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Kampf, Elfmeter, Last-Minute-Tor RB Leipzig kämpft sich spät ins CL-Halbfinale

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Ausgelassener Jubel: RB Leipzig feiert das Tor zum 1:0.

(Foto: Peter Schatz / Pool)

Nagelsmann gegen Tuchel - das deutsche Trainer-Duell im Halbfinale der Champions League ist perfekt. RB Leipzig schafft mit einer starken Vorstellung die Überraschung gegen Liverpool-Bezwinger Atlético. Die Sachsen erzielen erst kurz vor Schluss den erlösenden Siegtreffer.

RB Leipzig hat nach einem wahren Abnutzungskampf gegen die Defensivkünstler von Atlético Madrid das Halbfinale der Champions League erreicht und darf weiter vom Henkelpott träumen. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann setzte sich in einem intensiven und taktisch geprägten Viertelfinal-Duell in Lissabon gegen den spanischen Topklub dank der Treffer von Dani Olmo (50.) und Tyler Adams (88.) mit 2:1 (0:0) durch. Für die Sachsen war es der größte internationale Erfolg der noch jungen Klubgeschichte.

"Ich bin so stolz auf die Mannschaft, auf jeden einzelnen Spieler. Hut ab. Wir wollten auf gar keinen Fall nach Hause, wir haben die Koffer für viele Tage gepackt", sagte Stürmer Marcel Sabitzer bei Dazn und fügte an: "Das war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben eine Topleistung gezeigt." Und Matchwinner Adams fügte an: "Ich bin eigentlich nicht der Torjäger. Ich wollte da sein, wenn ich gebraucht werde. Es macht mich stolz, was uns gelungen ist. Jeder hat alles gegeben." In der Runde der besten Vier trifft RB am kommenden Dienstag auf Frankreichs Spitzenteam Paris St. Germain mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel. "Wir wissen, was für eine brutale Qualität da kommt", meinte dazu Sabitzer. "Die haben Einzelspieler auf dem Platz, die hat kaum eine Mannschaft." Nagelsmann wird mit dann 33 Jahren, drei Wochen und sechs Tagen einen Meilenstein als jüngster Halbfinal-Trainer der Champions-League-Historie setzen.

Trainer geraten aneinander

Ohne den zum FC Chelsea gewechselten Torjäger Timo Werner verdiente sich Leipzig den Sieg im Estadio Jose Alvalade XXI aufgrund eines couragierten und spielerisch reifen Auftritts. Für die Madrilenen, die in der Runde zuvor immerhin Titelverteidiger FC Liverpool mit Teammanager Jürgen Klopp aus dem Wettbewerb geschossen hatten, traf lediglich der eingewechselte Joao Felix per Foulelfmeter (71.).

Auch finanziell lohnt sich der Sieg für RB und die Profis. Von den rund zwölf Millionen Euro, die der Klub durch den Einzug in die Runde der besten vier an Prämie kassiert, sollen laut Medienberichten fünf Millionen direkt an die Mannschaft fließen. Das mit Spannung erwartete Duell an der Seitenlinie zwischen Nagelsmann und Atletico-Coach Diego Simeone verlief weitestgehend ruhig. Die beiden emotionalen Trainer hielten in ihren Coaching-Zonen rund 30 Meter Abstand, nur in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gerieten beide Heißsporne verbal aneinander. Taktisch überraschte Nagelsmann seinen Kollegen aus Argentinien: RB lief in einem 3-3-3-1-System auf, in dem Stoßstürmer Yussuf Poulsen, der Werner als Stürmer ersetzte, von den drei offensiven Mittelfeldspieler Olmo, Christopher Nkunku und Marcel Sabitzer unterstützt wurde.

Tor zwei Minuten vor Ende

Atlético schien damit nicht gerechnet zu haben, die Anfangsphase gehörte eindeutig den Leipzigern. Nationalspieler Marcel Halstenberg hatte bereits in der vierten Minute das 1:0 auf dem linken Fuß, doch sein Schuss aus sieben Metern verfehlte das Tor. Mit zunehmender Spieldauer fand Madrid zu seiner gewohnten Stabilität zurück - und konterte blitzschnell. Der sehr auffällige Yannick Carrasco, mit dem Nationalspieler Lukas Klostermann auf der rechten Abwehrseite Probleme hatte, kam zu einer Großchance, die RB-Torhüter Peter Gulacsi aber vereitelte (13.). Die Rojiblancos überließen wie erwartet RB die Initiative und vertrauten auf ihre Abwehrstärke. Leipzig tat dem Gegner aber nicht den Gefallen, ins offene Messer zu laufen, sondern zog sich selbst auch immer wieder zurück. So gab es kaum Toraktionen. Was es dafür zur Genüge gab, waren Zweikämpfe, die zum Teil auch überhart geführt wurden. So wie der heftige Zusammenprall von Halstenberg und Stefan Savic, der eine Platzwunde davon trug und danach mit einem Verband spielte.

Nach Leipzigs Führungstreffer durch Olmo, dem eine feine Flanke des bärenstarken Marcel Sabitzer vorausgegangen war, musste Atletico seinen Defensivbund mehr und mehr öffnen. In der 58. Minute brachte Simeone 126-Millionen-Euro-Mann Felix, der dann auch mächtig Dampf machte und per Elfmeter für den Ausgleich sorgte, nachdem Klostermann ihn per Grätsche zu Fall gebracht hatte. Ein abgefälschter Schuss aus der zweiten Reihe von Adams ließ RB in der 88. Minute schließlich doch noch ausgelassen jubeln.

Quelle: ntv.de, dbe/sid