Panorama

Chaotische Zustände am Flughafen100 Easyjet-Passagiere wegen neuer Grenzkontrollen in Mailand gestrandet

13.04.2026, 13:35 Uhr
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Eigenen Angaben zufolge hat die Airline versucht, die Passagiere zu unterstützen. (Symbolbild) (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Für Dutzende Reisende wird die Heimreise nach Manchester zur Tortur: Nach stundenlangen Wartezeiten am Flughafen startet ihre Maschine ohne sie. Hintergrund ist die Einführung eines neuen Systems für Grenzkontrollen - das an einigen Airports zu erheblichen Problemen führt.

Ein neues System für Grenzkontrollen hat zu chaotischen Zuständen am Flughafen in Mailand geführt. Rund 100 Passagiere eines Easyjet-Fluges nach Manchester wurden in Italien zurückgelassen, nachdem ihre Maschine ohne sie gestartet war. Hintergrund ist das jüngst in Betrieb genommene europäische Einreise- und Ausreisesystem (EES), das Medienberichten zufolge nicht nur in Mailand zu Problemen bei den Grenzkontrollen führte. Während Easyjet die Schuld beim Flughafen sieht, berichten die gestrandeten Passagiere von ihren Strapazen und Chaos bei den Verantwortlichen.

Der BBC zufolge standen die Passagiere rund drei Stunden in der Schlange bei den neuen Grenzkontrollen, sodass etliche ihren Flug nach Manchester - trotz früher Ankunft am Flughafen - verpassten. Am Ende gingen nur rund 30 Menschen an Bord, während 100 weitere zurückblieben, heißt es. Die langen Wartezeiten sowie die hohen Temperaturen hatten für einige der Passagiere auch körperliche Folgen - einige Menschen mussten sich übergeben, während andere ohnmächtig wurden, berichtet der britische Sender.

Die 17-jährige Kiera aus dem englischen Oldham erzählte dem Sender, sie und ihr Freund seien um halb 8 am Flughafen gewesen, um ihren Flug um 11 Uhr zu bekommen. Am Ende reichte die Zeit nicht annähernd. "Als wir an der Reihe waren, fragte uns jemand, ob wir nach Manchester wollten, und teilte uns mit, dass unser Flug gerade gestartet sei", so die Teenagerin. Sie bemängelt außerdem die Betreuung während der chaotischen Situation. So hätten sie etwa erst um 11 Uhr Wasser erhalten.

Wer ist schuld?

Die Studentin habe sich umgehend per E-Mail an die Airline gewandt. Angesichts der hohen Kosten für einen neuen Flug, der sie und ihren Freund von Mailand nach Manchester bringt, bat sie Easyjet um Hilfe. Die Fluggesellschaft habe ihr daraufhin eine Entschädigung von 12,25 Pfund (rund 14 Euro) angeboten. "Davon können wir uns am Flughafen nicht einmal ein Sandwich kaufen, und wir sitzen hier fest, bis wir morgen fliegen können", erklärte Kiera gegenüber der BBC.

Ähnliche Erfahrungen machte Adam Lomas, der mit seiner Frau und der neugeborenen Tochter zurück in die Heimat fliegen wollte. Er habe versucht, Easyjet telefonisch zu erreichen, doch nur Chatbots erreicht. Zudem mussten sich die gestrandeten Passagiere selbst um eine Unterkunft in Mailand kümmern. Informationen über mögliche Alternativflüge und das weitere Vorgehen hätten sie lange Zeit nicht erhalten. Lomas erklärte im Interview weiter, Easyjet und der Flughafen hätten "stundenlang darüber gestritten, wer daran schuld ist".

Auf Nachfrage von ntv.de erklärte Easyjet hingegen, man habe die Passagiere bestmöglich unterstützt. "Wir haben den Flug EJU5420 von Mailand nach Manchester fast eine Stunde lang aufgehalten, um den Passagieren zusätzliche Zeit zu geben, mussten ihn dann aber starten lassen, da die Besatzung ihre gesetzlich vorgeschriebenen Dienstzeiten erreicht hatte", sagte eine Sprecherin der Airline. Zudem sei jenen Passagieren, die ihren Flug verpassten, "eine kostenlose Umbuchung angeboten" worden. Man entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten, "obwohl dies außerhalb unserer Kontrolle liegt".

Easyjet sieht damit vor allem die Grenzbehörden in der Verantwortung. "Wir fordern die Grenzbehörden weiterhin nachdrücklich auf, die zulässigen Flexibilitäten so lange wie nötig während der Einführung des EES voll und wirksam zu nutzen, um diese inakzeptablen Verzögerungen an der Grenze für unsere Kunden zu vermeiden."

Chaos auch in Lissabon

Das EES sollte ursprünglich bereits im vergangenen Oktober eingeführt werden. Seit dem 10. April dieses Jahres ist es jedoch voll funktionsfähig. Die Registrierung mit dem neuen System ersetzt die manuelle Passstempelung. Personen aus Drittländern wie dem Vereinigten Königreich müssen nun ihre Fingerabdrücke registrieren und sich fotografieren lassen, um in den Schengen-Raum einzureisen.

Die britische Regierung warnte Reisende bereits davor, dass die EES-Registrierung zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen könne. Tatsächlich kam es nicht nur in Mailand zu langen Wartezeiten und chaotischen Zuständen. Ähnlich sei es an den Flughäfen in Lissabon und Paris gewesen, berichtet die britische Zeitung "Daily Mail". "Völliges Chaos am Flughafen Lissabon. Unzählige Menschen verpassen ihre Flüge, obwohl sie stundenlang im Voraus da waren, wegen wahnsinnig langer Warteschlangen an der Passkontrolle", schrieb der ehemalige britische und EU-Diplomat Rupert Joy auf X und fügte hinzu: "Niemand scheint die Kontrolle zu haben oder eine Ahnung, was zu tun ist."

Quelle: ntv.de, spl

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