slowfox eine charmante, recht saubere Performance ab. Kein Ausreißer nach unten, eher ein Feld, das insgesamt erstaunlich stark ist.
Ausgetanzt nach Show 5 hat: Bianca Heinicke.