"Gefahr für Leib und Leben"Glatteis sorgt für Unfallserie auf A10 - BER stellt Betrieb ein

Schneefall und gefährliches Blitzeis legen zeitweise den Nordosten Deutschlands lahm. Während am Hauptstadtflughafen nichts mehr geht, kämpfen Bahn und Polizei mit den Folgen extremer Glätte. Auf der A10 nahe Potsdam kommt es zu zahlreichen Unfällen mit Verletzten.
Schneefall und Eisregen haben am Abend erneut für Behinderungen und Einschränkungen vor allem im Nordosten Deutschlands gesorgt. In Berlin fielen teils U-Bahnen aus, der Hauptstadtflughafen BER musste sogar den Betrieb einstellen. Aufgrund von Blitzeis seien vorübergehend keine Starts und Landungen möglich, sagte eine Flughafensprecherin am Abend. "Unsere Flächen sind spiegelglatt. Es besteht Gefahr für Leib und Leben." Wann der Betrieb wieder aufgenommen werde, sei noch offen. Zunächst gelte ohnehin das Nachtverbot. "Danach sehen wir am Freitagmorgen weiter," sagte eine BER-Sprecherin.
Schon im Laufe des Tages hatte es am Flughafen BER eine Reihe von Problemen gegeben. Zunächst konnten am Donnerstagmorgen nach gefrierendem Regen keine Maschinen starten. Das Enteisen der Flugzeuge nahm jeweils bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch. Der erste Flieger hob dann am späten Vormittag ab.
Im Flugplan kam es anschließend zu erheblichen Verzögerungen und zahlreichen Ausfällen. Fluggäste mussten zum Teil lange Wartezeiten auf sich nehmen. Von den 180 geplanten Starts wurden der BER-Sprecherin zufolge bis gegen Mittag bereits 35 komplett gestrichen und danach noch weitere mehrere Dutzend.
Auf der eisglatten Autobahn 10 bei Potsdam sind bei einer Reihe von Unfällen insgesamt 19 Menschen verletzt worden. Nach Angaben des Lagezentrums der Polizei in Potsdam sind zwischen dem Autobahndreieck Nuthetal und der Anschlussstelle Michendorf in beiden Fahrtrichtungen jeweils mehrere Fahrzeuge auf spiegelglatten Fahrbahnen ineinander gefahren.
Nach derzeitigen Erkenntnissen seien von den 19 Verletzten drei ins Krankenhaus gekommen. Die 16 Leichtverletzten seien ambulant behandelt worden, so die Polizei. Neben einer Reihe von Autos waren an den Unfällen auch ein Lastwagen und zwei Kleintransporter beteiligt.
Berliner Tausalzverbot für Privatleute erschwert Schneeräumung
Die Straßen in der Hauptstadt blieben über Stunden massiv schneebedeckt, Geh- und Radwege waren zudem schon vor dem neuerlichen Schneefall extrem glatt. Zugleich galt weiter ein Tausalzverbot für Privatleute. Eine Allgemeinverfügung des Berliner Senats, mit der der Salzeinsatz ausnahmsweise erlaubt werden sollte, war am Mittwoch vom Berliner Verwaltungsgericht kassiert worden.
Geklagt hatte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), weil Streusalz vor allem für Straßenbäume schädlich ist. Dafür gab es reichlich Kritik, auch von den Grünen. Die frühere Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang sprach auf X von einem "Bärendienst für gesellschaftliche Mehrheiten für Naturschutz". Ältere Menschen verließen teilweise ihre Wohnung nicht mehr, weil sie Angst hätten, sich zu verletzen.
Unterdessen gab es auch im Fernverkehr erneut Probleme: Wie bereits am Tag zuvor war die Strecke Berlin-Hannover betroffen. Auch bei den Regionalbahnen im Nordosten kam es zu Ausfällen und witterungsbedingten Beeinträchtigungen, wie DB Regio auf X meldete.
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten teilte mit, dass die Parks und Schlösser in Berlin und Brandenburg wegen des Wetters geschlossen blieben. Es müsse mit erheblichen Beeinträchtigungen auf allen Verkehrswegen gerechnet werden, hieß es zur Begründung.
Einschränkungen auch in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen
Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es bei mehreren regionalen Verkehrsanbietern Probleme. So bat die Verkehrsgesellschaft Vorpommern Greifswald (VVG) angesichts des Schneefalls alle Schüler, schon vor dem Mittag mit den Schulbussen in ihre Heimatorte zu fahren. Rund um die Stadt Waren fuhren am Morgen gar keine Busse, wie es von der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft ( MVVG) hieß.
Nicht nur im Nordosten, auch etwa in Niedersachsen gab es erneut witterungsbedingte Einschränkungen. So kam es zu Verspätungen und Ausfällen im Nahverkehr, etwa in und um Hannover. In mehreren Landkreisen blieben auch dort am Donnerstag die Schulen geschlossen. In Sachsen gab es zahlreiche witterungsbedingte Unfälle. So krachte es allein in den Landkreisen Bautzen und Görlitz laut zuständiger Polizei bis Donnerstagmittag 80 Mal. Verletzt wurde niemand.